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Geld abheben – kostenlos wird schwieriger

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: gettyimages)

Geld am Automaten holen geht schnell und ist praktisch. Doch immer mehr Banken schließen ihre Filialen und bauen Geldautomaten ab. Dafür stellen neue Automatenbetreiber welche auf und verlangen oft saftige Gebühren. Stiftung Warentest hat den Praxistest gemacht und gibt Tipps, wie Kunden trotzdem günstig an ihr Geld kommen.

Der Blick ins Portemonnaie zeigt: Nachschub muss her! Doch wer dann nach einem Automaten Ausschau hält, der Bares kostenlos ausspuckt, wird immer seltener fündig. Denn statt Automaten der Hausbank finden sich mehr und mehr solche von professionellen Betreibern, die fürs Geldscheine-Ziehen Gebühren kassieren wollen.

Wie viel das ist, ist für Kunden nicht so einfach ersichtlich, bemängelt Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe des Verbrauchermagazins Finanztest. „Aufkleber kündigen lediglich an, das Entgelt werde am Bildschirm angezeigt. Kunden erfahren den Preis aber erst, wenn sie ihre Karte eingesteckt und ihre Pin sowie den Betrag eingegeben haben, also kurz bevor sie den Auftrag endgültig bestätigen. Bei unserem Test waren das jeweils satte 4,99 Euro“, so die Verbraucherschützer.

Klares Kalkül, denn den meisten Nutzern fällt es schwer, den Vorgang dann noch abzubrechen – erst recht, wenn die Clique darauf wartet, endlich weiterzuziehen. Doch nicht nur die professionellen Automatenbetreiber zeigen die Gebühren erst spät beim Geldabheben an. Bei einem Praxistest von Juli bis Oktober 2016 fand Stiftung Warentest heraus, dass auch viele Banken und Sparkassen beim Abheben mit einer fremden Girocard den Preis erst spät anzeigten und „ein üppiges direktes Kundenentgelt für Kunden festlegen, die nicht zum eigenen Verbund gehören“.

Die höchsten Gebühren für einmal Abheben fanden die Experten beim Bankhaus August Lenz und bei Cardpoint. Dort kann der Zuschlag bis zu 7,99 Euro betragen. Die Hamburger Volksbank verlangt bis zu 5,95 Euro, viele andere große Institute zwischen 3,50 Euro und 4,95 Euro. Die Geldautomaten von Commerzbank, Deutsche Bank, ING-Diba, Postbank, Targobank und Volkswagen Bank fielen beim Test positiv auf – sie zeigten die fällige Gebühr vor Eingabe der Pin an.

Drei Wege für kostenloses Bargeld
Wenn kein Automat der eigenen Bank in der Nähe ist, gibt es dennoch drei Möglichkeiten kostenlos oder zumindest günstig an Geld zu kommen. 1. Mit der Girocard im eigenen Netz: Viele Banken und Sparkassen gehören sogenannten Geldautomatenverbünden an. Als größten nennt Stiftung Warentest den der Sparkassen, gefolgt vom Bankcard Servicenetz der Volks- und Raiffeisenbanken. Innerhalb des Verbunds heben Kunden gewöhnlich kostenlos oder zumindest kostengünstig Geld ab.

2. Kreditkarte nutzen: Wer eine Kreditkarte besitzt, kann die zum kostenlosen Geldabheben nutzen, denn üblicherweise verlangen die Geldautomatenbetreiber fürs Abheben mit Kreditkarte kein Entgelt. Bei manchen Banken seien allerdings Automaten für Kreditkarten von Direktbanken gesperrt oder der Abhebebetrag sei auf 50 Euro begrenzt, so Stiftung Warentest.

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3. Die bequemste Lösung ist es, Bargeld gleich beim Bezahlen an der Kasse mitzunehmen. Das sei bei 60 Prozent der Lebensmittelunternehmen und in jedem zweiten Warenhaus möglich, so die Verbraucherschützer. Wer mindestens für 20 Euro einkauft und mit Karte und Pin zahlt, kann sich 200 Euro vom Konto auszahlen lassen. Dieses sogenannte Cashback-Verfahren wird beispielsweise von großen Ketten wie Rewe, Toom, Netto, Penny und Galeria Kaufhof angeboten.

Den vollständigen Testbericht von Stiftung Warentest zum Thema „Geld abheben“ finden Sie hier (kostenpflichtig).