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Gesamtzusammenfassung: Kein Gas fließt mehr durch Pipeline Nord Stream 1

KIEW/MOSKAU (dpa-AFX) - Nach dreitätigen Wartungsarbeiten fließt vorerst kein russisches Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland. Grund dafür sei ein Ölaustritt in der Kompressorstation Portowaja, teilte Gazprom am Samstag mit. Bis dieser gestoppt sei, könne kein Gas mehr fließen. Das Unternehmen hatte die andauernde Unterbrechung überraschend angekündigt.

Die Bundesnetzagentur äußerte Zweifel an der russischen Begründung. "Die von russischer Seite behaupteten Mängel sind nach Einschätzung der Bundesnetzagentur technisch kein Grund für die Einstellung des Betriebs", schrieb die Behörde. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums betonte, dass die Lage auf dem Gasmarkt zwar angespannt sei, die Versorgungssicherheit aber gewährleistet. Schärfer reagierte EU-Ratspräsident Charles Michel. "Die Nutzung von Gas als Waffe wird an der Entschlossenheit der EU nichts ändern", schrieb er. Die Ukraine kündigte an, Deutschland bei der Lösung seines Energieproblems helfen zu wollen - dabei machen sich Experten Sorgen um das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja.

Ukraine will Atomstrom nach Deutschland liefern

Die Ukraine will Deutschland mit der Lieferung von Atomstrom auf dem Weg aus der Abhängigkeit von russischen Energielieferungen unterstützen. "Derzeit exportiert die Ukraine ihren Strom nach Moldau, Rumänien, in die Slowakei und nach Polen. Aber wir sind durchaus bereit, unsere Exporte auf Deutschland zu erweitern", sagte der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal der Deutschen Presse-Agentur. Schmyhal wird am Samstag in Berlin erwartet und am Sonntag von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Kanzleramt empfangen.

Russland meldet ukrainischen Militäreinsatz nahe AKW Saporischschja

Die Lage rund um das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja in der Südukraine bleibt unübersichtlich. Das russische Verteidigungsministerium beschuldigte die ukrainische Armee, trotz der Anwesenheit internationaler Atomexperten das AKW zurückerobern zu wollen. An der Aktion seien 250 Soldaten und "ausländische Söldner" beteiligt gewesen. Die russische Armee will den Angriff abgewehrt und dabei mehrere Boote zerstört haben. Diese Angaben ließen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen. Das ukrainische Militär beschuldigte wiederum Russland, es habe in der Nacht zum Samstag Angriffe in Richtung Saporischschja vorgenommen.

Atomenergiebehörde besorgt nach AKW-Beschuss

Angesichts des andauernden Beschusses des besetzten AKW bangen internationale Experten nach einem Besuch um die Sicherheit dort. Seine größte Sorge bleibe, dass das AKW durch weiteren Beschuss schwer beschädigt werden könnte, sagte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Rafael Grossi in Wien. Zwar seien Schäden offenkundig und inakzeptabel, aber wichtige Sicherheitselemente wie die Stromversorgung des Kraftwerks funktionierten. Er habe auch nicht den Eindruck, dass die russischen Besatzer etwas verborgen haben. "Wir haben alles gesehen, was ich sehen wollte", sagte Grossi.

Türkei will zwischen Russland und Ukraine vermitteln

Die Türkei hat sich im Streit um das Kraftwerk als Vermittler ins Gespräch gebracht. Das sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, wie Erdogans Büro mitteilte. Ankara könnte "in der AKW-Frage von Saporischschja eine unterstützende Rolle spielen, wie es beim Getreideexport der Fall war". Aus Moskau gab es dazu keine Reaktion. Die UN und die Türkei hatten Vereinbarungen vermittelt, dass die Ukraine trotz des russischen Angriffskrieges wieder Getreide über ihre Schwarzmeerhäfen ausführen darf.

Erdogan würdigt Gorbatschow in Telefonat mit Putin

Erdogan sprach zudem mit Putin über die Mission der IAEA. In dem Gespräch würdigte Erdogan den verstorbenen ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow gewürdigt. Nach Angaben des Kremls verwies Erdogan dabei auf dessen "bedeutende Rolle" in Russlands jüngster Geschichte und in der Welt. Der Friedensnobelpreisträger war am Dienstag im Alter von 91 Jahren gestorben.

London: Breiter Vormarsch ukrainischer Truppen westlich des Dnipro

Die Ukraine forciert bei ihrer Gegenoffensive in der Region Cherson im Süden des Landes britischen Geheimdiensten zufolge derzeit einen breiten Vormarsch auf drei Achsen westlich des Flusses Dnipro. Diese Offensive habe zwar nur begrenzt unmittelbare Ziele, die Russen aber mutmaßlich taktisch überrascht, hieß es in einem Kurzbericht des Verteidigungsministeriums in London. Damit würden logistische Mängel und Schwächen in der Führung der russischen Offensive entlarvt.

Moskau spricht von hohen ukrainischen Verlusten

Das ukrainische Militär erleidet nach russischen Angaben bei seiner Gegenoffensive hohe Verluste. Versuche, sich im Raum zwischen Mykolajiw und Krywyj Rih festzusetzen, seien erfolglos, berichtete das Verteidigungsministerium. Dabei habe die Ukraine 23 Panzer und 27 Kampffahrzeuge verloren. Zudem sollen mehr als 230 Soldaten getötet worden sein. In Krankenhäusern fehlten Betten und Blutkonserven. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Nachfolger für Botschafter Melnyk steht fest

Der Nachfolger des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk, steht nun fest. Die Regierung in Kiew habe ein sogenanntes Agrémentersuchen für Olexij Makejew gestellt, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amts mit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe dieses Agrément - also die Zustimmung des Gastlandes für eine diplomatische Tätigkeit - bereits erteilt. Das Agrément ist einer von mehreren Schritten bis zur endgültigen Akkreditierung eines Botschafters. Dass Makejew Botschafter werden soll, war seit längerem im Gespräch. Er löst Andrij Melnyk ab, der Deutschland am 14. Oktober verlassen soll. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" berichtet.