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Fridays for Future protestiert an diesem Montag in zwölf Städten gegen Siemens

Die Entscheidung des Konzerns, an dem Kohleprojekt festzuhalten, kritisiert die Klimabewegung massiv. Sie plant mehrere Proteste – auch am Siemens-Hauptsitz.

Nach der Entscheidung von Siemens, an der Lieferung einer Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien festzuhalten, planen Fridays for Future für diesen Montag Proteste in zahlreichen deutschen Städten.

Am Morgen fanden sich auf der deutschen Homepage der Klimabewegung zwölf Veranstaltungen. Eine weitere war am Hauptsitz des Konzerns in München geplant, wie eine lokale Sprecherin von Fridays for Future sagte.

Die Liste könnte sich noch um einzelne Veranstaltungen verlängern, sagte eine andere Sprecherin von Fridays for Future Deutschland. Sie rechnete allerdings nicht damit, dass die einzelnen Proteste sehr groß ausfallen würden. Dafür seien sie zu spontan geplant worden.

Der indische Industriekonzern Adani will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt errichten, das jährlich bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Siemens soll für das Projekt für etwa 20 Millionen Euro Signaltechnik für die Züge liefern, die die Kohle abtransportieren.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte am späten Sonntagabend via Twitter mitgeteilt, dass der Konzern an der Lieferung der Zugsignalanlage festhalten werde. Er begründete dies unter anderem damit, dass Siemens zu seinen vertraglichen Pflichten stehen müsse. Noch am Freitag hatte sich der Manager mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer getroffen.

Der Siemens-Chef bot der Klimaaktivistin sogar einen Aufsichtsratsposten bei der neuen Siemens Energy an, den sie allerdings ablehnte. Die Entscheidung von Siemens an dem umstrittenen Kohleprojekt festzuhalten, kritisierte Luisa Neubauer am Sonntagabend als „unentschuldbaren Fehler“.

Ihr Mitstreiter Nick Heubeck kündigte im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk an: „Der Protest wird auf jeden Fall weitergehen.“ Auch bei der Hauptversammlung von Siemens am 5. Februar in München werde es Demonstrationen geben. „Siemens muss sich bewusst sein, und das soll auch ein Zeichen an die anderen Unternehmen in Deutschland sein, dass man eben nicht öffentlich zu Klimaschutz stehen kann und dann trotzdem Entscheidungen treffen kann, die nicht in dieses Jahrhundert passen“, sagte er.

Auch die Grünen zeigten sich enttäuscht, dass Siemens trotz der Proteste an der Zulieferung für das Kohlebergwerk in Australien festhält. Sie habe sich ein anderes Signal erhofft, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock am Montag in Berlin – auch, weil das Auftragsvolumen für Siemens relativ gering sei.

Der Konzern hätte sich „rausverhandeln“ können oder Vertragsstrafen in Kauf nehmen können, „weil der Rufschaden, der jetzt mit dieser Entscheidung einhergeht, wesentlich größer ausfallen dürfte“.

Der Fall mache deutlich, dass es im Aktienrecht und den Bilanzierungsregelungen für Unternehmen nicht mehr nur um Gewinnmaximierung geben dürfe, sondern auch Nachhaltigkeitsziele verankert werden müssten. Die Politik müsse dafür die Leitplanken setzen, sagte Baerbock.

Das Bundesumweltministerium wollte den konkreten Fall nicht kommentieren. Die Unternehmenswelt könne und müsse aber daraus lernen, dass es ein Frühwarnsystem brauche, sagte ein Sprecher auf Anfrage der dpa. „Wer mit dem Wissen von heute in fossile Infrastruktur investiert, riskiert, morgen zu den Verlierern zu gehören.“