Deutsche Märkte schließen in 1 Stunde 31 Minute

Frankreich erwägt Abschaltung von Atomreaktoren

·Lesedauer: 1 Min.
Das umstrittene Akw in Fessenheim

Wegen der Coronavirus-Pandemie erwägt Frankreich die Abschaltung mehrerer Atomreaktoren. Der mehrheitlich staatliche Betreiber Electricité de France (EDF) begründete dies am Donnerstag mit einem Einbruch des Stromverbrauchs um bis zu 20 Prozent. Der Konzern verwies darauf, dass zahlreiche Wirtschaftsbereiche zum Erliegen gekommen seien.

Um die Versorgung mit Strom im kommenden Winter sicherzustellen, könnte "die Produktion von mehreren Atomreaktoren in diesem Winter und Herbst ausgesetzt werden", hieß es in einer Erklärung von EDF. Ziel sei es, Brennstoffe einzusparen. Welche Reaktoren im Gespräch sind, teilte der Versorger nicht mit.

Der Konzern rechnet im laufenden Jahr nur noch mit einer Produktion von rund 300 Terawattstunden (TWh) Atomstrom statt 375 bis 390, wie bisher angenommen. Im den kommenden beiden Jahren könnten es demnach jeweils zwischen 330 und 360 TWh sein.

Frankreich hat noch 57 Atomreaktoren in Betrieb. Dem Netzbetreiber RTE zufolge standen sie im vergangenen Jahr für rund 71 Prozent der Stromproduktion. Das ist mit Abstand der größte Anteil weltweit.

Mehrere Reaktoren haben die ursprünglich geplante Altersgrenze von 40 Jahren überschritten und gelten als störanfällig. In Fessenheim nahe Freiburg im Breisgau war im Februar der erste von zwei Atomreaktoren heruntergefahren worden. Ende Juni soll das Kraftwerk endgültig abgeschaltet werden. Frankreich reagiert damit auf jahrelangen Druck aus Deutschland und der Schweiz.