Deutsche Märkte geschlossen

Gehalt des Allianz-Chefs hat sich nahezu halbiert

Oliver Bäte hat 2019 deutliche Abstriche bei seinem Einkommen gemacht. Dabei hat der Vorstandsvorsitzende seine Ziele sogar übertroffen.

Allianz-Chef Oliver Bäte musste sich im abgelaufenen Jahr mit deutlich weniger Geld zufriedengeben als ein Jahr zuvor. Stand für 2018 noch ein Rekordverdienst von 10,33 Millionen Euro an fixen und variablen Gehaltsbestandteilen sowie an Versorgungsaufwand zu Buche, so waren es für 2019 lediglich 5,949 Millionen Euro.

Das geht aus dem Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr hervor, den Europas größter Versicherer am Freitag ins Netz gestellt hat. Im Vergleich mit den 29 anderen Dax-Chefs rangiert Bäte damit etwa im Mittelfeld. Eine Begründung für den deutlichen Unterschied liefert der Konzern gleich mit, wenn auch in sperrigen Worten.

„Der Zufluss fällt für 2018 deutlich höher aus als für 2019, da er aufgrund des MTB 2016-2018 insgesamt drei Geschäftsjahre umfasst“, heißt es im Geschäftsbericht für das vergangene Jahr. Beim MTB handelt es sich um den sogenannten Mid-Term-Bonus. Hierbei wurden in der Vergangenheit jeweils über drei Jahre Summen zurückgestellt, die dann mit einem Schlag zur Auszahlung kamen.

Alle drei Jahre fiel somit der Jahresverdienst der Allianz-Vorstände außerordentlich hoch aus. Zuletzt war das 2018 der Fall. Mit Beschluss der Hauptversammlung im vergangenen Mai wurde das Vergütungssystem der Allianz jedoch neu geordnet. Der MTB wurde als einer von bisher vier Gehaltsbestandteilen abgeschafft, weshalb nun für 2019 auch kein separater Ausweis mehr erfolgte.

Statt der bisherigen vier Bestandteile setzt sich die Vergütung der Allianz-Vorstände nur noch aus drei Bereichen zusammen. Dabei trägt die fixe Grundvergütung 30 Prozent zum Gesamtverdienst bei, die restlichen 70 Prozent bestehend aus 25 Prozent jährlichem Bonus und 45 Prozent aktienbezogener Vergütung sind variabel.

Vor allem die aktienbezogene Vergütung wurde deutlich aufgestockt, sie lag zuvor bei 25 Prozent. Long Term Incentive (LTI) nennt der Konzern diesen Anteil im Vergütungsbericht. Neu in diesem Zusammenhang ist ein Passus, mit dem jeder Vorstand mit einem sogenannten Individuellen Beitragsfaktor (IBF) gemessen wird.

Klimaneutrales Anlageportfolio bis 2050

Neben Profitabilität und Produktivität sind da nun auch vermehrt Themen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und guter Unternehmensführung gefragt. Dazu zählen unter anderem Diversity und Nachhaltigkeit, die an der Reduktion des CO2-Abdrucks, der Reduktion der Treibhausgasemissionen sowie einem Meilensteinplan zur Erreichung einer „Net-Zero-konformen Kapitalallokation bis spätestens ins Jahr 2050“ gemessen werden.

Die Allianz hatte sich im vergangenen Herbst beim Weltklimagipfel in New York einer Initiative der Vereinigten Nationen angeschlossen. Unter deren Dach wurde die „Net Zero Asset Owners Alliance“ ins Leben gerufen. Als Zusammenschluss namhafter Großinvestoren hatte sich die Gruppe verpflichtet, ihr gesamtes Anlageportfolio bis ins Jahr 2050 klimaneutral zu gestalten.

