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GESAMT-ROUNDUP: Spahn stellt auf 'harte Wochen' ein - Impfgipfel am Montag

·Lesedauer: 3 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Trotz Rückgangs der Corona-Infektionszahlen in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Menschen in Deutschland auf weitere harte Wochen angesichts des knappen Corona-Impfstoffs eingestimmt. Ein Bund-Länder-Treffen zur Lage und zum Vorgehen beim Thema Impfen ist nun für kommenden Montag geplant. "Die Bundeskanzlerin und die Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz haben sich darauf verständigt, am 1. Februar um 14.00 Uhr zu einem Impfgespräch zusammenzukommen", teilte ein Regierungssprecher am Donnerstag mit.

Weil es bei den Impfstofflieferungen seit Wochen ruckelt und Hersteller wiederholt geringere Mengen in Aussicht stellten, als zunächst geplant, hatten mehrere SPD-Politiker einen Impfgipfel gefordert. Auch Spahn hatte sich am Donnerstag offen dafür gezeigt. "Denn wir gehen bei der Knappheit des Impfstoffes noch durch mindestens zehn harte Wochen", teilte der Gesundheitsminister mit. "Die sollten wir mit gemeinsamem Arbeiten in der Sache verbringen." In zehn Wochen, also im April, ist Ostern.

An der Videokonferenz am Montag sollen neben weiteren Mitgliedern der Bundesregierung und den Spitzen der Länder auch Vertreter der Impfstoffhersteller sowie der betreffenden Verbände teilnehmen.

Die Menschen in Deutschland können nach Expertenansicht allerdings auch durch einen solchen Gipfel nicht rasch auf mehr Impfungen hoffen. "Die Kapazitäten können nicht binnen zwei oder drei Monaten über den bisherigen Plan vergrößert werden", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Die Massenimpfungen gelten als Schlüssel, um das Virus zurückzudrängen. Derzeit zielt viel Kritik an Spahn darauf, dass zu langsam geimpft werden könne.

Spahn hofft indessen auf den Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca, der voraussichtlich am Freitag in der EU zugelassen werden soll. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung - allerdings mit Einschränkungen. Aufgrund von derzeit verfügbaren Daten werde dieser Impfstoff nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen, hieß es im Gesundheitsministerium.

Viele Deutsche dürften Hoffnung bei der Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen schöpfen: Erstmals seit Ende Oktober lag die sogenannte 7-Tage-Inzidenz laut Zahlen des Robert Koch-Instituts am Donnerstag unter der Schwelle von 100. So wurden in Deutschland binnen einer Woche 98 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner an die Gesundheitsämter übermittelt, wie das RKI meldete. Damit hat sich die Zahl der innerhalb von 7 Tagen gemeldeten Neuinfektionen seit dem Höchststand am 22. Dezember (197,6) in etwa halbiert. Eine 7-Tage-Inzidenz von 50 gilt als die Schwelle, unterhalb derer die Gesundheitsämter die Lage durch Kontaktnachverfolgung unter Kontrolle halten können.

Zugleich stieg eine andere wichtige Zahl für die Politik: Ein großer Teil der Deutschen steht weiter hinter den Maßnahmen der Bundesregierung. Die bis Mitte Februar verlängerten und weiter verschärften Corona-Regeln werden von einer Mehrheit von 56 Prozent als richtig angesehen, ergab das am Donnerstag veröffentlichte ZDF-"Politbarometer". Das Umfrageergebnis entspreche einem Zuwachs der Zustimmung von fünf Prozentpunkten im Vergleich zu Mitte Januar. Unverändert 28 Prozent der Befragten plädierten für eine weitere Verschärfung, 14 Prozent hielten die Maßnahmen für übertrieben.

Eine Mehrheit der Deutschen hat sich ebenso für einen überwiegenden Stopp von Flügen nach Deutschland ausgesprochen. Nach Auswertung einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov würden es 68 Prozent der Deutschen begrüßen, den Flugverkehr nach Deutschland im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf nahezu null zu reduzieren.

Die Bundesregierung will sich nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bis Freitag auf ein weitgehendes Einreiseverbot aus Ländern mit hoher Verbreitung neuer Corona-Varianten verständigen. Bei den angedachten Reisebeschränkungen konzentriere man sich auf Mutationsgebiete wie derzeit Portugal, Großbritannien, Südafrika und Brasilien. Seehofer stellte allerdings auch klar, dass er kein generelles Verbot von Auslandsreisen anstrebt. Deutschland "wird kein Gefängnis", sagte er in einem "Bild"-Interview.