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Gazprom-Aktie: Jetzt auch noch eine Milliarden-Strafe

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Die Aktie von Gazprom (WKN: 903276) und das leidige Thema Nord Stream 2. Ob es die US-Sanktionen sind, die Druck auf das Projekt und beteiligte Akteure ausüben, oder aber die innerpolitischen Diskussionen um die Fertigstellung: Es hapert an vielen Ecken und Kanten, und eine eigentlich bereits genehmigte Fertigstellung ist mit einem Fragezeichen versehen.

Allerdings ist das nicht alles: Wie aktuelle Meldungen zeigen, gibt es zudem eine Milliardenstrafe, die zusätzlichen Druck auf die Gazprom-Aktie ausüben dürfte. Schauen wir im Folgenden einmal, was Investoren zu diesem neuen Nachrichtenzweig wissen sollten innerhalb dieses Laufs von augenscheinlich nicht enden wollenden Negativ-News.

Nord Stream 2: Polen verhängt Milliardenstrafe

Wie der Nachrichtendienst AFP zur Mitte der Woche berichtete, hat Polen eine Milliardenstrafe gegen Gazprom wegen Nord Stream 2 verhängt. Genauer gesagt ist es die polnische Behörde für Wettbewerb und Verbraucherschutz (Uokik), die aufgrund von wettbewerbsrelevanten Aspekten eine Rekordstrafe von 29 Mrd. Zloty verhängt hat. Umgerechnet entspricht das einem Betrag von 6,45 Mrd. Euro, was definitiv nicht wenig ist. Fünf weitere am Bau der Pipeline beteiligte Unternehmen sollen außerdem 52 Mio. Euro zahlen. So weit zu den Basics.

Das Verfahren ist jedoch nicht neu: Bereits im Jahre 2016 hatten die polnischen Wettbewerbshüter gewarnt, dass die EU-Pipeline Nord Stream 2 ihrer Ansicht nach den Wettbewerb verzerre. Im Jahre 2018 ist ein kartellrechtliches Verfahren eingeleitet worden, das jetzt mit der Strafe endete.

Polen befürchtet seit geraumer Zeit ebenso wie Tschechien, dass die EU-Pipeline Nord Stream 2 die Wettbewerbsstellung klassischer Transit-Staaten verschlechtern werde. Das Verfahren kann entsprechend in diesem Kontext gedeutet werden. Dennoch zeigt sich mit dieser Strafe: Es gibt neben den beiden Hauptbaustellen auch weitere Dinge, die im Kontext von Nord Stream 2 belasten. Neben der Baustelle selbst, die derzeit nicht fertiggestellt wird.

Das EU-Projekt ist nicht alles, aber vieles …

Die polnische Strafe wird vermutlich noch ein rechtliches Nachspiel haben. Ob Gazprom die Strafe akzeptiert, steht auf einem anderen Stern. Wahrscheinlicher ist für mich, dass es Klagen und weitere Verfahren geben wird. Mit noch ungewissem Ausgang.

Fest steht jedenfalls weiterhin, dass das EU-Projekt Gazprom in diesen Tagen unter keinem guten Stern steht. Möglicherweise haben die polnischen Behörden gerade jetzt das Verfahren abgeschlossen, um den Druck zusätzlich zu erhöhen und das Momentum gegen die Pipeline zu steigern. Auch innerhalb Europas regt sich viel Widerstand.

Trotzdem bleibt ebenfalls ein Zwischenfazit, dass Nord Stream 2 für Gazprom-Investoren nicht alles ist. In Richtung China sind die Wege gesicherter und auch die Türkei wird künftig ein möglicherweise größerer Abnehmer von Erdgas. Der Draht in Richtung Europa ist außerdem mit Nord Stream 1 gesichert. Wobei eine zweite Pipeline die Flexibilität erhöhen würde und den Absatz steigern könnte. Nord Stream 2 ist daher nicht alles, aber vieles. Und definitiv das prägende Thema, das Investoren von Gazprom jetzt beschäftigt.

Gazprom: Durchwachsene Aussichten

Auch damit verdichten sich die eher durchwachsenen Aussichten von Gazprom. Erschwerend kommt hinzu, dass die Preise für Brent, WTI und Erdgas weiterhin relativ preiswert sind, was zuletzt auch die Zahlen belastet hat. Ob die noch immer fundamental preiswerte Gazprom-Aktie jetzt ein Kauf ist, sollten sich Foolishe Investoren gut überlegen. Wobei Nord Stream 2 im Endeffekt ein Sorgenfeld von vielen ist.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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