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Gewinnsprung bei Berenberg: Auf das Rekordjahr folgen jetzt unruhigere Zeiten

Maisch, Michael
·Lesedauer: 4 Min.

2020 hat das Geldhaus so viel verdient wie noch nie. 2021 droht eine Korrektur an den Börsen und damit ein Ende der Sonderkonjunktur im Investmentbanking.

Der Boom an den internationalen Börsen hat der Hamburger Privatbank Berenberg einen deutlichen Gewinnsprung beschert. Das Jahr 2020 beendete das Geldhaus mit einem Jahresüberschuss von 108,2 Millionen Euro, 79 Prozent mehr als im Vorjahr. Bereits 2019 hatte Berenberg das Ergebnis um 160 Prozent gesteigert.

„Bereinigt um außerordentliche Effekte haben wir das höchste operative Ergebnis unserer Geschichte erzielt“, sagte Hendrik Riehmer, einer von drei persönlich haftenden Gesellschaftern, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Für den Gewinnsprung war vor allem das von David Mortlock geleitete Investmentbanking verantwortlich. Im vergangenen Jahr begleitete Berenberg insgesamt 67 Aktienplatzierungen mit einem Gesamtwert von 14,8 Milliarden Euro, darunter elf Börsengänge. In diese Kategorie fielen auch die Platzierung von Curevac und die Bezugsrechtsemission von Biontech in den USA – jeweils deutsche Pioniere in der Covid-19-Impfstoffforschung.

Im Aktienhandel sorgten die durch die Coronakrise ausgelösten heftigen Kursschwankungen im Frühjahr und im November für einen neuen Rekord. Zum ersten Mal übersprang das Volumen die Marke von 100 Milliarden Euro.

Nach dem Rekordjahr 2020 stellt sich Riehmer auf turbulentere Zeiten ein. Sein Basisszenario für die kommenden Monate: Wenn es bis zum Sommer deutliche Fortschritte bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gebe, würde das bei den Investoren die Erwartungen auf eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft schüren. Das wiederum dürfte die Inflationserwartungen anheizen und die Renditen an den Anleihemärkten, vor allem in den USA, in die Höhe treiben und der Rekordjagd an den Aktienbörsen ein Ende setzen.

Erinnerung an Dotcom-Blase

Die Gefahr einer deutlichen Korrektur sieht Riehmer vor allem im Biotechsektor und bei Technologiewerten, bei denen die Bewertung vor allem auf Wachstumsprognosen basiert, die weit in die Zukunft reichen. „Steigen die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen tatsächlich kräftig an, könnte es an der US-Technologiebörse Nasdaq zu einer deutlichen Korrektur kommen“, meint Riehmer. Zumindest in Teilen des Techmarkts hätten sich mittlerweile inflationäre Bewertungen aufgebaut, die an die Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende erinnerten.

Für den weniger technologiegetriebenen deutschen Aktienmarkt ist der Berenberg-Banker zuversichtlicher. „Der Dax könnte sich auch in einem turbulenteren Umfeld als robust erweisen und sich in einer Tradingspanne zwischen 12.000 und 13.000 Punkten halten.“

Bis zum kommenden Sommer wird sich die Hochkonjunktur im Investmentbanking seiner Meinung nach aber noch fortsetzen. Allein für Deutschland sagt er 20 Börsengänge voraus, das wären mehr als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. Für den gesamten europäischen Markt rechnet der Banker mit „mindestens 100 Neuemissionen“ am Aktienmarkt.

Research-Team soll ausgebaut werden

Riehmer und der langjährige Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, Hans-Walter Peters, haben die Hamburger Traditionsbank in den vergangenen Jahren zu einer internationalen Investmentbank umgebaut, die sich vor allem auf den Aktienhandel und die Platzierung von Aktien spezialisiert hat. Mit 116 Analysten und 1100 analysierten Unternehmen gehört Berenberg mittlerweile zu den wichtigen Spielern in Europa in diesem Geschäft. In Frankfurt will Berenberg in diesem Jahr ein etwa 15-köpfiges Research-Team aufbauen, das sich vor allem um kleine und mittlere deutsche Unternehmen kümmern soll.

Den größten Bedarf sieht Riehmer aber in den USA. Dort will Berenberg die Zahl der Analysten mittelfristig von 27 auf 100 steigern, bis Jahresende hält er 75 für realistisch. „Das ist nötig, um im wichtigsten Kapitalmarkt der Welt die kritische Masse zu erreichen“, meint Riehmer. Das Investitionsvolumen beziffert er auf zehn bis 15 Millionen Euro.

Ende des vergangenen Jahres war Peters, der ehrenamtlich den Bundesverband deutscher Banken führt, aus der operativen Geschäftsführung von Berenberg ausgeschieden, was zu einer Neuordnung des Topmanagements führte. Chef-Investmentbanker Mortlock stieg im Herbst in den Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter auf, genau wie Christian Kühn, der für Steuerungs- und Überwachungsfunktionen wie IT, Risk und Compliance verantwortlich ist.

Riehmer übernahm die operative Führung für das Wealth-Management und das Asset-Management, zwei Bereiche, die er ausbauen wollte. 2020 konnte Berenberg netto 3,4 Milliarden Euro an neuen Kundengeldern einwerben. Das von der Gruppe verwaltete Vermögen stieg insgesamt trotz des Verkaufs von Unternehmensteilen um 1,5 Prozent auf 41,3 Milliarden Euro.

Nach dem Rekordjahr sieht Riehmer die Bank mit einer Eigenkapitalquote von 13,5 Prozent auch für unruhigere Zeiten gut gerüstet. „Außerdem haben wir 2020 genutzt, um unsere Reserven deutlich aufzustocken“, betont der Banker.