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GE muss im Dow Jones für Drogeriekette weichen – fällt die die Aktie weiter?


Er ist der älteste und wohl auch bekannteste Aktienindex der Welt – der Dow Jones Industrial Index. 30 US-Aktien als Repräsentanten der US-Wirtschaft sind seit 1928 im Dow vertreten. Aufgelegt wurde das von Wall-Street-Mitgründer Charles Dow konzipierte Börsenbarometer mit zwölf Werten schon 32 Jahre vorher und im „Wall Street Journal“ veröffentlicht.

Mit dem Mischkonzern General Electric verlässt jetzt das letzte der Gründungsmitglieder den Dow. Das kommt für General Electric nach Einschätzung der kanadischen Großbank RBC einer „Demütigung“ gleich und zeigt, wie sehr der Konzern in der Gunst der Investoren verloren hat.

Überraschend ist der für den 26. Juni angekündigte Abstieg aber nicht. Denn die Zusammensetzung des Index richtet sich nicht wie bei anderen Indizes nach Marktkapitalisierung und Streubesitz, sondern nach der Entwicklung der Börsenkurse. Und an der Börse ist General Electric (GE) schon lange im Sinkflug.

Der Niedergang des Konzerns begann mit dem groß angelegten Einstieg in die Finanzbranche, wodurch GE von der Finanzkrise im Jahr 2008 voll erwischt wurde. Bislang konnte Vorstandschef John Flannery, der im August den viel kritisierten Jeff Immelt ersetzte, Anlegern keine Hoffnung auf eine Trendwende machen.

In diesem Jahr hat die Aktie als Dow-Schlusslicht mehr als ein Viertel ihres Werts verloren, im vergangenen Jahr brach sie um 46 Prozent ein und verlor damit ebenfalls so viel wie kein anderer Wert im Index.

Wenig Bedeutung

Von daher kommt der Abstieg aus dem Index quasi mit Ansage. Seit Anfang vergangenen Jahres hat GE mit den geringsten Anteil am Wert des Dow und notiert dort aktuell mit einem Anteil von nur 0,4 Prozent nur unter ferner liefen. Den Index selbst wird es von daher kaum treffen, wenn GE den Dow verlässt und durch die Aktien der Drogeriekette Walgreens Boots Alliance ersetzt wird.

Dass ein einstiger Innovationsmotor und weltweiter Technologieführer wie GE durch eine Drogeriekette verdrängt wird, ist laut Börsianern beispielhaft für die Ausrichtung der US-Wirtschaft auf Dienstleistungen und den Konsum privater Verbraucher. Ursprünglich waren im Index ausschließlich Industrieunternehmen vertreten. Nach dem Index-Fall von GE wird der Ölkonzern Exxon Mobil das älteste Indexmitglied sein. Zumindest sein Vorgänger Standard Oil of New Jersey war schon 1928 Dow-Mitglied.


Laut Indexanbieter S & P Dow Jones Indices spiegelt die Aufnahme von Walgreens die Bedeutung der Verbraucher und der Arzneimittelbranche für die US-Wirtschaft besser wider. Veränderungen im Index gibt es im Schnitt nur alle zwei Jahre. Das Index-Komitee, das neben Spezialisten von Standard & Poor‘s aus Redakteuren des „Wall Street Journals“ besteht, will für Kontinuität sorgen. Die letzte Veränderung gab es im März 2015, als Apple die Aktien des Telekomkonzerns AT & T im Dow ersetzte.

Viel Kritik am Dow

Die Berechnung des Dow kritisieren Investoren aber schon sehr lange. Vereinfacht gesagt werden zur Berechnung die Kurse der einzelnen Werte addiert. Die Folge: Bewegungen von Aktien mit hohem Kurs lassen den Index überdurchschnittlich steigen oder fallen. Die teuersten Aktien im Dow sind die des Flugzeugbauers Boeing mit rund 343 Dollar, gefolgt vom breit angelegten Krankenversicherungskonzern United Health Group mit 253 Dollar. Die GE-Aktie kostet mit unter 13 Dollar nur einen Bruchteil davon.

Doch wie wird es nach dem Dow-Rauswurf mit der Aktie weitergehen? Analysten halten einen tiefen Fall für unwahrscheinlich. Denn wegen der Kritik am Dow orientieren sich nur vergleichsweise wenige institutionelle Investoren am ältesten Börsenindex der Welt.

„Der Index ist in der Investmentwelt kaum relevant“, meint Ali Marsawah, Analyst beim Fondsratinghaus Morningstar. Weltweit bilden börsengehandelte Indexfonds (ETF) im Volumen von 1,8 Milliarden Euro den Dow Jones nach. Diese passiven Fonds müssen Aktien verkaufen, wenn sich die Index-Zusammensetzung ändert – aber der Anteil von GE ist eben gering. Aktiv gemanagte Fonds, die den Dow als Benchmark, also Vergleichsmaßstab, haben, verwalten laut Morningstar weltweit gut 400 Millionen Euro.


Das klingt beeindruckend, ist es aber nicht. Immerhin hat GE trotz des Kursverfalls noch eine Marktkapitalisierung von knapp 113 Milliarden Dollar. Am Mittwoch drehte die Aktie nach anfänglichen Verlusten sogar leicht ins Plus. Historisch gesehen haben Aktien sogar oft in den zwölf Monaten nach einem Rauswurf aus dem Dow zugelegt.

Der Grund: Sie rücken in den Fokus von Investoren, die nach unterbewerteten Aktien suchen. Und Titel, die aus dem Dow fallen, sind eben Aktien, die bei Investoren in Ungnade gefallen sind.

Dramatisch wäre es für GE nur, wenn die Aktie auch aus dem breiten S & P 500 fallen würde, doch diese Gefahr droht angesichts der immer noch hohen Marktkapitalisierung nicht. Nach Daten von Morningstar gibt es weltweit ETF im Volumen von 1,3 Billionen Euro, die sich am S & P 500 orientieren, der Löwenanteil davon entfällt auf Fonds von Vanguard, SPDR, iShares und Fidelity. Aktive Fonds mit dem S & P 500 als Benchmark verwalten zusammen 607 Milliarden Euro.