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Gazprom, Nord Stream 2 & die Umweltstiftung: Nein, kein übler PR-Gag!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Gazprom (WKN: 903276) und Nord Stream 2 machen derzeit weiterhin Schlagzeilen. Mithilfe von US-Sanktionen wollen die Vereinigten Staaten verhindern, dass das Projekt beendet beziehungsweise in Betrieb genommen wird. Allerdings erweisen sich Europa, Russland und insbesondere Deutschland als überaus wehrhaft bei diesem Thema. Der Bau ist schließlich inzwischen weitergegangen.

Mithilfe einer Stiftung sollen zudem die US-Sanktionen umgeleitet werden. Wenn sich eine solche als Blitzableiter zwischenschaltet, könnten die unmittelbar betroffenen Akteure womöglich diesem Schicksal entkommen. Insbesondere das Land Mecklenburg-Vorpommern hat jetzt die Weichen für ein solches Vorhaben gelegt.

Im Rahmen eines Kommentars ist dieser Einfall jetzt als eines bezeichnet worden: als übler PR-Gag. Schauen wir im Folgenden daher einmal, was an dieser Sichtweise dran ist und warum die Argumentation eigentlich fehlgeht.

Gazprom, Nord Stream 2: Ein PR-Gag?

Genauer gesagt ist es jetzt ein Beitrag des Tagesspiegels, der das EU-Projekt als solches klassifiziert. Oder, um beim Wortlaut im Titel zu bleiben: Der Verfasser bezeichnet die Stiftung als dreiste PR-Aktion. Eine ziemlich eindeutige Aussage, die zeigt: Die Stiftung und das gesamte Vorhaben sind dem Verfasser offenbar ein Dorn im Auge.

Inhaltlich geht es dabei insbesondere um den Zweck der Stiftung. Demnach würde aus Umweltschutzgründen die Stiftung ins Leben gerufen, um ein Erdgasprojekt zu realisieren. Eine politische Argumentation, die nach Ansicht des Verfassers fehlgeleitet ist. Erdgas ist schließlich alles andere als ein sauberer Rohstoff. Auch die Begründung, dass man mithilfe dieses fossilen Brennstoffs den Atom- und Kohleausstieg in den nächsten Jahren meistern möchte, überzeugt den Kritiker nicht.

Nord Stream 2 sei demnach vor allem eins: politisch gewollt. Und, wenn ich das einmal überspitzt zusammenfassen darf: Mithilfe der Stiftung solle das Prestige-Projekt jetzt vorangepeitscht werden. Allerdings würde Europa die Pipeline eigentlich nicht benötigen, so die weitere Argumentation. Aber was ist hier dran?

Übers Ziel hinausgeschossen

Man kann über den Stiftungszweck sagen, was man möchte. Es wirkt auf den ersten Blick natürlich ein wenig unglücklich, Erdgas mit Umweltschutz in Einklang zu bringen. Allerdings ist ein zweiter Teil der Realität: Von Luft, Liebe, Wind und Sonnenlicht können wir energiepolitisch noch nicht überleben. Das heißt, wir brauchen fossile Brennstoffe noch in Teilen. Wir brauchen dadurch auch Gazproms Nord Stream 2.

Gibt es andere Pipelines, wie etwa Nord Stream 1? Keine Frage: ja. Allerdings sind die Kapazitätsgrenzen hier bereits ausgereizt. Das zeigt: Sollte der Energiehunger in einer hoffentlich bald wieder wachsenden Volkswirtschaft Deutschland größer werden, könnte es Knappheit geben. Wie sicher andere Quellen sind, das haben wir zuletzt gesehen: Die USA sind unter einem US-Präsidenten Trump eher auf Konfrontationskurs gewesen. Deutschland selbst besitzt kaum fossile Brennstoffe. Das heißt, wir müssen uns in Abhängigkeit von Drittländern begeben. Gut, wenn wir energiepolitisch unabhängig bleiben und auf verschiedene Quellen setzen können.

Natürlich ist auch Politik im Spiel und ein Scheitern von Nord Stream 2 wäre ein Fiasko. Zu sagen, dass das Vorhaben und die Stiftung zweckentfremdet würden, das geht mir jedoch zu weit.

Nord Stream 2: Bald geht’s weiter!

Aber Foolishe Investoren müssen diese finale Bewertung sowieso nicht vornehmen. Wesentlicher dürfte hingegen sein, dass der Bau bereits am 15. Januar weitergehen soll. Egal ob PR-Gag oder nicht: Damit wird die EU-Pipeline konsequent wahrscheinlicher. Das sind für Investoren die wichtigeren News als die Bewertung der aktuellen Ausgangslage.

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