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Corona-Impfung wird zur Geduldsprobe – Wer wird wann geschützt?

·Lesedauer: 5 Min.

Wer bekommt die ersehnte Corona-Impfung als nächstes? Eine neue Verordnung und aktuelle Zahlen zu den Lieferungen zeigen, wer wann zum Zug kommt.

Bis 19. Februar sollen 1,75 Millionen Astra-Zeneca-Dosen an die Länder geliefert. Foto: dpa
Bis 19. Februar sollen 1,75 Millionen Astra-Zeneca-Dosen an die Länder geliefert. Foto: dpa

Alle Erwachsenen sollen in den nächsten Monaten in Deutschland bei der Corona-Impfung an die Reihe kommen – bloß wann? Vom Astra-Zeneca-Impfstoff sind am Wochenende die ersten Lieferungen eingetroffen. An diesem Montag tritt eine veränderte Corona-Impfverordnung in Kraft, die am Sonntag in Berlin bekannt wurde. Hier sind Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Bis wann sollen die Über-80-Jährigen geimpft sein?

Um den Wechsel zum zweiten Quartal Ende März herum. So hat es Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versprochen. Das gilt auch für andere in der ersten Gruppe mit höchster Priorität: Pflegeheimbewohner, Pflegekräfte in Heimen, Personal in Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdiensten. Den 800.000 Heimbewohnern soll bis Mitte Februar ein „Impfangebot“ gemacht werden – 630.000 wurden bisher geimpft. Als nächste innerhalb dieser Gruppe rücken jetzt ambulante Pflegedienste in den Fokus.

Was ändert sich durch den Einsatz des Astra-Zeneca-Impfstoffs?

Das nach den Stoffen von Biontech/Pfizer und Moderna dritte Präparat bekommen vorerst nur Menschen zwischen 18 und 64 Jahren – es fehlen Daten zur Wirkung bei Älteren. Deshalb wird den Beschäftigten in Pflegeheimen oder Intensivstationen in dieser Altersgruppe nun vorrangig der Astra-Zeneca-Stoff geimpft. Dass das Präparat vorerst Unter-65-Jährigen vorenthalten ist, ist eigentlich eine Schwäche. Doch bleibt so mehr von den anderen für die Hochbetagten. Spahn: „Ältere können so schneller als geplant geimpft werden.“

Wie wirkt sich der erfolgte Astra-Zeneca-Impfstart nun aus?

Bis 19. Februar sollen 1,75 Millionen Astra-Zeneca-Dosen an die Länder geliefert – und direkt verimpft werden. Es soll also kein Impfstoff für die nach neun bis zwölf Wochen fällige zweite Impfung aufbewahrt werden. Am 2. März sollen dann weitere 1,47 Millionen Dosen kommen. Während die Impfstoffe von Moderna und Biontech eine Wirksamkeit von 94 und 95 Prozent haben, sind es bei Astra-Zeneca nach einer neuen Studie nach der ersten Impfung nur 76 Prozent – und bis zu 82 Prozent nach der zweiten. Einige Pflegekräfte sollen Zwei-Klassen-Impfungen fürchten, wenn sie Astra-Zeneca bekommen.

Wann sollen die Menschen ab 70 Jahren geimpft werden?

Von April an, in Gruppe zwei mit hoher Priorität. Aktuell leben etwa 7,3 Millionen Menschen zwischen 70 und 80 in Deutschland sowie 5,7 Millionen in der Altersgruppe 80 plus. Bislang geliefert wurden 4,2 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer und Moderna. Bis Anfang März kommen rund 3,2 Millionen Astra-Zeneca-Dosen dazu. Von Biontech sollen bis Ende Februar mehr als 2,5 Millionen weitere Dosen geben, von Moderna bis Mitte Februar 182.400 Dosen.

Wann sollen Menschen mit Vorerkrankungen geimpft werden?

