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Frauen-Offensive bei der Schwarz-Gruppe: Die jungen Top-Managerinnen bei Kaufland, Lidl und Co.

·Lesedauer: 5 Min.
Melanie Köhler (links), Julia Kern
Melanie Köhler (links), Julia Kern

Sie war eine der zentralen Figuren für die Zukunft von Kaufland und Lidl: Melanie Köhler war mit gerade einmal 30 Jahren sowohl Vorstandsvorsitzende der Schwarz Dienstleistungen als auch Mitglied der Gesellschafterversammlung der Schwarz Unternehmenstreuhand. Nun verlässt die Topmanagerin die Handelsgruppe Schwarz, zu der auch die Lebensmitteleinzelhandelsketten Lidl und Kaufland gehören, wie Business Insider bereits am Wochenende berichtete. Zuerst hatte die "Lebensmittelzeitung" darüber geschrieben.

Köhler gehe auf eigenen Wunsch — sie wolle ihre berufliche und persönliche Entwicklung außerhalb der Schwarz-Gruppe weiterverfolgen, heißt es. Sie galt als Schützling von Firmenlegende Klaus Gehrig, der mit 75 Jahren noch immer die Schwarz-Gruppe steuert. In der Mitteilung über ihren Abschied soll sie den derzeitigen Leiter der Schwarz-Gruppe Klaus Gehrig als „ihren Mentor“ bezeichnet und ihm ausdrücklich für „die Förderung, die stets vertrauensvolle Zusammenarbeit und die fortlaufende Unterstützung“ gedankt haben. Dieser hatte Köhler kurz nach ihrem Studium 2016 in die Zentrale geholt und gefördert.

Doch Köhler ist nicht die einzige Topmanagerin, die es bereits in jungen Jahren an die Spitze der Handelsgruppe geschafft hat. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, galt sie als Aushängeschild eines Netzwerks von jungen Frauen, die mittlerweile wichtige Führungspositionen bei der Schwarz-Gruppe eingenommen haben. Wir stellen sie euch vor.

Julia Kern, 30, stellvertretende Lidl-Chefin

Die 30-jährige Julia Kern ist die wichtigste Frau an der Lidl-Spitze: 2020 wurde sie zur stellvertretenden Lidl-Geschäftsführerin befördert. Zuvor war Kern rund zwei Jahre lang Kaufland Landeschefin für Australien, wo die Managerin die Handelskette vor Ort aufbauen sollte. Ein Meilenstein in der Karriere der damals 28-Jährigen. 2020 wurde das Projekt dann jedoch unerwartet abgebrochen. Kaufland wolle sich künftig weiterhin auf den europäischen Markt konzentrieren, hieß es.

Kern blickt – vielleicht mit Ausnahme der Australien-Pleite – auf eine steile Karriere innerhalb der Schwarz-Gruppe zurück. Bereits seit Januar 2013 arbeitet sie sich innerhalb des größten Handelskonzerns Europas immer weiter nach oben.

Angefangen mit einer Position als Lidl-Verkaufsleiterin in Baden-Württemberg wurde sie bereits gut zwei Jahre später – im August 2015 – zur Vertriebsleitung von Lidl Italien befördert. Diese Position hielt sie zwar nur sechs Monate, blieb der Schwarz-Gruppe jedoch weiterhin treu und arbeitete in den folgenden knapp zwei Jahren direkt für den Konzern. Dann wechselte sie im November 2016 zur Lidl-Schwester Kaufland, bei der sie gut eineinhalb Jahre als Geschäftsführerin der Region Nord tätig war.

Daraufhin folgte ihr Abstecher nach Australien. Ab Mai 2018 versuchte sie dort auf Geheiß des Konzern-Eigentümers Dieter Schwarz – dem reichsten Menschen Deutschlands – die notwendigen Netzwerke und die Infrastruktur aufzubauen, um die Marke Kaufland zu etablieren. Für die Expansion wurden ihr 300 Millionen Euro zugesagt.

