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Gericht in den Niederlanden verurteilt Shell zu Entschädigung für Bauern in Nigeria

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Nach einem jahrelangen juristischen Tauziehen hat ein Gericht in den Niederlanden den Ölriesen Shell dazu verurteilt, wegen Umweltverschmutzungen in Nigeria Entschädigungen zu zahlen. Shell sei verantwortlich für die durch Öl-Lecks im Niger-Delta verursachten Umweltschäden, teilte das Berufungsgericht in Den Haag am Freitag mit. Die Höhe der Entschädigung wird noch gesondert festgelegt.

Geklagt hatten vier Bauern aus dem Niger-Delta, unterstützt von der Umweltschutzorganisation Milieudefensie. "Freudentränen", twitterte die Organisation am Freitag nach dem Urteil. Shell äußerte sich "enttäuscht".

Die Bauern hatten die Klage bereits 2008 eingereicht. "Nach 13 Jahren haben wir nun gewonnen", freute sich Milieudefensie. Die Bauern klagten wegen Umweltverschmutzung in ihren Dörfern Goi, Oruma und Ikot Ada Udo im Südosten Nigerias.

Bereits 2013 hatte ein niederländisches Gericht geurteilt, dass Shell für ein Öl-Leck verantwortlich sei - allerdings nicht der Mutterkonzern, sondern die nigerianische Tochter. Daher sei es nicht zuständig. Dies Urteil kippte 2015 ein Berufungsgericht in Den Haag.

Laut Urteil vom Freitag muss Shell Nigeria nun Entschädigungen für Öl-Lecks in Goi und Oruma zahlen. Der Konzern müsse dort die Pipeline so ausrüsten, dass Lecks frühzeitig entdeckt und Umweltschäden künftig so minimiert werden können. Im Fall Ikot Ada Udo erbat sich das Gericht mehr Zeit zur Prüfung aus. Das Leck dort sei aufgrund von Sabotage entstanden.

In Nigeria sagte der Chef der Gemeinde Ogale im Niger-Delta, Emere Godwin Bebe Okpabi, der Nachrichtenagentur AFP, er sei glücklich über das Urteil, es zeige, "dass unser Volk Gerechtigkeit für Jahre der Umweltzerstörung durch Shell erreichen kann". Shell Nigeria erklärte, das Unternehmen sei nach wie vor davon überzeugt, dass die Lecks in Oruma und Goi ebenfalls die Folge von Sabotage gewesen seien.

Die Ölreserven im Niger-Delta machen Nigeria zum größten Förderer in ganz Afrika. Dennoch lebt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung des Deltas in Armut. Durch Umweltschäden in der Region sind die bedeutendsten dortigen Wirtschaftszweige, Landwirtschaft und Fischerei, stark gefährdet.

ilo/hcy