Manche sollen in Gruppe zwei vorgezogen werden. In dieser Gruppe sollen nun auch Menschen geschützt werden mit Krebs ohne gestopptem Tumorwachstum, mit schwerer chronischer Lungenerkrankung, mit chronischer Leber- oder Nierenerkrankung, mit Diabetes mit hohen Blutzuckerwerten, mit Fettleibigkeit mit Body-Mass-Index über 40, mit bipolarer Störung, Schizophrenie und schwerer Depression. Bisher waren schon Menschen mit Demenz, geistiger Behinderung, Trisomie 21 sowie nach Organtransplantationen hier vorgesehen. Neu: Auch andere Risikopatienten sollen mit Arzt-Bescheinigung hier zum Zug kommen.

Mit der ersten Impfstoff-Lieferung werden zunächst Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte versorgt. Foto: dpa
Mit der ersten Impfstoff-Lieferung werden zunächst Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte versorgt. Foto: dpa

Wer soll noch in Gruppe zwei geimpft werden?

Bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen zuhause oder Schwangeren. Schwangere selbst sollen wegen mangelnden Studiendaten nur in Ausnahmen geimpft werden. Strittig: Auch Ärzte sollen erst in Gruppe zwei drankommen. Gruppe zwei umfasst auch Polizei- und Ordnungskräfte insbesondere für Demonstrationen, Beschäftigte von Gesundheitsdiensten und Kliniken, Bewohner von Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften und Betreuer geistig Behinderter. Auch für Gruppe zwei gilt der Astra-Zeneca-Vorrang für Unter-65-Jährige.

Wer kommt nach Gruppe zwei?

Menschen über 60, Menschen mit weiteren Krankheiten wie etwa Asthma oder Herzinsuffizienz – sowie zum Beispiel Lehrer, Erzieher, Polizisten, Beschäftigte in Supermärkten. Erst danach sollen alle weiteren folgen – bis Ende des Sommers laut Kanzlerin Angela Merkel.

Sollen Kinder geimpft werden?

Der Biontech-Impfstoff ist von 16 Jahren an zugelassen. Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, erwartet im Lauf des ersten Halbjahrs Ergebnisse zu Studien von Moderna und anderen zu möglichen Impfungen bei Kindern und Jugendlichen.

Welche offenen Fragen treiben Politik und Wissenschaft um?

Cichutek zufolge vor allem eine mögliche Ansteckungsgefahr durch Menschen, die selber schon geimpft sind. „Können wir Daten finden, dass Geimpfte das Virus nicht weiter übertragen?“ Und die Wirksamkeit bei hochansteckenden Virus-Varianten. Dem Institutsleiter zufolge gibt es Hinweise, „dass man mit der UK-Variante (also der britischen) ganz gut fertig werden kann, mit der Südafrika- und Brasilien-Variante vielleicht schlechter“.

Welche Kritik gibt es an der Impfverordnung?

Die Lehrkräfte und die Praxisärzte wollen nicht so lange warten. So sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen: „Diejenigen, die andere jeden Tag behandeln, medizinisch versorgen und schützen, müssen auch selbst geschützt sein.“

Wird die Impfverordnung immer strikt eingehalten?

Nein. In Sachsen-Anhalt wurden etwa mehr als 300 Polizisten im Kreis Stendal schon geimpft – sowie der Oberbürgermeister und zehn Stadträte von Halle, angeblich mit Dosen, die übrig geblieben waren. Für Schlagzeilen sorgte auch die Impfung von Mitgliedern des Geriatrie-Direktoriums des Klinikums Region Hannover Langenhagen sowie der Fall einer 79-Jährigen mit schweren Vorerkrankungen bei München, die keinen vorgezogenen Impftermin bekommt. Dass Impfstoff aus angebrochenen Fläschchen noch jenseits der Prioritäten gespritzt werden kann, sieht die neue Verordnung ausdrücklich vor.