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So vereinbarst du Trennung & Geldfragen

·Lesedauer: 5 Min.

Das erste Mal, als ich eine „richtige“ Trennung durchmachte, war ich gerade mitten im Studium. Nachdem ich meinen Freund:innen erzählt hatte, was passiert war, stürmten sie in mein Wohnheimzimmer, machten Wie an einem einzigen Tag an und grillten ein Hühnchen, das wir dann mit viel Knoblauchmayonnaise auf Sandwiches verteilten. Trotzdem war es ein furchtbarer Tag. Ich konnte den Schmerz, der mich da zerriss, gar nicht genau orten, und machte wochenlang kein Auge zu.

Wenn ich heute daran zurückdenke, erinnere ich mich aber eigentlich nur noch daran, wie leicht es doch war, sein und mein Leben voneinander zu trennen. Wir waren zusammen aufgewachsen; in dem Jahrzehnt seit unserer Trennung habe ich ihn trotzdem nur einmal gesehen. Unsere Wege kreuzten sich nie mehr, er hat keine Social-Media-Accounts und wir hatten keine geteilten finanziellen Verpflichtungen. Dass es so richtig vorbei war, merkte ich, als mich seine Eltern aus dem Familien-Handyvertrag entfernten, mit dem ich ihn umsonst hatte anrufen können. Vodafone schickte mir damals eine Benachrichtigungs-SMS. Das war das einzige bisschen Trennungs-Orga, das wir damals brauchten.

Wie fast alles andere auch werden Trennungen im Laufe des Lebens aber immer schwieriger und komplizierter. Wenn wir eine Beziehung beginnen, um mit einem anderen Menschen ein gemeinsames Leben aufzubauen, gehen wir dabei immer das Risiko ein, das Ganze eines Tages wieder abbauen zu müssen. Sobald du finanziell an eine andere Person gebunden bist, dir mit ihr ein Zuhause und/oder ein Bankkonto teilst, ihr eure alltäglichen Ausgaben splittet oder sogar gemeinsame Schulden anhäuft, kann es teuer werden, dieses sorgsam aufgebaute Leben zu zerpflücken.

Dich von einem Menschen zu lösen, den du geliebt hast und mit dem du dir eine gemeinsame Zukunft vorstellen konntest, wird sich immer so anfühlen, als würde etwas in dir zerbrechen – während du verzweifelt versuchst, deinen eigenen Weg einzuschlagen, ohne dich darauf an den Scherben der Vergangenheit zu schneiden. Trotzdem ist eine Trennung aber eben manchmal nötig und wichtig. Menschen verändern sich, sind einander untreu, und leider kommt es in einigen Beziehungen auch zu emotionalem, wirtschaftlichem oder körperlichem Missbrauch.

Wenn du also darüber nachdenkst, deine:n Partner:in zu verlassen, mit dem:der du nicht verheiratet bist – wie kannst du dich darauf finanziell vorbereiten?

Catherine Costley ist Familienanwältin in der führenden Londoner Kanzlei Payne Hicks Beach. Abgesehen von dem emotionalen Umbruch, der mit einer solchen Trennung einhergeht, erlebt sie bei ihren Klient:innen auch mit, wie schwierig die pragmatischen Aspekte einer Trennung sein können. „Mein erster Rat: Jede:r sollte eine ‚Notfalltasche‘ haben“, sagt sie gegenüber Refinery29.

Viele Frauen wissen gar nicht, dass es für Mitbewohner:innen kaum einen rechtlichen Schutz gibt.

