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Glyphosat-Vergleich kostet Bayer mehr als 10 Milliarden Dollar

Im Streit um den Unkrautvernichter Roundup hat sich der Bayer-Konzern mit den Kläger-Anwälten außergerichtlich geeinigt. Die Leverkusener zahlen zunächst bis zu 9,6 Milliarden Dollar. Doch es gibt weitere Auflagen.

Nach monatelangem Verhandeln und mehreren Verzögerungen haben sich Bayer und die Anwälte für Tausende Kläger auf einen Vergleich im Streit um das glyphosatbasierte Pflanzenschutzmittel Roundup geeinigt. Bayer teilte am Mittwochabend mit, dass man 8,8 bis 9,6 Milliarden US-Dollar zahlen werde, „um die aktuellen Roundup-Fälle beizulegen“. Dies sind die Ansprüche von rund 95.000 amerikanischen Klägerinnen und Klägern. Zuerst hatte die WirtschaftsWoche über die Einigung berichtet.

Ganz beendet ist das Thema Glyphosat für Bayer allerdings trotz des Vergleichs nicht. Die Einigung sieht vor, dass eine Expertenkommission in den kommenden vier Jahren die bestehende Forschung über die Sicherheit des Unkrautvernichters einer erneuten Prüfung unterzieht.

Sollte diese zu dem Schluss kommen, dass das Herbizid ab einer gewissen Dosierung Non-Hodgkin-Lymphome verursacht, sind weitere Klagen möglich. Für die medizinischen Kosten und andere Ausgaben dieser möglichen Kläger stellt Bayer weitere 1,25 Milliarden US-Dollar zur Seite.

Die Verhandlungen über den Vergleich waren im vergangenen Spätsommer aufgenommen worden. Sie sollten die Klagewelle gegen Bayer beenden, die sich in den vorangegangenen Jahren aufgetürmt hatte. Nachdem die International Agency for Research on Cancer Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft hatte, waren zuletzt mindestens 48.000 Klagen bei amerikanischen Gerichten eingegangen, in denen die Kläger das Produkt Roundup für ihre Erkrankung verantwortlich machten.

Roundup ist seit 2018 Teil der Produktpalette von Bayer. Die Leverkusener hatten es sich mit der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto einverleibt. Nach dem Kauf hatte das Unternehmen bereits mehrere Prozesse in der ersten Instanz verloren, was den Aktienkurs von Bayer in den vergangenen zwei Jahren schwer belastet hatte.

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