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Indischer Kohlemilliardär Gautam Adani: Das Feindbild der Klimaaktivisten

Siemens will nun doch am Bau des umstrittenen Bergwerks in Australien mitwirken. Indiens Kohlemilliardär Adani sieht sich durch die Entscheidung bestärkt.

Ein 57 Jahre alter Milliardär aus Indien ist der Sieger im Streit zwischen dem Münchener Technologiekonzern Siemens und den Klimaschützern. Der Mann heißt Gautam Adani und ist verantwortlich für das gigantische Kohlebergwerk in Australien, das das deutsche Unternehmen zuletzt in die Bredouille brachte. Adani will mit einer gigantischen Mine dafür sorgen, dass der Abschied vom Energieträger Kohle noch Jahrzehnte dauern wird.

Mit der Entscheidung von Siemens-Chef Joe Kaeser, trotz lautstarker Proteste von Aktivisten weiter am Projekt mitarbeiten zu wollen, kann Adani seine Ambitionen nun ungebremst vorantreiben. „Wir haben wiederholt gezeigt, dass wir uns nicht einschüchtern lassen“, teilte der nach seinem Gründer benannte Adani-Konzern mit.

Man lasse sich nicht davon abhalten, seine Versprechen einzulösen, den „Menschen in Queensland, Australien und in Entwicklungsländern, die dringend bezahlbare Energie brauchen, zu helfen, um der Armut zu entkommen“.

Gleichzeitig soll das Projekt wohl aber auch dabei helfen, den Reichtum Adanis zu mehren. Auf 15,7 Milliarden Dollar schätzt das US-Magazin „Forbes“ das Familienvermögen des Industriellen. Und wenn die Bergbaupläne in Australien so funktionieren, wie er es sich vorstellt, könnte er auf der Liste der Superreichen weiter nach oben klettern. Denn mit der „Carmichael-Mine“ möchte Adani garantieren, dass Asiens Schwellenländer ihre Abhängigkeit von dem fossilen Energieträger so schnell nicht verlieren.

Den Geschäften mit dem wegen seiner Klimaschädlichkeit in Verruf geratenen Rohstoff verdankt Adani einen großen Teil seines Erfolgs: In den 1980er-Jahren begann er damit, Kohle für staatliche Kraftwerke in Indien zu importieren. Er baute darauf anschließend ein Imperium auf: Sein Konzern wurde selbst zum Energieproduzenten. Zu seinem Portfolio gehört Indiens größtes privates Kohlekraftwerk Mundra in seinem Heimatstaat Gujarat. Der Kohlenachschub kommt von Adani-Bergwerken mit Adani-Cargoschiffen über Adani-Häfen an.

Das australische Bergwerk, das bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle im Jahr liefern könnte, soll die Verwertungskette perfektionieren: Mit der Bahn, für die Siemens nun die Signalanlage liefern will, kommt die Kohle an die Küste und wird dann nach Indien verschifft.

Diskussionen bei Siemens

Verfeuert werden soll die Kohle in einem Großkraftwerk, das in einer Sonderwirtschaftszone in Indiens Osten gebaut wird. Von dort will Adani den Strom an das benachbarte Bangladesch verkaufen – die Vereinbarung hatte Regierungschef Narendra Modi bei einer Reise 2015 verkündet.

Für den wachsenden Energiehunger in Asiens Schwellenländern sieht Adani keine Alternative zur Kohle. In der Tat ist sie aus seiner Heimat kaum wegzudenken: Kohle steht für fast drei Viertel von Indiens gesamter Stromproduktion. Doch der Brennstoff hat auch einen Preis, der über die Anschaffungskosten hinausgeht: Rund 100.000 Inder sterben laut der Studie „The Lancet Countdown“ jedes Jahr an den Folgen der von Kohleverbrennung vor allem in Haushalten verursachten Luftverschmutzung.



Bei Siemens sorgte die Entscheidung, weiter an der Seite von Adani zu arbeiten, auch intern für Diskussionen. Aus Kundenloyalität sei das Festhalten an dem Vertrag wohl schwer vermeidbar, hieß es in Industriekreisen. „Doch haben viele das Gefühl, dass Siemens da auf der falschen Seite der Geschichte steht.“ Auch Chef Kaeser hatte angedeutet, dass die Annahme des Auftrags ein Fehler gewesen sei.

Der Umsatz des Geschäfts ist relativ gering. Er beläuft sich auf gerade einmal rund ein Prozent der von Adani geplanten Gesamtinvestition in Australien. Für nur 20 Millionen Euro trete Kaeser die Nachhaltigkeitsbestrebungen von Siemens in die Tonne, kritisierte Nick Heubeck, ein Vertreter der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“.

Um deutlich mehr Geld geht es dagegen bei einem Gemeinschaftsunternehmen, das BASF mit Adani plant. Die Konzerne wollen zusammen mit weiteren Partnern vier Milliarden Dollar in eine gemeinsame Chemiefabrik in Indien investieren. Hier gibt sich Adani aber durchaus umweltbewusst: Das Projekt soll zu 100 Prozent CO2-neutral betrieben werden.