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Geflügelwirtschaft gegen Werkvertragsverbot - 'Stigmatisierung'

BERLIN (dpa-AFX) - In der Debatte um die Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft fühlen sich Teile der Branche stigmatisiert. "Mit dem sachfremden und politisch fahrlässigen Vorstoß zu einem Verbot von Werkverträgen allein in der Fleischbranche ignoriert die Politik die Fakten und stigmatisiert unsere Branche" , sagte der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke am Freitag.

Nach einer Häufung von Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben stehen die Arbeitsbedingungen mit Sub-Unternehmern und Sammelunterkünften massiv in der Kritik. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte daraufhin schärfere Regeln für die Fleischindustrie angekündigt. Dazu zählen etwa strengere Regelungen bei den Werkverträgen. Heil will an diesem Montag Vorschläge ins Corona-Kabinett einbringen, um das Arbeitsschutzgesetz zu ändern.

"Grob zu pauschalisieren, trifft die breite Mehrheit unserer korrekt arbeitenden Gesellschaften völlig unberechtigt", kritisierte Ripke. Wenn der Eindruck erweckt werden solle, dass sich über arbeitsrechtliche Hebel eine Infektionsprävention betreiben lasse, "dann erfüllt die Corona-Krise eine bloße Alibi-Funktion im ideologisch motivierten Kampf gegen eine missliebige Branche".

In mehreren Schlachthöfen in Deutschland hatte es zuletzt hohe Zahlen an Corona-Infektionen gegeben. In einem Betrieb im bayerischen Landkreis Straubing-Bogen sind nach jetzigem Stand insgesamt 77 Beschäftigte infiziert. In Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) erhöhte sich die Zahl der positiven Testergebnisse am Freitag auf 51. In Birkenfeld (Baden-Württemberg) wurden 399 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet. Daneben sind Belegschaften in Coesfeld und Oer-Erkenschwick (Nordrhein-Westfalen) betroffen.