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Windhorst-Wahnsinn: Hertha ohne Kohle?

Kürzlich stand ich auf meinem Balkon und hörte etwas Seltsames. Es klang wie schwäbisches Lachen, kam aus Richtung Westen, und ich wusste gleich: Des isch der Jürgen Klinsmann aus Calli-vorn-ien.

Der Mann, der vor drei Jahren 76 Tage Hertha BSC trainierte und über Nacht wieder im Nichts verschwand, hat den Klub im Februar 2020 ver- und seine Tagebücher hinterlassen, und seither denken immer mehr Menschen, die ihn damals noch beschimpften: Hm, eigentlich hatte er ja gar nicht mal so unrecht, der Klinsi. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Heute steht der Deutsche Meister von 1930 und 1931 nämlich schlechter da als vor drei Jahren: Hertha ist deutscher Fremdschäm-Meister. Ich als Hamburger sage das voller Respekt und Anerkennung.

Was ist passiert?

Wald-und-Wiesen Millionär Windhorst

Sorry, das passt nicht alles in eine Kolumne. Aber ein paar Höhepunkte passen vielleicht schon rein: Lars Windhorst. Lars Windhorst. Lars Windhorst.

Der Mann, nennen wir ihn mal reich, soll zum Beispiel, wie jetzt berichtet wurde, eine israelische Wirtschaftsdetektei damit beauftragt haben, Ex-Hertha-Präsident Werner Gegenbauer mit einer Kampagne aus dem Amt zu kicken. (Er streitet das ab.)

Nun wollen ihn die Hertha-Fans aus dem Verein ausschließen, der ihm quasi gehört.

Das ist das Lustige am neuen Fußball: Du kannst einen Verein (oder in diesem Fall eine „KGaA“) auch besitzen, ohne selbst Mitglied zu sein. Doch auch damit soll nun Schluss sein. Windhorst will seine Anteile verkaufen - zum Einkaufspreis. In einer Stellungnahme vom Mittwochnachmittag attackierte er Hertha-Präsident Kay Bernstein, dieser sei „erkennbar an einer vertrauensvollen und seriösen Zusammenarbeit nicht interessiert.“ Die Berliner wiesen die Vorwürfe kurze Zeit später zurück.

Zur Erinnerung: Windhorst, der reich sein soll, hatte beim Hauptstadtklub die Neuauflage des Generaldirektors Heinrich Haffenloher aus der Kultserie Kir Royal inszeniert: „Ich mach euch nieder. Ich scheiß euch zu mit meinem Geld!“

Das Geld: 374 Millionen Euro. Das Problem: Windhorst schiss erst zu, dann machte er nieder. Also falschrum.

Und bei Hertha heulen sie jetzt, weil die Kohle weg ist: Selten war Misserfolg so teuer erkauft. Dabei haben sie sich alles selbst eingebrockt mit ihrem Wald-und-Wiesen-Millionär.

Sorry, das nehme ich gleich wieder zurück, ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Aber ich habe Windhorsts Wikipedia-Eintrag gestalkt: Der Begriff „Insolvenz“ kommt darin neun Mal vor. Hüstel.

Beim HSV machen sie es zwar auch nicht viel besser, aber sie haben wenigstens einen richtigen Milliardär.

Schwarz auf den Spuren von Korkut

Die Imagekrise von Hertha BSC sorgt derweil vor dem Spiel gegen den Ligazweiten SC Freiburg für totale Verwirrung in der Stadt. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Zumindest habe ich gestern lauter Loblieder gelesen, wirklich. Alle finden den neuen, sympathischen Turnjacken-Präsidenten Kay Bernstein toll und voll authentisch. Und die Mannschaft spiele gar nicht mal so schlecht.

Sorry?

Da musste ich mal schnell nachgucken: Hertha BSC ist unter Trainer Sandro Schwarz und Sportchef Fredi Bobic nur zwei Punkte vom Abstieg entfernt: Platz 14, ein Rang schlechter noch als vorige Katastrophen-Saison an diesem Spieltag.

Der hochgepriesene Schwarz hat nämlich von neun Pflichtspielen genau eins gewonnen, das ist reinstes Korkut-Level. Dagegen war Klinsmann (drei Siege in zehn Spielen) eine Art Berliner Klopp-Karnation.

Aber irgendwie scheinen sie trotzdem gerade alle glücklich zu sein in Berlin. Vielleicht verwechseln sie ja Hertha mit Tabellenführer Union? Oder sie finden‘s toll, dass auf dem Rasen keine Detekteien zum Einsatz kommen.

Alex Steudel ist freier Journalist. Er war Bayern- und Nationalmannschaftsreporter und Chefredakteur von Sport-Bild. Heute widmet er sich in seiner Kolumne für SPORT1 auf nicht immer ganz ernstgemeinte Weise aktuellen Fußball-Themen. Steudel-Kolumnen gibt es regelmäßig auch im täglichen Fußball-Newsletter Fever Pit‘ch von SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk. Den kostenlosen Newsletter erhalten Sie hier: https://newsletter.fever-pit.ch/

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