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Nationalmannschaft: "Mir blutet das Herz"

Lisa Ramuschkat
·Lesedauer: 4 Min.

Für Rafal Gikiewicz hätte es nicht viel besser laufen können, seit er beim FC Augsburg anheuerte.

Sieben Punkte nach drei Spielen stehen auf dem Konto des FCA - und das obwohl die Schwaben mit dem BVB einen der Top-Klubs zu Gast hatten. Nicht nur beim 2:0 gegen die Dortmunder zeigte der frühere Union-Torwart, dass Augsburg auf seiner jahrelang neuralgischen Position nun einen echten Könner aufbieten kann.

Das bewies der polnische Torwart auch schon am 1. Spieltag, als er mit einem 3:1-Sieg bei seinem alten Klub sein FCA-Debüt gab.

"Ich bin jetzt in Augsburg und ich bin glücklich. Der erste Sieg gegen Union Berlin schmeckt doppelt gut. Wir haben aktuell mehr Punkte als Union, und das ist auch mein persönliches Ziel", sagt er im SPORT1-Format Split it! auf Instagram. "Ich will einfach zeigen, dass ich ein guter Torhüter bin und sie einen Fehler gemacht haben. Sie hätten Gikiewicz halten müssen."

Allerdings gibt er auch zu, dass ihm der Wechsel alles andere als leicht fiel. "Mein Herz tut bis heute weh, weil ich gerne in Berlin geblieben wäre. Aber mein Ex-Sportdirektor hatte andere Pläne. Das muss ich akzeptieren. Ich will auch nicht gegen Union schießen, aber es stimmt nicht, dass ich zu viel Geld wollte."

Gikiewicz: "Wenn du einen Fehler machst, explodiert die Bombe"

Nun also hütet Gikiewicz das Tor des FC Augsburg - und er tut es mit großer Leidenschaft.

"Als Torwart explodiert eine Bombe, wenn du einen Fehler machst, aber ich liebe diesen Stress", verrät er. "Du musst einfach jeden Tag mit diesem Gefühl leben. Wenn ich einen Fehler mache, dann sagen alle danach: 'Patzer von Gikiewicz, Augsburg verliert Geld und Punkte.' Und die Jungs sind auch sauer. Aber ich liebe dieses Gefühl."

Der 32-Jährige hat keine Probleme mit Druck - im Gegenteil. "Ich liebe diesen Schmerz, wenn du nach links oder nach rechts springst oder in ein Duell mit dem Stürmer gehst. Ich komme aus Polen. Ich habe keine Angst."

Dem Konkurrenzkampf stellt sich Gikiewicz mit allem, was er zur Verfügung hat. "Torwart ist eine geile Position. Auch eine schwierige Position, weil es nur einen gibt. Seit dem ersten Tag weiß ich, es kann nur Gikiewicz, Leneis oder Koubek spielen. Das heißt, du musst ab der ersten Minute Gas geben, dich total auf deinen Job fokussieren und jeden Ball versuchen zu halten."

Gikiewicz klebt Ziele an den Kühlschrank

Sein persönliches Ziel macht der Keeper unter anderem an der Anzahl der Zu-Null-Spiele fest. "Ich will mehr als acht weiße Westen. Letzte Saison habe ich acht Mal zu Null gespielt (mit Union Berlin, Anm. der Red.) und diese Saison habe wie jedes Jahr sechs, sieben Ziele an meinem Kühlschrank und das ist eines davon."

Überhaupt begleiten den FCA-Torhüter seine persönlichen Ziele rund um die Uhr. "Seit sechs Jahren mache ich immer kleine Zettel vor dem ersten Spieltag an meinen Kühlschrank und jeden Tag, wenn du dir Frühstück machst, musst du deine Ziele visualisieren. Ich lebe 24 Stunden am Tag mit meinen Zielen."

Mit seinem neuen Klub verfolgt er dagegen kein bestimmtes Ziel - außer natürlich, den Abstieg zu vermeiden. "In erster Linie wollen wir besser spielen als in der letzten Saison und dann schauen wir, wie viele Punkte wir gemeinsam sammeln können", sagt Gikiewicz. "Vielleicht kommen wir in Europa-League-Regionen, vielleicht auch nicht. Für uns ist es wichtig, über die 40 Punkte zu kommen, weil wir dann die Klasse halten und auch im nächsten Jahr Bundesliga spielen."

Dabei sind die Augsburger spätestens nach dem Coup gegen den BVB so richtig auf den Geschmack gekommen. "Als nächstes kommt RB Leipzig und jeder weiß, zuhause mit Fans können wir jeden Gegner schlagen. Wir wissen nicht, was nächsten Samstag passiert, aber wir wollen uns gut vorbereiten und dann schauen wir."

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Nationalmannschaft? "Mein Herz blutet"

Doch bei aller Euphorie hat der Torwart ein Thema, das ihn bedrückt: die polnische Nationalmannschaft. "Mein Herz tut weh", sagt Gikiewicz. "Mein Traum ist es, bei der Nationalmannschaft dabei zu sein. Dafür kämpfe ich jeden Tag und jede Woche. Das steht auch auf einem meiner Zettel: 'Nationalmannschaftsnominierung'. Ich hoffe, wenn wir in November nochmal reden, bin ich in Warschau."

Dass der FC Augsburg nicht die letzte Station seiner Karriere sein muss, erklärt der frühere Union-Keeper ebenfalls. Angesprochen auf den Wechsel von Alexander Nübel von Schalke zum FC Bayern, kann Gikiewicz seinen Torhüter-Kollegen durchaus verstehen - selbst wenn sich dieser auf eine längere Zeit mit der Bank abfinden muss.

"Wenn ich in ein paar Jahren ein Angebot aus Bayern bekommen würde, würde ich auch hingehen", ist Gikiewiecz ehrlich. "Da bist du in einer der drei besten Mannschaften der ganzen Welt. Du spielst mit den besten Spielern der Welt und ein Pole (Robert Lewandowski, Anm. der Red.) ist auch dabei - der beste Stürmer der Welt."

Das komplette Interview mit Rafal Gikiewicz gibt es hier: