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Geopolitik statt Corona-Krise bei Auftakt der WHO-Jahrestagung

GENF (dpa-AFX) - Mitten in der Coronavirus-Pandemie entbrennt bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein geopolitischer Streit. Es geht um die Frage, ob Taiwan bei der Jahresversammlung der Organisation ab Montag als Beobachter teilnehmen darf. China betrachtet die Insel als abtrünnige Provinz und blockiert dies seit drei Jahren. Bislang haben die anderen der 194 Mitgliedsländer das hingenommen, aber in diesem Jahr haben die USA Verbündete zusammengetrommelt, um Taiwans Teilnahme durchzusetzen. Entsprechende Resolutionen dürften Initiativen zur Bewältigung der Corona-Krise zum Auftakt der zweitägigen virtuellen Tagung am Montagmittag zunächst verdrängen.

Dahinter steht ein Machtkampf um Einfluss zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump wirft der WHO vor, unter dem Einfluss Chinas zu stehen. Kritiker sagen, er wolle mit seinen Attacken auf China und die WHO vom vielfach kritisierten Umgang seiner Regierung mit der Corona-Pandemie ablenken. Trump hat die US-Beiträge an die WHO zunächst eingefroren und droht mit einer deutlichen Kürzung.

Von Bundeskanzlerin Angela Merkel war zum Auftakt der Konferenz eine Videobotschaft geplant. Deutschland ist für die Teilnahme Taiwans.