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Geschmacklos? Rewe verkauft Essen im DDR-Design

Wurde es Mittag, setzten sich die Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) zusammen, und aßen. Oft gab es Feldsuppe. Die Erbsensuppe war sämig, reichhaltig und schmeckte vielen gut. 34 Jahre ging das so, bis 1990. Die Mauer, an der mehrere hundert Menschen starben, war gefallen, die NVA wurde aufgelöst und die Feldsuppe verschwand.

Nun hat Rewe nach eigener Aussage auf die Nachfrage der Kunden reagiert und hat die Erbsensuppe von Kelles Klädener Suppen-Manufaktur in die Regale seiner Ostfilialen gestellt.

Auf der Dose ist ein Militärfahrzeug zu sehen

Die Suppe besteht aus gelben Erbsen mit Schweinebauch, Gemüse und Bockwurst. Die 800 Gramm schweren Konserven tragen die Aufschrift NVA Feldsuppe. Auf das Etikett ist das Foto eines militärischen Versorgungswagens gedruckt.

Die Suppe ist allerdings nicht das einzige Ostalgie-Produkt, das es derzeit bei Rewe zu kaufen gibt. Auf zwei ähnlichen Produkten ist das Staatswappen der DDR mit goldenem Ährenkranz, Hammer und Zirkel abgebildet.

So sieht die DDR-Tomatensoße im REWE-Onlineshop aus. - Copyright: Rewe Shop
So sieht die DDR-Tomatensoße im REWE-Onlineshop aus. - Copyright: Rewe Shop

Die Bundesstiftung Aufarbeitung ist empört

Für die Bundesstiftung Aufarbeitung bedeutet der Verkauf der Produkte eine Verharmlosung des DDR-Unrechts. Es müsse zum erinnerungskulturellen Konsens Deutschlands gehören, „der Opfer des SED-Regimes würdevoll zu gedenken“, schrieb Direktorin Anna Kaminsky laut einer Pressemitteilung der Stiftung an Rewe.

Der Stiftung zufolge wies der Konzern daraufhin die Verantwortung von sich. Die Märkte würden solche Produkte „auf Wunsch der Kundschaft“ listen, antwortete die Pressestelle Region Ost von Rewe demnach. „Verpackung und Produktaufmachung“ lägen „im Verantwortungsbereich des Inverkehrbringers“.

Doch was sagen die Konsumenten? Wir haben in einem Ostberliner Supermarkt nachgefragt.

Suppe schmeckte damals „wunderbar“

Rentner Peter (71, Name geändert) empfindet das Produkt nicht als Verherrlichung. „Ich war nämlich selbst bei der Armee – und deshalb weiß ich, dass die Feldküchensuppen damals wunderbar schmeckten“, sagt Peter zu Business Insider.

Auch für Foodtruck-Mitarbeiter Siggi (55) darf die Suppe im Supermarktregal stehen bleiben. „Wir sollten nichts beseitigen wollen, was mal schlecht oder gut gewesen ist. Man kann das auch mit einem Augenzwinkern sehen“, sagt er.

„Eine Trivialisierung, die nicht stattfinden sollte“

Gastronomin Daniela (55) sieht das anders. Sie denkt bei der NVA unter anderem an Grenztote. „Meiner Meinung nach hätten die Produzenten einen Weg finden können, sich klar von dem Unrecht und der Sinnlosigkeit dieser Tötungen abzugrenzen", sagt Daniela.

Für die Studenten Mary und Mario (beide 20) hat die Suppe nichts mit Nostalgie zu tun. „Ich finde, es sollte niemals Profit aus etwas geschlagen werden, das so negativ konnotiert ist“, sagt Mario.

Das Urteil von Grafik-Designerin Sophie (29) fällt ähnlich aus. Sie hält die Suppe für eine Verharmlosung der DDR-Zeit. Auch das dritte Reich habe mit Konserven und Importartikeln versucht, seine Wirtschaft vertrauenswürdiger erscheinen zu lassen. „Solche Produkte heute zu reproduzieren ist meiner Meinung nach eine Trivialisierung, die nicht stattfinden sollte.”

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