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Goldene Handschläge in MAN-Affäre: Ex-Betriebsratschef und Ex-Personalvorstand kassieren noch Hunderttausende Euro, obwohl sie angeblich freiwillig das Unternehmen verlassen haben

·Lesedauer: 3 Min.
Markus Söder (l, CSU), Ministerpräsident von Bayern, bei einem Besuch im Nürnberger Werk vor einem Jahr mit dem damaligen MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris (Mitte) und MAN-Chef Andreas Tostmann
Markus Söder (l, CSU), Ministerpräsident von Bayern, bei einem Besuch im Nürnberger Werk vor einem Jahr mit dem damaligen MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris (Mitte) und MAN-Chef Andreas Tostmann

Der angeschlagenen Lkw-Hersteller MAN bietet bereits Stoff für literarische Texte. Eine ehemalige Führungskraft veröffentlichte jüngst eine Fabel in den sozialen Medien, in der nicht wenige Mitarbeiter Parallelen zu den Abgründen des VW-Tochterunternehmens entdeckt haben. Ein Löwe, ein Rabe und ein Fuchs eifern dort mit fragwürdigen Mitteln um Macht und Anerkennung.

Mittlerweile gibt es den Löwen bei MAN nicht mehr. Der langjährige Betriebsratschef Athanasios Stimoniaris hat laut einer Pressemitteilung Ende August aus "persönlichen Gründen" das Unternehmen verlassen, alle seine Ämter mit sofortiger Wirkung abgegeben. Trotz des angeblich freiwilligen Rückzugs kassiert "Saki" aber gemäß eines Aufhebungsvertrags noch viel Geld. Dies bestätigten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Demnach zahlt MAN dem einst mächtigen Arbeiterführer in den kommenden Jahren noch Hunderttausende Euro.

Weshalb erhält der langjährige Arbeiterführer das viele Geld? Auf Anfrage wollte sich ein Sprecher nicht zu "Spekulationen rund um ausgeschiedene Mitarbeiter" äußern, dementierte eine entsprechende Vereinbarung aber nicht. Nach Recherchen von Business Insider war Stimoniaris bei MAN intern als "OMK" – oberer Managementkreis – eingestuft. Sein Gehalt belief sich inklusive Bonuszahlungen auf weit mehr als 150.000 Euro pro Jahr. Zudem hatte er Anspruch auf einen Dienstwagen – einen Audi TT. Seine zahlreichen Aufsichtsratsmandate und die damit verbundenen Sitzungsgelder bescherten ihm weitere Einkünfte von etwa 50.000 Euro pro Jahr.

Dem Vernehmen nach verdankte Stimoniaris, der als Staplerfahrer bei MAN begonnen hat, seine herausragende Position und Bezahlung dem ehemaligen Arbeitsdirektor Jochen Schumm. Erst kürzlich hatte Schumm seinen letzten öffentlichen Auftritt: Vor dem Landgericht Braunschweig musste sich der langjährige VW-Personalmanager wegen des Verdachts der Untreue verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm und drei weiteren Personalmanagern vor, einzelnen Betriebsräten bei Volkswagen in Wolfsburg zu hohe Gehälter eingeräumt zu haben. Laut Betriebsverfassungsgesetz dürfen Betriebsräte wegen ihrer Arbeit aber „nicht benachteiligt oder begünstigt werden“. Dem Richter fehlten aber Beweise für ein vorsätzliches Handeln, daher sprach er die Angeklagten frei.

Der Fall Stimoniaris spielte sich dagegen bislang nur intern ab. So lösten anonyme Hinweise über unrechtmäßige Privilegien des MAN-Betriebsratschefs bereits vor mehreren Jahren ein Compliance-Verfahren im VW-Konzern aus. Da Stimoniaris damals Mitglied des Aufsichtsrats der Volkswagen AG war, beauftragte VW eine externe Rechtsanwaltskanzlei mit den Ermittlungen. Die Juristen führten einige Interviews durch, fanden aber nichts Belastbares heraus und schlossen den Vorgang zügig ab. Möglicherweise zu voreilig, wie sich nun herausstellt. So nahm die MAN-Compliance-Abteilung vor Monaten erneut Untersuchungen auf und stieß mit Hilfe von Zeugenaussagen offenbar auf brisante Vorgänge, wie informierte Kreise bestätigen. Kurz darauf verließ Stimoniaris blitzartig die Firma – der Beginn einer bemerkenswerten Kette von Abgängen und goldenen Handschlägen.

So kümmerte sich Personalvorstand Martin Rabe – offenkundig der Rabe in der Fabel – um den Aufhebungsvertrag seines Förderers Stimoniaris. Wenige Wochen später schied Rabe ebenfalls aus. In einer Pressemitteilung erklärte MAN, Rabe wolle einige Monate in Elternzeit gehen. Wie Business Insider erfuhr, soll der Top-Manager aber ebenfalls einen Aufhebungsvertrag mit dem MAN-Aufsichtsrat geschlossen haben. Auf Anfrage erklärte ein Sprecher, "Spekulationen" nicht zu kommentieren. Nach Rabe räumte schließlich auch der Aufsichtsratsvorsitzende von MAN und Vorstandschef der VW-Lkw-Holding Traton, Matthias Gründler, seinen Posten.

Übrig geblieben ist nur der Fuchs: MAN-Chef Andreas Tostmann.

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