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Geely-Tochter Lynk & Co. startet mit Auto-Abo in Europa

·Lesedauer: 3 Min.

Für 500 Euro können Lynk-Kunden den SUV 01 abonnieren und werden Teil eines Clubs. Wer sein Auto mit anderen Clubmitgliedern teilt, kann Geld sparen.

Ein Auto. Blau oder schwarz. Erhältlich mit Hybridantrieb oder Plug-in-Hybrid. Mehr Auswahl bietet Lynk & Co., eine Tochterfirma des chinesischen Autobauers Geely, seinen europäischen Kunden nicht an. Alles soll „brutal einfach“ sein, erklärte Lynk-Chef Alain Visser am Mittwoch bei der Vorstellung eines „völlig neuen Geschäftskonzepts“ in der Fahrzeugindustrie.

Seine Idee: Für 500 Euro pro Monat können Kunden den kompakten SUV namens 01 ab dem Frühjahr 2021 abonnieren – und werden damit zugleich Teil eines exklusiven Clubs. Der Clou dabei: Wer sein Auto mit anderen Clubmitgliedern teilt, kann die Gebühren erheblich reduzieren; mitunter sogar selbst Geld verdienen.

„Wir haben das durchgerechnet“, sagt Visser. Die Mietpreise werden zwar ähnlich wie auf Plattformen wie Airbnb von den Anbietern individuell festgelegt, aber im Schnitt dürften diese bei etwa 30 Euro pro Tag liegen. „Wenn Sie Ihr Auto an zehn oder 15 Tagen pro Monat zum Sharing anbieten, dann haben Sie die Gesamtkosten schon fast wieder drin“, glaubt Visser.

„Verlynken“ kann sich innerhalb des Clubs jeder. Man muss kein Auto besitzen oder abonnieren, um Teil der Gemeinschaft zu sein. Geteilt wird der 01 per Smartphone-App. Das Handy dient dabei zugleich als Schlüssel. „Das sind nur zwei Klicks“, sagt Visser. Um Instandhaltung, Wartung und Versicherung kümmert sich Lynk, nur tanken müssen die Nutzer selbst.

Lynk will mit diesem Ansatz dazu beitragen, die Auslastung von Autos zu erhöhen. Denn im Schnitt stehen Pkws für 96 Prozent der Zeit ungenutzt in der Gegend umher. Da das weder besonders ökologisch noch wirtschaftlich ist, braucht es einen anderen Zugang, ist Visser überzeugt. Klassisches Car-sharing scheidet als naheliegende Lösung aber aus, da sich damit kaum Geld verdienen lässt und das Fahrzeugaufkommen mitunter sogar zu- statt abnimmt.

Expansion nach Europa wird nicht einfach

Lynk will es mit seinem Sharing-Ansatz besser machen. Ein eigenes Auto zu besitzen soll damit letztlich obsolet werden. Mastermind und Geldgeber des Projekts ist Geely-Gründer Li Shufu. Seine Firma war lange nur echten Carguys ein Begriff. Das änderte sich erst im Februar 2018, als der umtriebige Unternehmer zum größten Aktionär von Daimler aufstieg.

Seither wirbt der Chinese in Stuttgart dafür, dass der Mercedes-Hersteller möglichst eng mit seinem Markenpotpourri kooperiert, zu dem etwa Volvo, Polestar, Lotus oder LEVC zählen. Die ersten Allianzen zwischen Daimler und Geely gibt es bereits. Geely entwickelt und produziert künftig etwa den Kleiwagen Smart in Fernost. Daimler liefert den Namen und das Design und hofft, dass aus dem Winzling, der den Stuttgartern zuvor jahrelang Verluste eingebrockt hat, so doch noch ein Erfolg wird.

Gedanklich ist Li Shufu aber „schon Jahrzehnte weiter“, bekundet Visser. Lynk & Co. sei für den visionären Chinesen eine „Experimentmarke, die revolutionär nach vorne geht“. Eine Erweiterung des Klubgedankens auf weitere Konzernmarken schließe Li explizit nicht aus, konstatiert Visser: „Aber wir machen jetzt den ersten Schritt.“

Mit Lynk will Geely stärker nach Europa expandieren. Einfach wird das nicht. Immer wieder haben in den vergangenen Jahren chinesische Autokonzerne versucht, in der EU Fuß zu fassen. Meist endete der Angriff in einem Desaster. Marken wie Landwind, Brilliance, Qoros oder Borgward verkündeten erst große Pläne, verschwanden dann aber schnell wieder in der Versenkung. Mal lag es an miserablen Crash-Ergebnissen, mal an unwirtschaftlichen Produkten.

Auch beim Ansatz der Geely-Tochter sind Experten skeptisch. „Lynk ist etwas spät dran. Auto-Abos sind in der Branche nichts Aufregendes mehr“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut. Der Lynk-Chef ist dagegen überzeugt, dass „wir innerhalb von einigen Jahren einige Hunderttausend Mitglieder auf europäischer Ebene haben können“.

Zugleich sollen die Kosten niedrig bleiben. Lynk verzichtet auf eigene Händler. Vertrieben wird der 01-SUV ausschließlich online. Für Service und Wartung sollen Lynk-Kunden auf das Netzwerk von Volvo zurückgreifen – der Konzernverbund macht‘s möglich.