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Geestland-Schlachthof schließt – nun drohen Massentötungen

Nach dem Corona-Ausbruch in einem Putenschlachthof fährt das Unternehmen den Betrieb herunter. Der Chef warnt: Landwirte müssen womöglich gesunde Tiere keulen.

Die Zucht von Mastputen ist auf den Tag geplant. Foto: dpa

Der niedersächsische Putenschlachthof, in dem sich 45 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert haben, muss vorübergehend den Betrieb einstellen. Das Unternehmen Geestland Putenspezialitäten (GPS) kündigte am Freitag an, die Produktion schrittweise herunterzufahren und keine Puten zur Schlachtung mehr anzunehmen.

Der Schlachthof gehört zur PHW-Gruppe, die mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro als größter Geflügelschlachter in Deutschland gilt und für Marken wie „Wiesenhof“ und „Bruzzler“ bekannt ist. GPS hatte einen Massentest aller 1.115 Produktionsmitarbeiter veranlasst, nachdem das Virus bei 23 Mitarbeitern festgestellt worden war.

Da die PHW-Gruppe über keinen anderen Schlacht- und Zerlegebetrieb für Puten im Inland verfüge, würden nun „Tierschutzproblematiken in den Aufzuchtbetrieben“ drohen, teilte der Geflügelschlachter mit.

Geestland kündigte an, deshalb das niedersächsische Agrarministerium um eine Sondergenehmigung für die Schlachtung in anderen Höfen zu bitten. „Es müssen gemeinsam und schnellstmöglich Lösungsmöglichkeiten für die Landwirte gefunden werden“, sagte GPS-Chef Norbert Deeken. Im schlimmsten Fall müssten die Landwirte sonst gesunde Tiere töten.

Schuld daran sind auch die durchgetakteten Lieferketten in der Branche. Puten werden nur dreieinhalb bis maximal fünfeinhalb Monate gemästet. Werden sie als „Baby-Puten“ vermarktet, sogar nur zwei bis drei Monate. Ihre Zucht ist auf den Tag genau geplant. Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des Landesverbands der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, spricht von einem „Just-in-time-Verfahren“.

Ripke betont, dass es in der Region kaum Betriebe gebe, die in ähnlichen Dimensionen schlachten wie GPS. Zudem seien deren Kapazitäten wegen der durchgetakteten Produktionsketten weitgehend ausgelastet.

Hinzukämen zoologische Herausforderungen. Selbst wenn genügend Platz vorhanden wäre, so Ripke, könnten Puten nicht so lange wie Schweine in den Ställen gehalten werden. Der Grund: Sie können nicht schwitzen. Hitzestress macht sie mitunter aggressiv. „Schließt also ein großer Hof wie GPS, müssen im schlimmsten Fall ganze Ställe gekeult werden“, sagt Ripke.