Olive Craig, SENIOR LEGAL OFFICER bei Rights of women

Kein Zweifel: Manchen Frauen wird es leichter als anderen fallen, Geld zur Seite zur legen – aber wenig ist besser als gar nichts. „Egal, wie viel oder wenig Geld du zur Verfügung hast: Achte darauf, immer ein bisschen Geld parat zu haben und im Idealfall auch ein paar eigene Ersparnisse“, fährt Catherine fort. „Liebe ist eine tolle Sache. Wenn wir eine Beziehung eingehen, sind wir noch voller Hoffnung und glauben ans Beste, aber wir wissen eben nie, was passieren kann.“

Die Trennung kann vor allem dadurch verkompliziert werden, weil es für zusammenlebende, unverheiratete Paare weniger Rechtssicherheit gibt. „Viele Frauen wissen gar nicht, dass es für Mitbewohner:innen kaum einen rechtlichen Schutz gibt“, sagt Olive Craig, Senior Legal Officer von der britischen Organisation Rights of Women. „Wir sprechen in unserer Familienrechtsberatung oft mit Frauen, die in finanzielle Not geraten und sich sogar verschulden, weil ihre Beziehung rechtlich nicht so anerkannt wird wie eine Ehe. Es ist sehr wichtig, deine Rechte schon zu kennen, bevor du mit jemandem zusammenziehst, und am besten einen Lebensgemeinschafts-Vertrag aufzusetzen. Außerdem ist es ratsam, dir immer einen gewissen Grad der finanziellen Unabhängigkeit von deinem:deiner Partner:in zu bewahren, damit du, wenn du in einer Notsituation ausziehen musst, nicht durch fehlende Mittel davon abgehalten wirst.“

„Bleib pragmatisch – selbst, wenn deine Gefühle Achterbahn fahren“, ergänzt Catherine. „Manche Schritte müssen eingeleitet werden. Deswegen solltest du die Trennung auch als logistische Angelegenheit betrachten.“ Welche Schritte das sind, wollen wir von ihr wissen. „Es ist wichtig, sich schon vor dem Zusammenziehen über Finanzen zu unterhalten und die eigene finanzielle Unabhängigkeit zu schützen“, erklärt sie. „Für gemeinsame Ausgaben macht ein geteiltes Bankkonto durchaus Sinn. Ihr solltet euch aber vorher darauf einigen, wie viel ihr jeweils monatlich darauf einzahlt.“

Liebe ist eine tolle Sache. Wenn wir eine Beziehung eingehen, sind wir noch voller Hoffnung und glauben ans Beste, aber wir wissen eben nie, was passieren kann.

Catherine Costley, Familienanwältin bei Payne Hicks Beach

Diese Einigung kann Teil eures Lebensgemeinschafts-Vertrags sein (in dem ihr festhaltet, wer im Fall einer Trennung wofür zahlt). Dabei ist wichtig zu bedenken: Wenn ihr in einem Haus oder einer Wohnung lebt, das bzw. die euch nicht selbst gehört, hat die Person, die nicht im Mietvertrag steht, keine eigenen Rechte auf die Unterkunft, sollte es zur Trennung kommen. „Jede Einigung in Bezug auf euer Zuhause sollte schriftlich erfolgen“, betont Catherine deswegen.

Ähnliche Gedanken solltet ihr euch auch vor dem Zusammenziehen hinsichtlich Krediten oder Kreditkarten machen. „Wenn ihr euch trennt und einen gemeinsamen Kredit abzubezahlen habt, ist der Bank egal, wer den abbezahlt, solange er abbezahlt wird“, meint Catherine. „Ich schlage daher vor, dass ihr es euch gründlich überlegt, bevor ihr gemeinsame Schulden aufbaut.“ Haltet vorher genau (schriftlich!) fest, wer im Fall einer Trennung wie viel abbezahlt. Und da wir gerade bei Banken sind: Du solltest dir immer ein eigenes Konto behalten und finanzielle Zukunftspläne schmieden, die von deinem:deiner Partner:in unabhängig sind.

So unangenehm es auch ist: Selbst wenn du gerade total in deine:n Partner:in verliebt bist, ist es besser, dir jetzt schon mal über eine potenzielle, hypothetische Trennung Gedanken zu machen. Ansonsten könnte das dazu führen, dass du „die Stalltür verriegelst, nachdem das Pferd schon längst davongaloppiert ist“, meint Catherine.

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