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Frauen in Belarus demonstrieren gegen Staatschef Lukaschenko

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MINSK (dpa-AFX) - Ungeachtet eines Großaufgebots der Polizei haben Frauen in Belarus (Weißrussland) wieder gegen Staatschef Alexander Lukaschenko demonstriert. Sie zogen am Samstag in kleineren Gruppen durch die Hauptstadt Minsk, wie auf Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zu sehen war. Viele hielten dabei Blumen in den Händen. Einige waren in den Farben der historischen weiß-rot-weißen Landesfahne gekleidet. Zunächst gab es keine Berichte von Festnahmen in größerem Ausmaß.

Mit der neuen Strategie wollte die Opposition verhindern, dass die Sicherheitskräfte erneut massiv gegen Demonstrantinnen vorgehen. Allein am vergangenen Samstag gab es rund 150 Festnahmen. Die Frauen waren aufgerufen, sich in die Fußgängermenge zu mischen. Deshalb war eine Einschätzung zur Teilnehmerzahl zunächst schwierig.

Bis zum Nachmittag gab es nur vereinzelt Berichte über Festnahmen. Bei der als "Blumenmarsch" deklarierten Samstagsdemonstration kamen etwa in der Stadt Soligorsk südlich von Minsk Menschen in Polizeigewahrsam, wie das Nachrichtenportal tut.by berichtete.

Es ist das achte Wochenende in Folge mit großen Protesten gegen Lukaschenko, der auch als "letzten Diktator Europas" verschrien ist. Traditionell gehen die meisten Menschen in Belarus an den Sonntagen auf die Straße. Am vergangenen Sonntag waren es mehr als 100 000. Sie fordern neben Lukaschenkos Rücktritt die Freilassung aller politischen Gefangenen sowie faire und freie Neuwahlen.

Der 66-Jährige hatte sich bei der umstrittenen Wahl Anfang August mit 80,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigen lassen. Er hat mittlerweile seine sechste Amtszeit angetreten. Die Opposition sieht Swetlana Tichanowskaja als wahre Siegerin. Sie war ins EU-Nachbarland Litauen geflohen und steuert von dort aus die Proteste. Sie will am Dienstag in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen.

Seit der Wahl erlebt Belarus die größten Proteste in der Geschichte des Landes. Mehrere Menschen starben, es gab Hunderte Verletzte und mehr als 10 000 Festnahmen. Die Behörden gingen auch gegen Journalisten vor. Zuletzt hatten sie allen ausländischen Medienvertretern die Arbeitserlaubnis entzogen, was auch die Berichterstattung von den Protesten erschweren sollte.

Kritik daran kam vom Auswärtigen Amt in Berlin. Dies sei nach wochenlangen Menschenrechtsverletzungen und Schikanen gegen Journalisten ein weiterer eklatanter Einschnitt in die Presse- und Meinungsfreiheit, hieß es in einer Mitteilung vom Samstag.