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Preise für Gas und Heizöl ziehen an

Wer mit Gas heizt, hat zuletzt steigende Preise beobachtet. Dieser Trend dürfte 2020 anhalten. Wegen der Klimapolitik dürfte es 2021 noch teurer werden.

Wie stark sich der Trend der Preiserhöhung bei den Heizkosten 2020 fortsetzen wird, ist umstritten. Foto: dpa

Heizen ist für Millionen Haushalte in Deutschland zuletzt teurer geworden – und ein Ende der Preissteigerungen ist nicht in Sicht: Den Vergleichsportalen Check24 und Verivox zufolge dürften im neuen Jahr Dutzende Gasversorger ihre Gebühren erhöhen.

Auch Besitzer von Ölheizungen mussten angesichts deutlich gestiegener Rohölpreise im vierten Quartal 2019 Preissteigerungen für Heizöl hinnehmen. Zudem könnte das Klimapaket der Bundesregierung dazu führen, dass Haushalte im kommenden Jahr zusätzliche Kosten durch eine CO2-Steuer stemmen müssen.

Im vergangenen Jahr zeigte die Preiskurve bei Gas für die Endverbraucher bereits klar nach oben. Zwar sind die Großhandelspreise für Gas zwischen Januar und November um 35 Prozent gesunken. Davon haben die Verbraucher allerdings nichts gemerkt.

Hunderte Preiserhöhungen der Gasversorger in ganz Deutschland führten zu einem durchschnittlichen Anstieg der Endpreise um 3,3 Prozent auf 1256 Euro für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden. Das sind die Zahlen des Vergleichsportals Check24; die Kollegen von Verivox kommen auf 1206 Euro jährliche Kosten.

Sie weisen darauf hin, dass der Preisanstieg schon 2018 eingesetzt hat: Zwischen Oktober 2018 und April 2019 zogen die Verbraucherpreise um rund neun Prozent an.

Neue Preiserhöhungen angekündigt

Die Gasversorger begründeten den zurückliegenden Preisanstieg mit höheren Großhandelspreisen 2017 und 2018 – und mit den sinkenden Preisen für die Endverbraucher in den Vorjahren. Tatsächlich kannten die Gaspreise für Haushalte jahrelang nur den Weg nach unten, zumindest seit 2014.

Auch heute liegen sie im Durchschnitt nur wenig höher als vor zehn Jahren. Rund die Hälfte aller Haushalte in Deutschland heizt mit Gas; sie wurden so entlastet.

Zu Beginn des Jahres 2020 zeigt sich nun ein gespaltenes Bild: Laut Verivox haben für Januar und Februar 44 Gasversorger Preiserhöhungen angekündigt, die im Durchschnitt vier Prozent betragen und zu einer Mehrbelastung von 51 Euro im Jahr führen. Das sind noch Spätfolgen aus dem zurückliegenden Preisanstieg.

Gleichzeitig haben jedoch auch 35 regionale Gasversorger ihre Preise zum Beginn des Jahres gesenkt, ebenfalls um vier Prozent im Durchschnitt. Das würde zu einer Entlastung um 56 Euro im Jahr führen.

Die Analysten von Check24 nehmen einen längeren Zeitraum ab August 2019 bis heute in Augenschein und kommen auf 83 Unternehmen mit Preiserhöhungen und 36 Grundversorger mit Preissenkungen. Angesichts von rund 700 Versorgungsunternehmen in Deutschland heißt das auch: Für viele Verbraucher hat sich gar nichts geändert.

Die Prognosen für dieses Jahr sind unter den Experten ebenso verschieden wie das aktuelle Lagebild. „Angesichts der gesunkenen Großhandelspreise werden viele Gasversorger im Laufe des Jahres günstigere Angebote machen können, um Kunden zu halten oder neu zu gewinnen“, meint Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. „Wir gehen tendenziell von einer Senkung der durchschnittlichen Preise im Jahresverlauf aus.“ Die deutsche Versorgung scheine gesichert, die Speicher seien voll und das Angebot umfangreich.

Zu einem anderen Schluss kommt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei Check24. „Die steigenden Netznutzungsentgelte lassen darauf schließen, dass die Gaspreise in diesem Jahr steigen werden.“ Im Durchschnitt werden die Netzbetreiber ihre Entgelte um rund zwei Prozent anheben; lediglich in vier Bundesländern (Bremen, Sachsen, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern) ist ein leichter Rückgang angekündigt.

Entsprechend ihrem Geschäftsmodell sind sich die beiden Betreiber von Vergleichsportalen einig, dass die Verbraucher die Preise der verschiedenen Anbieter vergleichen sollten. Mit einem Wechsel von einem Tarif der Grundversorger zu einem alternativen Anbieter ließen sich mehrere Hundert Euro im Jahr einsparen. „Alternative Tarife sind derzeit rund 30 Prozent günstiger als die örtliche Grundversorgung“, sagte Schmid.

Kunden halten sich bei Heizöl zurück

Heizöl hat sich seit Anfang November um rund fünf Prozent verteuert. Vor allem die Jahresendrally bei Rohöl hat die Preise getrieben. Die Ölsorte Brent hatte sich im gleichen Zeitraum um knapp 14 Prozent verteuert.

Grund dafür war vor allem die Entscheidung des Ölförderkartells Opec, die Produktion stärker als erwartet zu reduzieren und damit das Angebot auf dem Weltmarkt zu verknappen.

Wegen der jüngsten Preissteigerungen kaufen daher auch nur wenige Haushalte Heizöl, sagt Klaus Bergmann, Geschäftsführer beim Vergleichsportal esyoil. „Kunden halten sich mit Bestellungen zurück.“

Generell waren die Preisausschläge bei Heizöl im abgelaufenen Jahr eher gering. Wer mit Öl heizt, musste dagegen etwas weniger zahlen. Die Kosten für einen Musterhaushalt sanken Check24 zufolge um 20 Prozent von 333 auf 267 Euro.

Damit büßte Gas auch deutlich von seinem Kostenvorteil gegenüber Öl ein. Heizöl kostete vor einem Jahr noch 38 Prozent mehr als Gas, im Oktober und November 2019 sind es nur noch fünf Prozent.

Allerdings könnte das Klimapaket der Bundesregierung dazu führen, dass Öl als Heizmittel unattraktiver wird. Ein Ölheizung würde dabei zu deutlich höheren Zusatzkosten führen als eine Gasheizung, die weniger Kohlendioxid ausstößt.

Die Grundsatzeinigung von Bund und Ländern sieht vor, dass der CO2-Preis im Verkehr und bei Gebäuden zum 1. Januar 2021 nun mit 25 Euro pro Tonne startet – bisher waren 10 Euro vorgesehen. Er soll schrittweise bis 2025 auf 55 Euro erhöht werden.

Bei einer 71 Quadratmeter großen Wohnung, die mit Gas beheizt wird, würden die Zusatzkosten den Berechnungen zufolge von 45,61 Euro (bei 25 Euro je Tonne CO2) auf 100,34 Euro (bei 55 Euro je Tonne CO2) im Jahr steigen. Wird diese Durchschnittswohnung mit Heizöl gewärmt, steigt die Zusatzbelastung von 60,71 Euro auf 133,57 Euro.
Mit Material von dpa

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