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„Gas wird noch knapper und noch teurer“ – Chef der Bundesnetzagentur erklärt, was das für Verbraucher bedeutet

Klaus Müller ist Präsident der Bundesnetzagentur. - Copyright: picture alliance/dpa | Oliver Berg
Klaus Müller ist Präsident der Bundesnetzagentur. - Copyright: picture alliance/dpa | Oliver Berg

Polen, Bulgarien, Holland und Dänemark hat das russische Erdgasförderunternehmen Gazprom bereits das Gas abgestellt. Nun sind Menschen besorgt, dass dieser Fall auch in Deutschland eintreten könnte. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, äußerte sich im Gespräch mit dem Berliner „Tagesspiegel“ zu den erwartbaren Folgen, die eine Gasknappheit für die Verbraucher haben könnte.

Situation könne sich binnen weniger Stunden ändern

Müller gab zunächst Entwarnung: Derzeit sehe er noch keine Anzeichen dafür, dass die Gasversorgung für Deutschland unterbrochen oder die Versorgungssituation beeinträchtigt werden könnte. Allerdings könne sich dies in der aktuellen Situation binnen wenigen Stunden ändern, weshalb er keine längerfristige Prognose geben wolle.

Allerdings würde Gas, das in Europa frei gehandelt werde, langsam weniger werden, so Müller. Einige Gasspeicher hätten noch lange nicht den Füllstand erreicht, den sie im Zuge einer Krisenvorsorge bräuchten. Die zunehmende Knappheit habe zur Folge, dass Gas stetig teurer werde. Die derzeitigen Gaspreise, die sich bereits jetzt auf Industrie und Verbraucher auswirken, dürften also lediglich den Anfang einer anhaltenden Preiserhöhung darstellen, deren Ende noch nicht absehbar ist.

Mehrkosten von 15 bis 20 Prozent dürften auf Mieter zukommen

Schon jetzt müssen sich viele Bürgerinnen und Bürger angesichts der steigenden Preise auf hohe Nachzahlungen zum Jahresende einstellen. Manche Stadtwerke in Deutschland haben ihre Preise bereits verdoppelt. Laut Berechnungen des Immobilienportals Immoscout24 kommen auf Mieter dieses Jahr Mehrkosten von 15 bis 20 Prozent zu; das Vergleichsportal Verivox kommt auf Mehrkosten von 1000 Euro für eine vierköpfige Familie im Jahr 2022.

Die bislang geplanten Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung in Form einer Energiepreispauschale, Kinderzuschüssen und der Abschaffung der EEG-Umlage reichen vermutlich nicht, um diese Mehrkosten auszugleichen. Müller gehe jedoch davon aus, dass die Bundesregierung intensiv über weitere Hilfspakete beraten werde. Im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ sagte er: „Wenn sich die Lage zuspitzt, wird die Bundesregierung sicherlich etwas in der Schublade haben.“

„Es ist ein Gebot der Vernunft und der Solidarität, sich zu beschränken“

Sollte das Gas in Deutschland wirklich knapp werden, müsse letztlich er selbst verantworten, wer wie viel Gas bekäme, so Müller. Er berief sich jedoch auch auf die SOS-Verordnung der EU, in welcher festgelegt ist, dass besonders schützenswerte Verbrauchergruppen wie private Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeheime und Polizeistationen bei einer Reduzierung weiterhin mit ausreichend Gas versorgt würden.

Dennoch sollten Verbraucher bereits jetzt Gas sparen, damit auch Unternehmen weiterhin so lange wie möglich mit Gas beliefert und Arbeitsplätze gesichert werden könnten, so Müller. Er fügte hinzu: „Es ist ein Gebot der Vernunft und der Solidarität, sich zu beschränken, bevor die Bänder stillstehen.“

af

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