Die junge Topmanagerin scheint nun eigene Impulse in den Discount-Riesen einbringen zu wollen: Kurz nach ihrem Aufrücken in die Lidl-Geschäftsleitung holte sie zwei Manager, ebenfalls in den 30ern, in die Führungsetage. Mit ihr rückten Olivia Rabys (32) und Jens Stratmann (36) als "Leiter Regionen" nach oben, die nun direkt an Kern berichten. Damit etabliert Kern bei Lidl eine neue Ebene in der Chefetage – zwischen der operativen Leitung und den Geschäftsleitern Regionen, denen die 39 Regionalgesellschaften unterstehen. Dadurch solle "das Umsetzungstempo erhöht und der Vertrieb gestärkt werden“, schrieb etwa die "Lebensmittelzeitung". Dieser Schritt zeigt, wie Kern die Discounter-Legende verändern will.

Stephanie Griesbaum, 36, Vizechefin von Kaufland

2019 wurde Stephanie Griesbaum zur stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bei Kaufland. Damit übernahm die damals 34-Jährige die Betreuung für den Vertrieb, Logistik, Zentralbereiche, Fleischwaren und die Unternehmensentwicklung bei der Lebensmitteleinzelhandelskette. Zuvor war sie fast zwei Jahre lang Bereichsvorstand für die Unternehmensentwicklung und Revision bei Kaufland.

Anders als etwa Melanie Köhler wurde Griesbaum nicht in der Unternehmensgruppe groß, sie kam erst 2017 zu Schwarz, wo sie zunächst anderthalb Jahre als Geschäftsführerin der Schwarz Dienstleistungen tätig war. Dieser Konzernteil ist eine Art unternehmenseigener Dienstleister, der für die Sparten Kaufland, Lidl und GreenCycle, aber auch die Produktionsgesellschaften zuständig ist.

Die Managerin kommt eigentlich nicht aus dem Lebensmitteleinzelhandel, sondern machte ihre ersten kaufmännischen Schritte bei Energiekonzernen. Vor ihrem Einstieg bei Schwarz war Griesbaum über sechs Jahre bei dem Energiekonzern EnBW tätig, unter anderem als Leiterin für den Vertrieb und als Referentin des Vorstandsvorsitzenden – eine Position, die allgemein als Schmiede für künftige Führungskräfte gilt. Davor arbeitete sie auch bei Yellostrom in Köln und bei EDF Energy in London. Von 2011 bis 2013 studierte sie Digitale Geschäftsmodelle in Friedrichshafen.

Über die Diplom-Betriebswirtin ist in den Medien wenig bekannt, es gibt auch keine verfügbaren Fotos. Dafür ist sie auf ihrem Profil in dem Berufsnetzwerk Linkedin sehr aktiv, teilt die Inhalte des Kaufland-Unternehmens-Accounts und lobt ihre Teams.

Leonie Knorpp, 31, Bereichsvorständin für Schwarz-Verwaltungsdienstleistungen

2021 rückte noch eine junge Frau in die Führungsetage der Schwarz-Gruppe auf. Erst im März stieg die 31-jährige Leonie Knorpp zur Bereichsvorständin der Schwarz Dienstleistungen auf. Somit ist sie zuständig für Themen wie Versicherungen, Recht und Compliance, Unternehmensorganisation und allgemeine Verwaltung. Zuvor war sie Geschäftsleiterin der Verwaltungsdienstleistungen in der Unternehmensgruppe.

Während Melanie Köhler als Vertraute von Klaus Gehrig galt, stammt Leonie Knorpp aus dem genau anderen Lager von Gerd Chrzanowski. Sie war zuvor Assistentin und Beraterin des Lidl-Vorstandschefs, der als designierter Nachfolger von Klaus Gehrig gilt. Auch wenn die beiden Managerinnen andere Mentoren hatten, sollen die beiden eng zusammengearbeitet haben, wie das "Handelsblatt" berichtet.

Seit 2013 ist Knorpp bei der Schwarz-Gruppe, davor arbeitete die studierte Betriebswirtin als Controllerin für ProSiebenSat.1. Auch sie kommt ursprünglich nicht aus dem Lebensmitteleinzelhandel, ihr duales Studium absolvierte sie in der Hotel-Branche. Auch über Knorpp ist sonst wenig in der Öffentlichkeit bekannt, Fotos gibt es ebenfalls nicht und auch in den sozialen Netzwerken hält die Managerin sich sehr zurück.