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Gazprom & Nord Stream 2: Das steht für Deutschland jetzt auf dem Spiel!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Gazprom (WKN: 903276) und Nord Stream 2 sind weiterhin ein heißes Thema. Zuletzt waren es allerdings nicht mehr die US-Sanktionen, die die Investoren bewegt haben. Nein, sondern der europäische und deutsche Widerstand. Zum Ende der Woche hat sich der Bundestag mit der Frage beschäftigt, ob Nord Stream 2 finalisiert werden sollte. Das mündete in eine hitzige Debatte.

Es ist einerseits nachvollziehbar, dass Deutschland und die EU angemessen auf den Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker Nawalny reagieren müssen. Letztlich geht es hierbei schließlich um Demokratie, das Verteidigen freiheitlich-demokratischer Grundwerte wie die Meinungsfreiheit. Trotzdem könnte das Erdgasprojekt Nord Stream 2 ein falscher Hebel sein.

Es steht viel für Deutschland auf dem Spiel, sollte das Projekt jetzt doch noch abgeblasen werden, nachdem rund 94 % des Baus fertiggestellt sind. Was genau? Das wollen wir uns im Folgenden einmal etwas näher ansehen.

Eine Reihe von Verlierern

Grundsätzlich wissen Foolishe Investoren natürlich bereits, dass es viele Verlierer bei einem Abbruch des Baus von Nord Stream 2 geben würde. Neben Russland und Gazprom sind das unter anderem auch europäische und deutsche Konzerne. BASF hängt beispielsweise über DEA Wintershall in dem Projekt drin, genauso wie Konzerne wie Royal Dutch Shell. Jeweils knapp unter einer Milliarde Euro flossen vonseiten dieser Unternehmen in das Projekt.

Auch für Deutschland könnte eine Umkehr entsprechend teuer werden. Nicht bloß, weil Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können. Nein, sondern auch die Energiesicherheit hierzulande steht letztlich auf dem Spiel. Wie wir es auch drehen und wenden: Als Land, das arm an fossilen Brennstoffen ist, sind wir auf Importe angewiesen. Aber das ist möglicherweise nicht der wichtigste Aspekt, der jetzt auf dem Spiel steht.

Wie das Handelsblatt im Rahmen eines Kommentars herausgestellt hat, könnte Deutschlands Glaubwürdigkeit in der Wirtschaftswelt riskiert werden. Gazprom und andere Konzerne haben das Projekt realisiert und fast fertiggestellt im Glauben an eine allgemeingültige Genehmigungs- und Rechtslage. Gelder sind geflossen, die sich möglicherweise niemals rentieren werden. Sollte es jetzt zu diesem späten Zeitpunkt noch zu einem Abbruch kommen, so wäre das ein falsches Signal. Auch für andere Investoren, die möglicherweise in Deutschland investieren würden.

Eine Sichtweise, die durchaus nachvollziehbar erscheint. Wie gesagt: Grundsätzlich wird im Zweifel eine Antwort an Russland gefunden werden müssen. Zumindest, wenn sich die Befürchtungen im Fall Nawalny bewahrheiten. Allerdings sollte nicht die eigene Glaubwürdigkeit als Wirtschaftsstandort auf dem Spiel stehen. Die aktuellen politischen Diskussionen könnten genau das jetzt jedoch zeigen.

Nord Stream 2: Wenn der Preis zu teuer wird

Genau diese Diskussion sollte daher möglicherweise auch auf politischer Bühne diskutiert werden. Ein später Verzicht bei Nord Stream 2 könnte nicht nur Gazprom und Russland treffen. Nein, sondern gleichzeitig auch teuer für die deutsche Wirtschaft werden, für Deutschlands Energiesicherheit. Aber, möglicherweise viel wichtiger: Für die Glaubwürdigkeit in den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Möglicherweise ist das ein Preis, der zu teuer ist. Keine Frage: Für Freiheit und Demokratie mag es fast keinen zu teuren Preis geben. Eine intakte Wirtschaft und Glaubwürdigkeit in Rechts- und Genehmigungslagen sind jedoch nicht weniger wichtig. Zumal es mildere Mittel geben dürfte, um Sanktionen zu verkünden. Die nicht dazu führen, dass sich Deutschlands metaphorisch gesprochen ins eigene Knie schießt.

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Vincent besitzt Aktien von BASF und Royal Dutch Shell. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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