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General Electric rechnet mit Millionen-Belastungen wegen Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus trifft GE in China hart. Der Konzern rechnet mit Belastungen von mehreren hundert Millionen Dollar.

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) bekommt die Auswirkungen der Coronavirus-Krise zu spüren: Der Vorstandsvorsitzende Larry Culp rechnet im ersten Quartal mit Belastungen des Cashflows in Höhe von 300 bis 500 Millionen Dollar. Das operative Ergebnis werde wegen des Virus um bis zu 300 Millionen Dollar niedriger ausfallen.

Der Corona-Ausbruch hat GE in China stark getroffen. Zudem lastet der Einbruch bei den Flugreisen auf dem kommerziellen Airline-Geschäft. Diese Probleme kommen zu den bereits bestehenden mit den Unglücksmaschinen 737 Max von Boeing hinzu. Der Siemens-Konkurrent gehört zu den wichtigsten Lieferanten von Boeing.

„Wir haben 18.000 Mitarbeiter in China, 2000 davon in Wuhan“, erklärte GE-CEO Culp. In einer Telefonkonferenz mit Investoren stellte das Management seinen Ausblick für das gesamte Jahr vor. Culp hält an seinen Jahreszielen fest, macht allerdings auch klar, dass mögliche Auswirkungen des Coronavirus über das erste Quartal hinaus im Ausblick noch nicht einkalkuliert sind.

Culp trat im Oktober 2018 an, um den taumelnden Traditionskonzern umzukrempeln. Er ist der erste CEO in der Firmengeschichte, der von außen geholt wurde und muss das Chaos aufräumen, das ihm seine Vorgänger überlassen haben. Culp folgte auf den glücklosen John Flannery als Vorstandsvorsitzender bei GE. Dieser hatte zuvor den langjährigen Chef Jeffrey Immelt im Sommer 2017 abgelöst, nachdem dieser seinen Posten räumen musste.

Vor allem die Elektrizitätssparte macht GE zu schaffen. Die Probleme gehen vor allem auf den viel zu teuren Kauf der Energiesparte des französischen Alstom-Konzerns zurück. 2015 hatte GE 17 Milliarden Dollar für den Zukauf bezahlt. Doch kurz darauf sank weltweit die Nachfrage nach Kraftwerken für fossile Brennstoffe – Alstoms wichtigstem Produkt.

Nach milliardenschweren Abschreibungen auf die Sparte setzt GE nun verstärkt auf Dienstleistungen für Kernkraftwerke und Biomasse-Anlagen. Der Cashflow wird nach Angaben des Unternehmens aber auch noch in diesem und im kommenden Jahr negativ sein.

Culp hat damit zum zweiten Mal mit widrigen Umständen bei seiner ohnehin schon immensen Aufgabe zu kämpfen: Als im vergangenen Jahr nach zwei Abstürzen die Boeing-737-Max-Maschinen am Boden bleiben mussten, traf das auch GE als wichtigen Zulieferer. Bis heute ist das Modell noch nicht wieder zugelassen. Nun kommt auch noch das Coronavirus hinzu.

„Der Ausbruch des Virus ist jenseits unserer Kontrolle“, machte Culp klar. Aber es gebe andere Bereiche, die GE kontrollieren könne: „Die Verbesserung bei Erneuerbaren Energien können wir stärker kontrollieren“, sagte er. Auch die Kultur bei GE habe sich geändert. „Wir gehen Probleme anders an. Wir packen das Gute und das Schlechte auf den Tisch und suchen nach Lösungen“, sagte Culp.