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Kämpfe um afghanische Provinzhauptstädte halten an

·Lesedauer: 3 Min.
Afghanische Sicherheitskräfte mit Humvee in Kandahar

Die radikalislamischen Taliban haben den Druck auf die afghanischen Regierungstruppen mit weiteren Offensiven gegen wichtige Städte aufrecht gehalten. Nach harten Kämpfen am Wochenende gab es am Montag weitere Angriffe auf die Provinzhauptstädte Laschkar Gah, Kandahar und Herat. Tausende Zivilisten flohen vor der Gewalt. Präsident Aschraf Ghani machte den raschen US-Truppenabzug für die dramatische Lage verantwortlich.

In Laschkar Gah, Hauptstadt der Provinz Helmand, griffen die Taliban zeitgleich das Stadtzentrum und das Gefängnis an. Nach Angaben des Militärs schlugen die Regierungstruppen die Angriffe zwar zunächst zurück. Die Kämpfe gingen aber weiter, zugleich wuchs die Angst vor einer humanitären Krise.

Bewohner der Stadt berichteten von heftigen Gefechten, Ausfällen des Strom- und Mobilfunknetzes und Medikamentenknappheit. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen standen dicht besiedelte Gebiete unter Beschuss. "Häuser werden bombardiert und viele Menschen schwer verletzt", erklärte die Hilfsorganisation.

Auch in einigen Bezirken der Provinz Kandahar und in den Außenbezirken der gleichnamigen Provinzhauptstadt sowie in der westafghanischen Provinz Herat kam es am Montag erneut zu heftigen Kämpfen. "Die Bedrohung in diesen drei Provinzen ist groß", sagte der Sprecher der afghanischen Sicherheitskräfte, Adschmal Omar Schinwari.

Seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan haben die Taliban weite Teile des Landes erobert, bislang aber keine größeren Städte. Die Behörden haben laut Präsident Ghani einen Sechsmonatsplan für den Kampf gegen die Islamisten ausgearbeitet. Der Präsident räumte aber ein, dass die Aufständischen nicht länger eine "verstreute und unerfahrene Bewegung" seien. "Wir haben es mit einem organisierten Kommando und einer organisierten Führung zu tun".

Die Einnahme eines der großen urbanen Zentren Afghanistans würde die Dynamik des Konflikts nach Einschätzung von Experten zugunsten der Islamisten verändern. Beobachter befürchten, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der Nato-Truppen wieder die Kontrolle in Afghanistan übernehmen könnten. Die Provinz Helmand ist wegen der zahlreichen Mohnfelder für die weltweite Heroin-Produktion für die Taliban finanziell besonders interessant.

Ghani machte die USA für die aktuelle Lage verantwortlich. "Der Grund für unsere derzeitige Situation ist, dass die Entscheidung (für den US-Truppenabzug) abrupt getroffen wurde", sagte er im Parlament. Er habe Washington gewarnt, dass der Abzug "Konsequenzen" haben würde.

Die USA und Großbritannien warfen den Taliban unterdessen vor, in der Stadt Spin Boldak an der Grenze zu Pakistan "Kriegsverbrechen" begangen zu haben. Die Islamisten hätten dort "dutzende Zivilisten in Vergeltungsakten massakriert", erklärten die Botschaften der beiden Länder in Afghanistan im Internetdienst Twitter.

Washington sagte wegen der Gewalt die Aufnahme tausender weiterer afghanischer Helfer zu. Die Zahl werde über die rund 20.000 Afghanen hinaus ausgeweitet, die bereits einen Antrag gestellt haben, teilte das US-Außenministerium mit. Viele der afghanischen Dolmetscher, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten für die Nato-Streitkräfte gearbeitet haben, fürchten Vergeltungsmaßnahmen der Taliban.

Auch Deutschland hat 2400 Einreisevisa für Afghanen und ihre Familienangehörigen ausgestellt, die deutsche Soldaten bei ihrem Einsatz am Hindukusch unterstützt hatten. Bislang sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes 1400 Menschen eingereist. Sie erhalten in Deutschland allerdings zunächst nur befristete Aufenthaltsgenehmigungen.

Das Bundesinnenministerium bekräftigte zudem, dass ungeachtet der sich rasch verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan an Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern in das Land festgehalten werden soll. Dies gelte vorrangig für Straftäter, sagte ein Sprecher. Generell seien aber alle Afghaninnen und Afghanen ausreisepflichtig, die nicht über ein Aufenthaltsrecht in Deutschland verfügten, also auch Familien mit Kindern.

pe/dja

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