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Generationswechsel bei H & M – wie der Moderiese sich neu aufstellt

Der schwedische Moderiese H & M steht vor dem Umbruch: Der jahrelange Chef Karl-Johan Persson tritt ab. Seine Nachfolgerin steht bereits fest.

Helena Helmersson ließ sich nicht lange bitten. Am Morgen erst war sie überraschend zur neuen Chefin von H & M gekürt worden. Mittags stellte sie sich schon in einer Telefonkonferenz vor, in der eigentlich die Jahreszahlen des schwedischen Textilhändlers im Mittelpunkt stehen sollten. „Ich bin sehr aufgeregt und glücklich über meinen neuen Job“, sagte die 42-jährige Schwedin.

Sie sieht „ein großes Potenzial“ für H & M, „um mit bestehenden und neuen Marken und mit neuen Formen der Partnerschaft zu expandieren“. Was sie damit konkret meint, ließ die Managerin zwar offen. Doch ihre Worte klingen nach großen Veränderungen für den mehr als 70 Jahre alten Traditionskonzern aus Stockholm. Mit ihrem Amtsantritt übernimmt Helmersson den schwierigen Job des langjährigen CEOs Karl-Johan Persson.

H & M hat seine Krisenjahre zwar überwunden. So steigerte der Filialist seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um elf Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Und auch der Gewinn legte nach mehreren Jahren wieder zu.

Doch Helmersson muss es gelingen, den Textilriesen dauerhaft auf ein profitables Wachstum zu trimmen. Denn vor allem im Bereich E-Commerce hat H & M Nachholbedarf: Im Gegensatz zur Konkurrenz hatten die Schweden bis zu ihrem Umbau kaum ins Onlinegeschäft und in neue Märkte investiert. So kam der Filialist insbesondere bei jungen Käufern aus der Mode.

Der Aufstieg der Schwedin kommt nun einer Revolution bei H & M gleich. Sie ist die erste Vorstandschefin des Textilhändlers. Und erstmals seit mehreren Jahren wird die Spitze des Konzerns nicht durch die Eigentümerfamilie besetzt.

Bisher hatte Persson mehr als zehn Jahre den Chefposten inne. Und dessen Vater Stefan Persson steuerte 20 Jahre als Chairman das Unternehmen im Hintergrund. Der Junior soll ihn im Mai dann als Aufsichtsratschef beerben.

Helmersson bringt für ihren neuen Job reichlich Erfahrung mit. Sie arbeitet seit 1997 für H & M. Zeitweise war sie für den Einkauf zuständig, anschließend lange für Nachhaltigkeit und für die Textilproduktion. Zuletzt steuerte sie als Chief Operating Officer Schlüsselbereiche wie die Expansion, Logistik, IT und Künstliche Intelligenz.

Kampf für höhere Löhne

Viele Topmanager haben zumindest ein paar Jahre an renommierten Auslandsunis studiert. Helmersson hingegen hat ihr komplettes Wirtschaftsstudium an der Universität Umeå im Norden Schwedens absolviert. Später verbrachte sie viele Jahre in Hongkong, und anschließend ging es für sie als HR-Managerin nach Dhaka, in Bangladeschs Hauptstadt, wo viele Modeunternehmen ihre Bekleidung unter teils fragwürdigen Bedingungen produzieren lassen. Gut möglich, dass ihr aus diesem Grund das Thema Nachhaltigkeit so wichtig ist.

So setzte sie sich auf dem Copenhagen Fashion Summit im vergangenen Jahr energisch für die Rechte der Arbeiter in den Textilfabriken ein. „Wir müssen die Arbeiter in ihrer Position stärken“, sagte sie bei einer Podiumsdiskussion. Bereits 2013 begann Helmersson, mit den ersten Fabrikbesitzern über bessere Arbeitsbedingungen zu sprechen. In 650 Fabriken mit 900.000 Beschäftigten werden laut ihrer Aussage mittlerweile bessere Löhne gezahlt.

Die neue H & M-Chefin muss es vor allem schaffen, dass die in Asien produzierten T-Shirts, Röcke und Hosen bei jungen Kunden wieder besser ankommen. Denn dort haben viele Konkurrenten H & M in den vergangenen Jahren den Rang abgelaufen. Vor allem der spanische Inditex-Konzern ist mit seiner Kette Zara international erfolgreicher. Er ist schneller darin, aktuelle Trends in seine Läden zu bringen.
Anleger reagieren positiv

An der Börse kommt die neue Chefin gut an. Die Aktie stieg am Donnerstag zeitweise um mehr als sieben Prozent auf 19,40 Euro. Auch Analysten sehen den Chefwechsel positiv. Esbjörn Lundevall, Analyst bei der Bank SEB, erklärte gegenüber der Zeitung „Svenska Dagbladet“, dass der Wechsel ein Zeichen der Stärke sei und zeige, dass die Krise überwunden ist.

Auch für Peter Malmqvist, Analyst beim Verband der Kleinaktionäre, „ist er ein Signal, dass das Großreinemachen im Unternehmen beendet ist und dass Karl-Johann Persson nun den Besen wegstellen kann, sodass die neue Chefin auf dem frisch geputzten Boden tanzen kann“, wie er es bildhaft formuliert.

Aber auch wenn sich Helmerssons Vorgänger Karl-Johan Persson nun in den Aufsichtsrat zurückzieht, hat er als künftiger Chef des Kontrollgremiums weiterhin Entscheidungsgewalt. Das gilt ebenfalls für seinen Vater Stefan. „Ich werde ein engagierter Eigentümer bleiben“, kündigte der vorsorglich schon einmal an.

Sein Einfluss ist ohnehin groß. Schließlich hält die Familie Persson 44 Prozent der Anteile und 73 Prozent der Stimmrechte an dem schwedischen Textilkonzern. Helmersson muss sich in Zukunft also darauf gefasst machen, dass Vater und Sohn Persson ihre Arbeit als neue Vorstandschefin kritisch verfolgen werden.