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Gazprom-Aktie: Bedeuten diese durchwachsenen Zahlen das Ende des Turnarounds?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die eigentliche Berichtssaison scheint eigentlich bereits zu Ende zu sein. Nichtsdestoweniger existieren noch immer einige Nachzügler, die ihre Zahlenwerke für das dritte Quartal erst zu diesem späten Zeitpunkt präsentieren. Und entsprechend die Aktien der jeweiligen Unternehmen bewegen können.

Ein solcher Nachzügler ist Gazprom (WKN: 903276). Der russische Erdgaskonzern, der in diesen Tagen mit einer günstigen Bewertung auf sich aufmerksam macht, hat Zahlen für die vergangenen drei sowie auch die ersten neun Monate des aktuellen Geschäftsjahres präsentiert. Die, kleiner Spoiler, eher durchwachsen sind.

Schauen wir im Folgenden daher einmal, welche Kennzahlen Investoren kennen sollten. Und ob das womöglich das Ende des Turnarounds bedeutet.

Zahlen, Daten, Fakten …

Wie wir mit Blick auf die Erlöse feststellen müssen, hat Gazprom hier einen gewaltigen Rückschritt hinnehmen müssen. Alleine auf Sicht der vergangenen drei Monate fielen die Umsätze von 1,9 Billionen Rubel auf 1,6 Billionen Rubel. Für die ersten neun Monate beläuft sich der Wert hier auf 5,7 Billionen Rubel, nach einem Vorjahreswert von 5,9 Billionen Rubel.

Die Ergebnisentwicklung war in den vergangenen drei Monaten deutlich durchwachsener. So sank der Gewinn unterm Strich von 400 Mrd. Rubel auf lediglich noch 228 Mrd. Rubel. Immerhin konnte der Erdgaskonzern für die ersten neun Monate mit einem Gewinn in Höhe von 1,1 Billionen Rubel knapp mehr als im Vorjahr mit 1,0 Billionen Rubel erzielen, wobei ein starkes Finanzergebnis unter anderem dafür verantwortlich gewesen ist. Die operativen Gewinne brachen jedoch von 1,3 Billionen Rubel auf 970 Mrd. Rubel ein, ein für die ersten neun Monate starker Rückgang.

Der Grund für diese durchwachsene Entwicklung wird mit schwächeren Erdgaspreisen angegeben. Eine Entwicklung, die sich in Anbetracht der niedrigeren Ölpreise der vergangenen Wochen und Monate bereits abgezeichnet hat und neben den Ölkonzernen natürlich auch den russischen Gaskonzern tangiert. Bleibt die spannende Frage, was das für die Fortführung des operativen Turnarounds bedeuten könnte.

Erwartungshaltung und Aussichten stimmen

Wenn du mich fragst, dürften Investoren im Vorfeld bereits mit einem schlechteren Zahlenwerk gerechnet haben. Wie gesagt, ein Großteil einer solch durchwachsenen Entwicklung hatte sich bereits bei den Öldividendenperlen abgezeichnet, entsprechend ist die Überraschung hier eigentlich nicht sonderlich groß.

Positiv zu werten ist außerdem, dass das Zahlenwerk für die ersten neun Monate insgesamt relativ beständig zu sein scheint. Der operative Gewinn ist zwar recht deutlich zurückgegangen und beläuft sich sogar auf einen Wert von unter einer Milliarde Rubel. Allerdings hat das ein positives Finanzergebnis und andere Sondereffekte unterm Strich ausgleichen können.

Langfristig scheinen sich die Aussichten für Gazprom aufzuhellen. Nicht bloß dass Nord Stream 2 wichtige Hürden in letzter Zeit nehmen konnte, auch die beiden anderen wichtigen Pipelines in Richtung Türkei und China können in den kommenden Wochen und Monaten fertiggestellt werden. Das dürfte zumindest absatztechnisch weiteren Schwung in die Gazprom-Aktie bringen, wobei eine gewisse operative Volatilität bedingt durch die schwankenden Rohstoffpreise vorhanden ist.

Bloß ein Zahlenwerk …

Die Zahlen für das aktuelle Quartal und die ersten neun Monate sollten Investoren daher nicht überbewerten. Zwar waren die Ergebnisse hier definitiv durchwachsen, nichtsdestoweniger stimmen die Aussichten und Rohstoffaktien sind stets anfällig für schwankende Preise.

Die Bewertung dürfte hier jedoch trotz des kleineren operativen Einbruchs vergleichsweise preiswert bleiben, und auch dadurch ist noch immer Spielraum für einen weiteren Turnaround gegeben. Das sollten Investoren hier ebenfalls bedenken.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019