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Fridays for Future will gegen Klimaschutzstiftung für Gaspipeline protestieren

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Mit der Stiftung sollen Bauteile gekauft werden, um die Pipeline fertig zu stellen. Mecklenburg-Vorpommern sieht im Erdgas eine Brückentechnologie.

Mitte Dezember hatten Aktivisten von Fridays for Future bei einem Aktionstag vor dem Brandenburger Tor Kerzen abgelegt. Anlass war das fünfjährige Jubiläums der Unterzeichnung des Pariser Klima-Abkommens. Foto: dpa
Mitte Dezember hatten Aktivisten von Fridays for Future bei einem Aktionstag vor dem Brandenburger Tor Kerzen abgelegt. Anlass war das fünfjährige Jubiläums der Unterzeichnung des Pariser Klima-Abkommens. Foto: dpa

Fridays for Future will gegen Pläne des Landes Mecklenburg-Vorpommern protestieren, mit einer Stiftung die Fertigstellung der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 zu fördern. Es klinge wie ein schlechter Scherz, dass die Landesregierung ausgerechnet mit einer Klimaschutzstiftung den Bau vorantreiben wolle, teilte die Klimaschutzbewegung am Montag mit.

Demnach sind für Dienstag Proteste vor der SPD-Parteizentrale in Berlin, vor der Staatskanzlei in Schwerin sowie vor der Anlandestation der Pipeline in Lubmin geplant. Vergangene Woche hatte der Schweriner Landtag den Weg frei gemacht für die Gründung einer landeseigenen Umweltstiftung. Die gemeinwohlorientierte Stiftung soll Projekte im Umwelt-, Natur- und Klimaschutz fördern, aber auch gewerblich aktiv werden können.

So ist geplant, durch die Stiftung Bauteile und Maschinen zu kaufen, die für die Fertigstellung der Gasleitung unerlässlich sind. Damit sollen angedrohte Sanktionen der USA gegen am Bau der Leitung beteiligte Firmen möglichst umgangen werden.

Erdgas sei extrem klimaschädlich und Studien zeigten, dass Nord Stream 2 nicht notwendig sei, um den Energiebedarf in Europa zu decken, heißt es in der Mitteilung von Fridays for Future. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte hingegen Gas als notwendige Übergangstechnologie der Energiewende dargestellt.

Heiko Maas ist skeptisch

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich ebenfalls skeptisch zur Gründung einer Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern geäußert, die den Weiterbau der Ostseepipeline Nord Stream 2 unterstützen soll. „Es ist eine Entscheidung, die in Mecklenburg-Vorpommern getroffen worden ist. Es ist keine Entscheidung der Bundesregierung“, sagte der SPD-Politiker am Montag während eines Besuchs in Kairo.

Die Landesregierung der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig will mit der Stiftung dazu beitragen, die von den USA angedrohten Sanktionen gegen an der Pipeline beteiligte Unternehmen auszuhebeln.

Maas machte klar, dass er immer noch auf eine gütliche Einigung mit Washington hoffe. In dem neuen „Sanktionsregime“ zu Nord Stream 2 sei ein „Konsultationsmechanismus“ vorgesehen. „Bevor Sanktionen umgesetzt werden, wird es Konsultationen der Regierung geben.“ Es sei wichtig, miteinander zu sprechen, „um nach Lösungen zu suchen, die für beide Seiten akzeptabel sind“.

Der Bau der laut Landesregierung etwa 11 Milliarden Euro teuren Gasleitung war Ende 2019 kurz vor der Fertigstellung unterbrochen worden, nachdem sich europäische Firmen dem Druck der USA gebeugt und Rohrverlegeschiffe aus der Ostsee abgezogen hatten.

Die USA begründen ihren Widerstand gegen das Projekt und die angekündigten Sanktionen gegen beteiligte Firmen mit einer zu großen Abhängigkeit ihrer europäischen Partner von russischem Gas. Pipeline-Befürworter werfen den USA hingegen vor, nur ihr Flüssiggas in Europa besser verkaufen zu wollen. Der künftige US-Präsident Joe Biden lehnt die Pipeline wie der amtierende Präsident Donald Trump ab.