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'Geht es Ihnen gut?': Druck auf Johnson steigt nach skurriler Rede

·Lesedauer: 3 Min.

LONDON (dpa-AFX) - Erst eine skurrile Rede, dann Berichte über ein unpassendes Spendendinner: Boris Johnson ist angezählt. Selbst in der Downing Street wird über den britischen Premierminister gelästert, wenn auch noch hinter vorgehaltener Hand. Der Premier habe den Laden nicht mehr im Griff, zitierte die gut vernetzte BBC-Reporterin Laura Kuenssberg eine ranghohe Quelle. Ein Kabinettsmitglied sagte der "Times", Johnsons völlig missratene Rede vor dem Industrieverband CBI stehe symbolisch für den chaotischen Weg der Regierung.

Johnson selbst musste sich vor laufender Kamera sogar zu seinem Gesundheitszustand äußern. "Geht es Ihnen gut?", fragte ein hörbar entgeisterter Reporter den Premier. Zwar ist Johnson für bizarre Vergleiche und absurd-komische Reden durchaus bekannt - das ist Teil seines hemdsärmeligen Regierungsstils. Was der Regierungschef aber am Montag vor führenden Wirtschaftsvertretern erzählte, war selbst für seine Verhältnisse nur noch skurril.

Vor einem fassungslosen Publikum lobte der Premier minutenlang einen Themenpark, der der Zeichentrickfigur Peppa Wutz gewidmet ist. Er verglich sich mit Moses, machte eine Anspielung auf den kommunistischen Revolutionsführer Lenin und imitierte einen Motor. Zwischendurch verlor er sekundenlang den Faden und suchte unter gemurmelten Entschuldigungen nach seinem Text.

Das Echo fiel verheerend aus. "Peinlich", "demütigend", "schockierend" - selbst konservative Medien, Johnson traditionell wohlgesonnen, zitierten ausführlich die Reaktionen anonymer Abgeordneter seiner eigenen Partei. Nun fragt sich das Land, ob der Premier denn noch den Rückhalt seiner Tories genießt.

Die Antwort: Jein. Am Montagabend stimmten 19 Konservative im Parlament gegen Johnsons umstrittene Sozialreform, vor allem aber enthielten sich Dutzende weitere. Trotz einer eigentlich üppigen Mehrheit brachte Johnson das Gesetz nur knapp durchs Unterhaus. Das riecht für viele Beobachter nach Misstrauensvotum.

Noch stärker nachhallen könnten Berichte wie nun im "Daily Mirror". Demnach besuchten konservative Abgeordnete ein Dinner für Tory-Spender, das Tausende Pfund pro Tisch gekostet haben soll. Von dort eilten sie dann ins Parlament, um für die Reform zu stimmen, die nach Einschätzung der Opposition ärmere Menschen dazu zwingen könnte, ihr Haus zu verkaufen, um ihre Pflege bezahlen zu können.

Für Johnson ist es der negative Höhepunkt der jüngsten Zeit. Wegen der Folgen von Brexit und Corona-Pandemie bleibt die wirtschaftliche Erholung aus. Probleme bei den Lieferketten führen zu Sorgen, dass Geschenke und der traditionelle Weihnachtsschmaus gefährdet sind. Über den Ärmelkanal kommen mehr Migranten illegal ins Land denn je zuvor.

Und dann sind da noch die verschiedenen Skandale, in denen die Tories stecken. "Ich würde sagen, dass der vergangene Monat kein guter Monat für die Regierung war", sagte der einflussreiche konservative Gesundheitspolitiker Jeremy Hunt, einst Johnsons Rivale um den Parteivorsitz, dem Sender BBC Radio 4.

Enthüllungen über jede Menge "Sleaze" - also Filz - dominieren seit Wochen die Schlagzeilen. Mehreren Abgeordneten wird Korruption und Vetternwirtschaft vorgeworfen. Als ein Parlamentsausschuss einen Parteifreund Johnsons für 30 Tage suspendieren wollte, zwang der Premier seine Fraktion, für eine Änderung der Regularien zu stimmen. Einen Tag später musste er zurückrudern: Er habe "das Auto in den Graben gefahren", gab sich Johnson schuldbewusst - das Vertrauen seiner Abgeordneten war erschüttert.

Die Peppa-Wutz-Rede und die Pflegereform haben den Ärger der einflussreichen Hinterbänkler nun noch verstärkt. Am Regierungssitz gebe es viele Bedenken wegen des Premierministers. "Es funktioniert einfach nicht", so die Quelle von BBC-Reporterin Kuenssberg. Dahinter wird das Finanzministerium vermutet, dessen Chef Rishi Sunak mit dem Premier über Kreuz liegen soll.

Auch die "Times" nahm den Premier ins Visier. Labour-Parteichef Keir Starmer habe auf dem Wirtschaftsgipfel die passende Rede gehalten, während Johnson über den Peppa-Wutz-Park schwadroniert habe, kritisierte das Blatt in seinem Leitartikel. Nur einen ficht das alles nicht an: Boris Johnson. "Das kam doch gut an", lobte der Premier seine Rede anschließend.

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