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Dax beendet Börsenjahr mit kleinem Verlust – Bitcoin markiert Rekordhoch

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Auf den ersten Blick verlief das Börsenjahr unspektakulär, der Dax liegt lediglich vier Prozent im Plus. Dennoch war es ein denkwürdiges Jahr.

Der Optimismus der Anleger ist ungebrochen. Foto: dpa
Der Optimismus der Anleger ist ungebrochen. Foto: dpa

Der deutsche Leitindex beendet das Börsenjahr 2020 bei einem Punktestand von 13.718 Punkten. Gegenüber dem Vortagesschluss war es ein Minus von 0,3 Prozent. Am gestrigen Dienstag schaffte das deutsche Börsenbarometer mit 13.903 Punkten noch ein neues Rekordhoch.

Am heutigen Mittwoch verlief der Handel ruhig. Denn die deutschen Börsen hatten um 14 Uhr Handelsschluss. Wie ruhig, zeigt auch das Handelsvolumen der vergangenen Tage.

Am gestrigen Dienstag wurden lediglich 43,16 Millionen Papiere gehandelt, der zweitniedrigste Wert des gesamten Jahres. Lediglich am 26. November 2020 wurden mit 42,9 Millionen weniger Papiere ver- und gekauft. Am heutigen verkürzten Handelstag betrugt das Volumen 24,2 Millionen Stücke.

Das ist kaum überraschend. Die Anlageprofis haben sich bereits vor Weihnachten verabschiedet, nun dominieren die Privatanleger. Allen voran die vielen neuen Trader, die im Zuge der deutlichen Kursgewinne nach dem Corona-Crash neu am Markt sind. Diese Gruppe tendiert aufgrund ihrer Erfahrungen nach der dynamischen Corona-Rally eher zum Kauf als zum Verkauf.

Blick auf das Börsenjahr 2020

Rückblickend lässt sich jedenfalls sagen: 2020 war ein verrücktes Börsenjahr! Auf den ersten Blick ist die Entwicklung unspektakulär. Gegenüber dem Jahresbeginn liegt das deutsche Börsenbarometer knapp vier Prozent im Plus.

Dennoch war 2020 das Jahr der Börsenrekorde: Mit einem Minus von 16,4 Prozent steht unter anderem die schlechteste März-Performance der gesamten Dax-Historie zu Buche. Im ersten Quartal rutschte der Leitindex um 25 Prozent ab, ebenfalls ein historischer Negativrekord für die ersten drei Monate eines Börsenjahres.

Den anschließenden Kurssteigerungen gebührt ebenfalls ein Platz in der Börsengeschichte: Der Kurssprung von 15 Prozent im Monat November bedeutete den besten November seit dem Jahr 1962 für die bis 1959 zurückgerechnete Dax-Historie. Auch die Perfomance der Monate April (plus 9,3 Prozent), Mai (plus 6,7 Prozent) und Juni (plus 6,3 Prozent) war ungewöhnlich.

Die Top 3 und Flop 3 im Dax 2020

1. Delivery Hero: Plus 80 Prozent - Restaurants sind wegen der Lockdowns geschlossen und viele trauen sich aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht mehr in Gaststätten - stattdessen bestellen sie ihr Essen online. Dieser Trend befeuert die Geschäfte des Essenslieferanten, der erst im August für den wegen eines Bilanzskandals insolventen Zahlungsabwickler Wirecard in die erste deutsche Börsenliga aufgerückt war.

2. Infineon: Plus 54,6 Prozent - Die Corona-Krise beschleunigt die Digitalisierung der Welt. Davon profitiert auch der Chiphersteller. Hinzu kommt die Erholung der Autobranche, die viele Chips verbaut.

3. Merck KGaA: Plus 33,2 Prozent - Der Pharma- und Chemiekonzern steuert weitgehend unbeschadet durch die Corona-Pandemie. Zwar schwächelte phasenweise das Geschäft mit Farbpigmenten wegen der mauen Nachfrage aus der Auto- und Kosmetikindustrie, die meisten Bereiche erholten sich aber im Jahresverlauf. Zudem florierte die Laborsparte dank Aufträgen rund um Produkte und Dienstleistungen für die Arzneimittelherstellung, auch im Zusammenhang mit der Viruspandemie. Aber auch das Halbleitergeschäft zog deutlich an.

28. MTU: Minus 16,2 Prozent - Der Zusammenbruch des Flugverkehrs im Zuge der Corona-Pandemie belastete nicht nur die Airlines schwer, sondern auch Flugzeugbauer wie Boeing und Airbus und deren Triebwerkslieferanten wie MTU.

29. Fresenius: Minus 24,6 Prozent - Die Corona-Krise belastet den Medizinkonzern. Zu Beginn der Pandemie mussten viele Betten für mögliche Covid-19-Patienten freigehalten werden, planbare Behandlungen wurden verschoben. Das belastete nicht nur die Krankenhäuser des Konzerns, sondern auch die auf flüssige Medikamente wie Narkosemittel und klinische Ernährung spezialisierte Tochter Kabi.

30. Bayer: Minus 33,9 Prozent - Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern konnte den US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter immer noch nicht komplett beilegen. Zudem musste Konzernchef Werner Baumann den Jahresausblick auch wegen der Corona-Krise senken, die teils das Pharmageschäft belastet, da Krankenhäuser auf nicht dringend notwendige Behandlungen verzichteten. Baumann stellte die Anleger zudem auf massiven Gegenwind im Agrargeschäft ein.

