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Ganz ehrlich: Foolishe Investoren sollten die Dividendenerhöhung von Royal Dutch Shell nicht überbewerten

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S) hat es nun also doch getan: Nach einem ziemlich soliden Quartal, zumindest in Anbetracht der niedrigen Ölpreise, hat das Management des britisch-niederländischen Öl- und Erdgaskonzerns die Dividende angehoben. Statt wie zuletzt 0,16 US-Dollar je Aktie auszuschütten, werden jetzt 0,1665 US-Dollar ausgezahlt. Das entspricht einer Erhöhung von ca. 4 % im Vergleich zum Vorquartal.

Foolishe Investoren sollten trotzdem nicht euphorisch werden und die Dividendenerhöhung der Aktie von Royal Dutch Shell überbewerten. Zum einen, weil die Dividende noch immer bedeutend unter dem Dividendenniveau vom Jahresanfang von 0,47 US-Dollar je Aktie liegt. Aber auch aus Gründen, die in der Zukunft liegen. Lass uns das jetzt ein wenig näher ergründen.

Royal Dutch Shell: Flexiblere Kapitalrückführungen

Zum einen sollten Foolishe Investoren diese Dividendenerhöhung nicht überbewerten, weil sie eine Phase der flexibleren Kapitalrückführungen einläuten. Wie das Management von Royal Dutch Shell im Rahmen des letzten Quartalsupdates verkündet hat, wird man künftig zwischen 20 und 30 % des positiven Cashflows für die Dividende und andere Kapitalrückführungen wie Aktienrückkäufe verwenden. Das könnte auch ein Kürzungspotenzial implizieren.

Das Management von Royal Dutch Shell knüpft Kapitalrückführungen jedenfalls an operative Bedingungen, was per se ja gar nicht verkehrt sein muss. Zumal der britisch-niederländische Konzern zukünftig viel in den Ausbau neuer Projekte und strategischer Bereiche wie seine Strom-Sparte investieren will. Das wird Teil der ausgegebenen Vision sein, bis zum Jahre 2050 oder früher klimaneutral wirtschaften zu können.

Aber zurück zum Thema: Flexiblere Kapitalrückführungen ebnen auch den Weg für eine Dividendenkürzung. Vor allem wenn es operativ wieder deutlich trüber wird, könnte das eine logische Konsequenz sein. Zumal ein Zielkorridor zwischen 20 und 30 % der Mittelzuflüsse eher wenig Spielraum gibt, um auch operative Turbulenzen bei der Dividende zu umgehen.

Gefahr für Dividende? Der Markt bleibt schwierig!

Eine latente Gefahr könnte zudem der Ölmarkt sein, der als weiterhin schwierig gilt. Im letzten, dritten Quartal lagen die Ölpreise zwar durchschnittlich über der Marke von 40 US-Dollar je Barrel Brent. Im Moment befinden sich die Notierungen jedoch wieder unter diesem Niveau. Das kann auf die derzeitige Marktphase zurückgeführt werden.

Zum einen schüren die gestiegenen Fallzahlen die Angst vor einem Lockdown, was die Ölnachfrage belasten könnte. Zum anderen scheint die OPEC+ wieder uneiniger zu werden. Fördernationen wie Libyen oder auch der Irak fordern höhere Mengen. Auch andere, kleinere Mitglieder weichen die abgesprochenen und aus dem Markt genommenen Volumina derzeit auf. Das könnte die Förderkürzung insgesamt ins Wackeln bringen.

Wir sehen daher: Der Ölmarkt hat zwar kurzfristig wieder Stabilität erreicht. Allerdings könnte diese auf einem wackeligen Fundament ruhen. Foolishe Investoren sollten das ebenfalls würdigen, insbesondere in Anbetracht der flexibleren Kapitalrückführungen.

Royal Dutch Shell und die Dividende …

Royal Dutch Shell galt jahrzehntelang als sehr zuverlässiger Dividendenzahler und diese Verbindung stellen einige Investoren noch immer her. Möglicherweise ist es jedoch an der Zeit, sich von diesem Gedanken ganz zu verabschieden. Trotz der aktuellen Dividendenerhöhung, die zumindest eine kurzfristige Verbesserung in Aussicht stellt.

Der britisch-niederländische Öl- und Erdgaskonzern lässt jetzt jedenfalls Flexibilität in seine Kapitalrückführungen einkehren. Das kann, so wie jetzt, kurzfristig zu Erhöhungen führen. Aber natürlich auch in die andere Richtung. Das im Hinterkopf zu behalten könnte dir vielleicht eine Überraschung ersparen.

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Vincent besitzt Aktien von Royal Dutch Shell. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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