Neben der Allianz waren zunächst namhafte Adressen wie Zurich, Swiss Re, Calpers oder Nordea dabei. Inzwischen ist unter anderem auch die Munich Re dazugekommen. Das gesamte verwaltete Vermögen liegt mittlerweile bei mehr als 4,5 Billionen Dollar bei rasch wachsender Tendenz.
Auch in anderen Bereichen müssen sich die Vorstände beweisen. Bei schwerwiegenden Verletzungen, beispielsweise in Verhaltensfragen oder bei unterlassener Aufsicht, kann es sogar zu einer Kürzung bis hin zur kompletten Streichung des variablen Anteils kommen. Sogar die Rückforderung innerhalb von drei Jahren nach Auszahlung ist noch möglich.

Deutlich gestiegen ist bei Allianz-Chef Oliver Bäte durch die Neuregelung der fixe Gehaltsbestandteil. Nach 1,313 Millionen Euro im Jahr 2018 standen im vergangenen Jahr 1,726 Millionen Euro. Auch der jährliche Bonus ist auf 1,422 Millionen Euro angewachsen (1,313). Gerade beim Bonus war Bäte besonders erfolgreich, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Michael Diekmann honorierte die Quote von 113 Prozent. So sehr erfüllte kein anderer der zehn Allianz-Vorstände die Erwartungen der zwölf Aufseher. Dazu dürfte auch der Rekordgewinn von 11,9 Milliarden Euro beigetragen haben, den der Versicherer im vergangenen Jahr trotz insgesamt unruhiger Zeiten für die Branche eingefahren hat.

Abweichungen bei Vorstands-Boni

Am anderen Ende der Boni-Skala stehen hingegen die beiden Vorstände Niran Peiris und Ivan de la Sota. Beide erhielten für ihre Leistungen weniger als hundert Prozent. Peiris ist unter anderem für das Industrieversicherungsgeschäft zuständig, das seit Jahren Verluste einfährt und gerade einen harten Restrukturierungskurs durchläuft.

Der Spanier de la Sota ist sowohl für den digitalen Umbau der Allianz als auch für die Iberische Halbinsel verantwortlich. In seinem Bereich kam es in der Vergangenheit immer wieder zu technischen Problemen und Ausfällen, zuletzt bei der Einführung des neuen Hoffnungsträgers Allianz Direct zum Jahresanfang.

Außerdem kam es zu Systemausfällen und regelmäßigen Problemen beim Übertrag von Daten. Im lange florierenden Spaniengeschäft sorgten zudem falsche Preiskalkulationen im Sachversicherungsgeschäft dafür, dass die Planungen deutlich verfehlt wurden.
In der Gesamtsumme mussten sich auch Bätes Vorstandskollegen mit deutlich weniger Gehalt als im Jahr 2018 zufriedengeben.

So waren es bei Sergio Balbinot, der für West- und Südeuropa sowie für die Region Asien/Pazifik zuständig ist, noch 2,465 Millionen Euro (2018: 5,153). Die für das Asset-Management und die US-Lebensversicherungen verantwortliche Jacqueline Hunt brachte es auf 2,416 Millionen Euro (2018: 4,452).

Die zum Jahresende ausgeschiedene Personalchefin Helga Jung erhielt 3,641 Millionen Euro (2018: 6,753). Beim für Operations und Services zuständigen Christoph Mascher waren es 3,844 Millionen Euro (2018: 6,421). Der unter anderem für die Industrieversicherung, für Afrika und den Mittleren Osten verantwortliche Niran Peiris brachte es auf 2,143 Millionen Euro (2018: 2,980).

Finanzvorstand Giulio Terzariol verdiente 2,429 Millionen Euro (2018: 2,925), Investmentvorstand Günter Thallinger 2,4 Millionen Euro (2018: 3,963). Der nun im April ausscheidende Axel Theis brachte es auf 2,552 Millionen Euro (2018: 5,238). Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Allianz-Mitarbeiter liegt der Verdienst von Vorstandschef Oliver Bäte 77-mal so hoch, bei den übrigen Vorständen liegt der Schnitt bei 42.