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Nach FTX-Pleite: Sam Bankman-Fried plädiert bei erster Anhörung in allen Anklagepunkten für „nicht schuldig“

Sam Bankman-Fried verlässt am 3. Januar einen New Yorker Gerichtssaal. - Copyright: Fatih Aktas/Anadolu Agency via Getty Images
Sam Bankman-Fried verlässt am 3. Januar einen New Yorker Gerichtssaal. - Copyright: Fatih Aktas/Anadolu Agency via Getty Images

Sam Bankman-Fried hat im Strafverfahren der US-Regierung gegen ihn wegen des Zusammenbruchs seiner Kryptobörse FTX für "nicht schuldig" plädiert. Bei einer Anhörung am Dienstag vor US-Bezirksrichter Lewis Kaplan im New Yorker Stadtteil Manhattan saß Bankman-Fried schweigend zwischen seinen Anwälten Mark Cohen und Christian Everdell. Frieds Mutter und sein Wachmann saßen zwei Reihen hinter ihm auf der Besuchertribüne, inmitten eines Meeres von Journalisten. Cohen sprach für seinen Mandanten.

"Er plädiert in allen Anklagepunkten auf nicht schuldig", sagte Cohen. Der Richter setzte einen Verhandlungstermin für den 2. Oktober fest. Die Staatsanwälte sagten bei der Anhörung, dass sie mit einer Dauer von vier Wochen rechneten.

Die Antwort von Bankman-Fried auf die Vorwürfe war keine Überraschung. Sie bedeutet aber nicht unbedingt, dass er definitiv gegen die Anschuldigungen ankämpfen und vor Gericht ziehen wird. Es könnte sich um einen Platzhalter in der Anfangsphase des Verfahrens handeln, der ihm Zeit verschafft, sich ein Bild von der Argumentation der Staatsanwaltschaft zu machen. Und herauszufinden, ob er an einer möglichen Einigung interessiert ist.

Die stellvertretende US-Staatsanwältin Danielle Sassoon sagte bei der Anhörung am Dienstag, dass ihr Team den Anwälten von Bankman-Fried bald eine Präsentation über den gegen ihn vorliegenden Fall vorlegen werde. Sie sagte auch, dass die Staatsanwälte noch dabei seien, Beweise von beschlagnahmten Telefonen, Banken, politischen Gruppen und ehemaligen FTX- und Alameda Research-Mitarbeitern zu prüfen. Dabei stünden noch Vorladungen aus, die noch mehr Beweise liefern würden.

Zwei Bürgen für Bankman-Frieds 250-Millionen-Kaution bleiben vorerst anonym

Am Dienstag gab Richter Lewis Kaplan auch Bankman-Frieds Antrag statt, sicherzustellen, dass die zwei Personen, die Bankman-Frieds Kaution gezahlt hatten, anonym bleiben. Der Richter räumt den Parteien, einschließlich der Staatsanwaltschaft und der Medien, jedoch eine Frist bis zum 12. Januar ein, um diese Entscheidung anzufechten. Sassoon sagte, die Staatsanwälte würden voraussichtlich gegen die Entscheidung, die Identitäten geheimzuhalten, Einspruch erheben.

Bankman-Frieds Anwälte hatten am Dienstagmorgen in einem Schriftsatz argumentiert, dass das Geheimhalten der Identität dieser Geldgeber sie vor Schikanen und Drangsalierung schützen würde. Das hätten ihrer Meinung nach auch die Eltern des Angeklagten erleiden müssen, die die 250 Millionen US-Dollar Kaution (etwa 236,5 Millionen Euro) ihres Sohnes mit ihrem Haus abgesichert hätten.

Die beiden anonymen Bürgen, wie sie in der juristischen Fachsprache genannt werden, scheinen noch kein Geld gezahlt zu haben. Sassoon sagte in der Anhörung am Dienstag, dass ihr Team die Mitunterzeichner in den kommenden Tagen befragen und sich über ihre Finanzen erkundigen werde. Dann werde man sich einigen, wie viel Geld und welche Vermögenswerte sie zur Kaution beitragen müssten.

Lebenslange Haft droht – möglicherweise mehr als eine Million Opfer

Kaplan verbot Bankman-Fried, FTX- oder Alameda-Vermögenswerte zu bewegen, solange er auf Kaution ist. Bankman-Fried ist in acht Anklagepunkten angeklagt – wegen eines von der US-Regierung als episch bezeichneten Betrugs, der zum Verlust von FTX-Kundengeldern in Höhe von acht Milliarden Dollar geführt hat. Bankman-Fried hatte Geld an Alameda Research, einen Krypto-Hedge-Fonds, den er ebenfalls kontrollierte, weitergeleitet und einen Softwarecode geändert, der es Alameda ermöglichte, einen negativen Kontostand zu haben und unbegrenzt Mittel an der FTX-Börse zu leihen, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Die Anklagen gegen Bankman-Fried – darunter etwa Betrug und Verschwörung zur Geldwäsche – sind mit Strafen verbunden, die für den 30-Jährigen bis zu einer lebenslangen Haft reichen könnten. Die Zahl der Opfer, sagte Sassoon am Dienstag, könnte eine Million übersteigen. Sie sagte, sie wolle einen förmlichen Antrag stellen, eine Website einzurichten, um sie zu benachrichtigen, anstatt jedes einzelne Opfer zu kontaktieren.

Nach einer Anhörung im vergangenen Monat, der ersten in diesem Fall nach Frieds Auslieferung von den Bahamas an die USA, wurde der Angeklagte gegen eine Kaution von 250 Millionen Dollar freigelassen. Er wurde verpflichtet, im Haus seiner Eltern in Kalifornien an der US-Westküste zu wohnen. Während der Anhörung am Dienstag in New York, an der Ostküste der USA, bat Sassoon Kaplan, eine Bedingung zu Bankman-Frieds Kautionsvereinbarung hinzuzufügen: dass es ihm "verboten ist, auf FTX- oder Alameda-Vermögenswerte oder Kryptowährungen zuzugreifen oder sie zu übertragen". Jemand, so Sassoon, habe sich in der Woche zuvor Zugang zu den Wallets von Alameda Research verschafft und Gelder verschoben, sodass sie nun für die Staatsanwaltschaft unzugänglich seien.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.