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Meine Frau ist Lehrerin, ich bin CEO – diese zwei Dinge habe ich von ihr über Führung gelernt

Jason Modemann hat die Marketing-Agentur Mawave co-gegründet. Die hat mittlerweile über 100 Mitarbeiter. - Copyright: Mawave, Getty Images/gpointstudio, skynesher; Collage: Dominik Schmitt
Jason Modemann hat die Marketing-Agentur Mawave co-gegründet. Die hat mittlerweile über 100 Mitarbeiter. - Copyright: Mawave, Getty Images/gpointstudio, skynesher; Collage: Dominik Schmitt

Jason Modemann ist Gründer und CEO von Mawave, einer Agentur für Social Media Marketing. Die Financial Times zählte sie zu den 100 schnellstwachsenden Unternehmen Europas. In diesem Gastbeitrag berichtet Modemann aus seinem Alltag als Unternehmer und Führungskraft mit Mitte 20 und verrät Tipps, die ihr unabhängig von Branche und Karriereweg nutzen könnt.

Dienstagabend, 22 Uhr: Während die meisten ihren Feierabend genießen, verwandelt sich mein Wohnzimmer in eine improvisierte Bastel-Werkstatt: Bunte Papierstapel, zig verschiedene Klebestifte, Scheren und Laminierfolie warten auf ihren Einsatz. Mittendrin sitze ich, Gründer und CEO einer Agentur für Social Media Marketing – und jetzt auch Teilzeit-Praktikant beim bayerischen Staat. Zumindest fühle ich mich so, seit ich meine Frau geheiratet habe: eine engagierte Lehrerin, die sich oft bis mitten in die Nacht auf ihren Unterricht vorbereitet.

In diesen Momenten wird mir bewusst, wie unterschiedlich unsere Arbeitswelten sind: Während ich – typisch Startup-Vibes – meinen Kaffee aus der Siebträgermaschine im Büro schlürfe oder einfach gleich im Home Office bleibe, kämpft meine Frau fünf Tage die Woche mit dem Automaten im Lehrerzimmer. Da kostet jede Tasse einen Euro. Remote Work? Für sie ein Fremdwort. Genau wie Workation, ergonomische Büromöbel, Teamevents oder bezahlte Überstunden.

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Ich will hier aber gar nicht das Beamtentum bashen. Im Gegenteil: Ich habe durch den Austausch mit meiner Frau viel über das eigene Business und das Führen von Mitarbeitern gelernt. Genau deshalb möchte ich zum Perspektivwechsel motivieren. Denn auch aus komplett anderen Berufsfeldern lassen sich Lektionen für den Arbeitsalltag oder das eigene Unternehmen ziehen. Es lohnt sich immer aus seiner Bubble auszubrechen, um die eigene Arbeitsweise zu perfektionieren.

Lehrer-Tricks im Projektmanagement

Was ich bei meiner Frau beobachtet habe: Sie muss nicht nur ihren Lehrplan abarbeiten, sondern alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen fördern. Dafür braucht es eine Atmosphäre, in der alle ihr Potenzial voll entfalten können – und das ist eine entscheidende Lektion, wenn man ein Unternehmen oder allgemein Mitarbeiter führt.

Je stärker unser Team gewachsen ist, desto wichtiger wurde es, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und in dem sie die Möglichkeit bekommen, zu wachsen. Das kann schon im Kleinen anfangen. Von meiner Frau habe ich mir Lehrmethoden abgeschaut, um beispielsweise Projektreviews so zu gestalten, dass sie mein Team unterstützen und motivieren.

Ich lasse mein Team zunächst ihre Sicht der Dinge schildern. Sie können Probleme eigenständig definieren und mögliche Lösungsansätze vorschlagen, bevor ich selbst eingreife. Anstatt ihnen einfach "von oben herab" Lösungen zu präsentieren, fördert dieser Ansatz das lösungsorientierte Denken und die Eigenmotivation und stärkt auch die Eigenverantwortung der Teammitglieder.

Das richtige Feedback für den richtigen Mitarbeiter

Was ich noch beobachten konnte: Meine Mitarbeiter sind genauso individuell und vielfältig wie die Schüler meiner Frau. Während einige einen Fehler als Ansporn nehmen, es beim nächsten Mal besser zu machen, fühlen sich andere durch die gleiche Situation entmutigt. Die Art und Weise, wie Kritik geäußert wird, kann also – egal ob in der Schule oder im Unternehmen – entscheidend dafür sein, ob sie als Chance oder als Demotivation wahrgenommen wird.

Deshalb haben wir bei Mawave etabliert, Feedback stets konkret und konstruktiv zu halten. Statt Anschuldigungen und Generalisierungen zu verwenden, wie "Dieses Projekt ist völlig verfehlt", formulieren wir konkrete Bedenken in der Ich-Perspektive („Mir ist aufgefallen, dass…“). Außerdem bieten wir lösungsorientierte Vorschläge. Techniken wie aktives Zuhören, offene Kommunikation und konstruktives Feedback sind also nicht nur im Schulalltag enorm wichtig. Sie schaffen auch im Unternehmensalltag eine Kultur des gegenseitigen Respekts und fördern – ähnlich dem selbstgebastelten Lehrmaterial meiner Frau – die Entwicklung der Einzelnen.

Die Bastel-Sessions sind also mehr als nur eine Unterstützung für meine Frau; sie sind auch eine Schule für mich: Sie zeigen mir, wie wichtig es ist, über meinen Job-Tellerrand zu blicken und mich von den Herausforderungen und Lösungsansätzen anderer Bereiche inspirieren zu lassen.