Blick auf die Impfstoffhersteller Astra-Zeneca und Curevac

Astra-Zeneca: In Großbritannien wird der Weg frei für den Coronavirus-Impfstoff des Herstellers Astra-Zeneca und der Universität Oxford. Die Kontrollbehörde habe das Mittel genehmigt. Im Vereinigten Königreich können damit bald zwei Impfstoffe im Kampf gegen das Coronavirus zum Einsatz kommen. Die Aktie von Astra-Zeneca legte 0,2 Prozent zu.

Curevac: Wie volatil die Kurse von Impfstoffherstellern sind, zeigt das Beispiel der Curevac-Aktie, die am heutigen Mittwoch um 7,5 Prozent auf 72,80 Euro anstieg.

Doch in den Tagen zuvor sah das Bild anders aus. Seit dem 8. Dezember halbierte sich der Aktienkurs fast und rutschte von 120 Euro auf fast 62 Euro ab.
Denn der Impfstoffkandidat der Tübinger Biotechfirma Curevac befindet sich in klinischen Studien, während die Zulassung für die ersten Covid-Impfstoffe von Biontech und Moderna bereits erfolgt ist. Und Investoren befürchten, dass sich die Konkurrenzlage verstärkt, wenn weitere Zulassungen für Mittbewerber erfolgen.

Bitcoin erreicht neues Rekordhoch

Bitcoin springt erneut auf ein Rekordhoch. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise steigt um rund sechs Prozent auf 28.599 Dollar. Seitdem Bitcoin Mitte Dezember erstmals die Schwelle von 20.000 Dollar überschritten hatte, geht es rasant aufwärts. Vor allem Privatinvestoren hatten Analysten zufolge über die Weihnachtsfeiertage zugegriffen. „Ein nicht unbedeutender Teil der Anleger hat schlichtweg Angst, etwas zu verpassen“, meint Bitcoin-Analyst Timo Emden.

Zusätzlichen Schub dürfte der Bitcoin derzeit durch ehemalige Ripple-Anleger erhalten. Nach der Klage durch die US-Börsenaufsicht gegen das Unternehmen hat der Kurs stark an Wert eingebüßt.

Vor dem Hintergrund der Pandemie und den historischen Geldschwemmen der Notenbanken bleibt der Bitcoin der Krisengewinner schlechthin. Die Anleger sehen in der Kryptowährung ein vertrautes Hedge- und Diversifikationsinstrument, um sich gegen Stabilitätsrisiken abzusichern.

Dass Unternehmen wie der Zahlungsdienstleister Paypal Kryptowährungen in ihr Portfolio aufnehmen und in der Branche Fuß fassen, gilt bis heute als Ritterschlag. Nicht zuletzt hat das Liebäugeln der Währungshüter mit eigenen E-Währungen respektive der zugrunde liegenden Technologie die Aufmerksamkeit womöglich ungewollt auf Bitcoin und Co. gelenkt.

Brian Estes, Chef-Anleger des Hedgefonds Off the Chain Capital sieht die älteste und wichtigste Cyber-Devise Ende 2021 bei 288.000 Dollar. Das ist in etwa das Zehnfache des aktuellen Rekordhochs von 28.599 Dollar. „Ich habe schon gesehen, wie sich Bitcoin binnen eines Jahres verzehn-, verzwanzig- und verdreißigfacht hat.“ Die nun erreichte mehr als Verfünffachung des Kurses im Vergleich zum Tief vom März sei daher keine große Sache.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Für die technische Analyse ist derzeit die Spanne zwischen 14.700 Punkten auf der Ober- und 13.500 Punkten (konkret 13.460 Punkte) auf der Unterseite wichtig. Durchaus möglich, dass der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen die untere Unterstützung bei 13.500/13.460 Punkten testet.

Immer noch offen sind zwei Aufwärtskurslücken der vergangenen Tage. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie sind quasi eine Neubewertung des Markts, weil es zwischen der Lücke keinen Handel gab.
Solange die nicht geschlossen werden, dürften Kurse oberhalb von 14.000 Punkten schnell erreicht werden.

Diese beiden Lücken in Zahlen: Am Dienstag vergangener Woche lag der höchste Dax-Kurs bei 13.441 Zählern, die niedrigste Notierung einen Tag später bei 13.456 Punkten. Diese Lücke deckt sich mit dem monatelang gültigen Corona-Hoch von 13.460 Zählern, welches der Leitindex Anfang September erreichte. Das unterstreicht die Bedeutung dieser Unterstützungsmarke.

Die zweite Lücke wurde Anfang dieser Woche aufgerissen. Am Montagabend lag der Dax-Tiefpunkt des Tages mit 13.740 Zählern deutlich über dem höchsten Kurs vom vergangenen Mittwoch, der 13.601 Punkte betrug. Allerdings sind von dieser Lücke nur noch sieben Punkte übriggeblieben. Bei rund 13.740 Zählern liegen auch die Tiefpunkte der beiden vergangenen Handelstage.

Die 200-Tage-Linie, die vor allem im Fokus von vielen langfristig agierenden Investoren steht, dreht weiter mit großer Dynamik nach oben. Derzeit notiert diese Durchschnittslinie bei 12.250 Punkten – gegenüber dem Vortag ein Plus von rund 26 Zählern.

Der Grund für diese Dynamik: Aus der Berechnung dieser Kurve werden derzeit und in den kommenden Tagen die stark rückläufigen Notierungen von Februar bis März herausgenommen. Ein solcher Anstieg der 200er-Linie dürfte auch von ausländischen Investoren als Zeichen für einen stabilen Aufwärtstrend interpretiert werden.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.