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Gold könnte die schlechteste Investition des Jahrhunderts sein

Stefan Naerger, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Gold
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Gold: Entweder man hasst es oder man liebt es.

Die einen sagen: „Nur Gold ist Geld, alles andere ist Kredit“ – und horten das gelbe Edelmetall als Versicherung gegen das Finanzsystem.

Die anderen sagen: „Gold ist faul und verursacht nur Kosten“ – und greifen lieber zu Aktien.

Ich denke, es ist an der Zeit, das Edelmetall einmal von Grund auf fundamental zu betrachten. Schonungslos. In allen Details. Wer sich die Mühe macht, dürfte schnell zu dem Schluss kommen, dass Gold die womöglich schlechteste Investition des Jahrhunderts sein könnte.

Das intelligente Geld lag 2018 goldrichtig

Das Jahr 2020 war ein gutes Jahr für Gold. In der Spitze wurde das Edelmetall für knapp über 2.000 US-Dollar pro Unze gehandelt.

Die Aufholjagd kam für mich – und alle, die sich mit dem US-Terminmarkt beschäftigen – nicht überraschend. Ende 2018 wechselten die großen Spekulanten nach langer Zeit in das Lager der Pessimisten. Gleichzeitig fiel die Anzahl von Positionen, mit denen sich die Goldproduzenten gegen einen fallenden Goldpreis absichern, auf 0.

Die Gemengelage an den Terminmärkten war seinerzeit nicht nur kurios, sondern auch der Startschuss für eine sehenswerte Aufholjagd beim Goldpreis. Das intelligente Geld an den Terminmärkten lag – wie fast immer – goldrichtig.

Gold ist ein Rohstoff aus der Steinzeit

Das Goldfieber ist noch nicht zu Ende. Noch immer werden Goldpreise von 5.000 US-Dollar oder gar 10.000 US-Dollar in den Raum geworfen.

Nun, in einem Umfeld, in dem Angebot und Nachfrage herrschen, ist theoretisch kein Goldpreis unmöglich. Doch wer jetzt auf die US-Terminmärkte schaut, dürfte wenig Hoffnung für die Goldpreis haben.

Die Goldproduzenten sichern sich derzeit so stark gegen einen fallenden Goldpreis ab wie im Jahr 2011 (Stand: CoT-Bericht vom 02.02.2021). Damals folgten 7 Jahre Bärenmarkt. Und jetzt?

Ich denke, Gold hat viele fundamentale Probleme, die eingefleischte Gold-Investoren noch nicht sehen oder nicht sehen wollen. Ja, Gold ist prinzipiell eher selten (wenn auch nicht so selten, wie man sich das vorstellt) und sehr schwer herzustellen.

Doch letztendlich ist Gold ein Rohstoff aus der Steinzeit. Schwer zu transportieren, umständlich zu lagern. Alles in allem ein Material, das in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung wie von vorgestern wirkt.

Gold ist schön, aber keine gute Investition

Auch in der nahen Zukunft wird es einen Platz für Gold geben. Doch ist das Edelmetall jetzt eine gute Investition?

Nein, diese Zeiten sind aus meiner Sicht endgültig vorbei.

An der Front der monetären Vermögensklassen sind Kryptowerte zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz geworden. Auch die Funktion als Industriemetall dürfte den Goldpreis langfristig kalt lassen. Die Industrie ist zu erfinderisch, um sich ewig von Rohstoffen abhängig zu machen, deren Preise bis zum Mond explodieren wollen.

Für Gold bleibt ein Platz im Museum. Als Liebhaber- und Sammlerstück. Als Investition kann ich Gold hingegen nicht mehr ernst nehmen.

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