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Frankreich und Deutschland geben Startschuss für erste Batterie-Pilotfabrik

Präsident Emmanuel Macron stellt Milliardeninvestitionen in Aussicht. Diese sollen beim Elektroauto Europas industrielle Souveränität sichern.

Die deutsch-französische Initiative für eine europäische Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos nimmt Fahrt auf. Am Donnerstag eröffnete Staatspräsident Emmanuel Macron gemeinsam mit Bildungsministerin Anja Karliczek eine Pilotfabrik in Nersac im Südwesten Frankreichs.

„Wir müssen unsere eigenen Batterien herstellen können, dabei geht es um industrielle Souveränität und um die Verringerung des CO2-Ausstoßes.“ sagte Macron. 2500 Arbeitsplätze würden jeweils in Frankreich und in Deutschland entstehen, versprach der Präsident. „Mehrere Milliarden Euro werden investiert“, erläuterte er das ehrgeizige Vorhaben.

Der französische Staat schieße 850 Millionen Euro zu, Deutschland investiere ebenfalls massiv. Polen, Belgien, Finnland, Schweden und Italien haben sich dem Projekt angeschlossen, das eines der größten in der europäischen Industriepolitik ist: Insgesamt 3,2 Milliarden Euro an Beihilfen sollen in einem Zeitraum von zehn Jahren fließen.

Fast zwei Drittel davon werden aus Frankreich und Deutschland kommen. Aus privaten Mitteln erwartet die französische Regierung weitere fünf Milliarden Euro. Vorgesehen ist, dass in Frankreich und in Deutschland jeweils eine große Fabrik entstehen werden.

Zwei Konsortien stehen dahinter. In Frankreich sind der Autohersteller PSA (Peugeot, Citroën, Opel) und der Batteriespezialist Saft, eine Tochter des Energiemultis Total, die wichtigsten Träger. In Deutschland sind es BMW, Varta und BASF.

Saft besteht seit über hundert Jahren und hatte sich auf Lithium-Ionen-Batterien für Flugzeuge, öffentliche Verkehrsmittel und Windkraftanlagen sowie leistungsfähige Akkus für die Raumfahrt konzentriert. Batterien für E-Autos sind in jüngster Vergangenheit dazu gekommen.

Anfang 2019 ging Saft ein Joint Venture mit der chinesischen Tianneng Energy Technology ein, das sich auf die Elektromobilität konzentriert und Batterien für den chinesischen sowie für den Weltmarkt herstellen wird. In Nersac hat Saft bereits eine kleine Fabrik, die nun die Muster und Verfahren für die neuen Batteriezellen entwickeln soll. In industriellem Maßstab sollen sie dann im nordfranzösischen Douvrin gefertigt werden.

Der Start der Produktion dort ist für Ende 2021 anvisiert. Das von Deutschland geführte zweite Konsortium prüft die EU-Kommission noch. Hier ist als Standort für die Produktion im industriellen Maßstab ab 2024 Kaiserslautern vorgesehen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und sein französischer Kollege Bruno Le Maire hatten im Dezember 2018 die Absicht geäußert, in deutsch-französischer Zusammenarbeit eine Batteriezellfertigung zu beginnen, die Europa unabhängiger machen soll von den dominierenden asiatischen Herstellern.

Im Februar 2019 gründeten sie ein IPCEI (Important Project of Common European Interest). Das erlaubt die Zusammenarbeit von Industrieunternehmen und die Vergabe von Staatshilfen, die normalerweise in der EU verboten sind.

Die beiden Konsortien sollen die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, von der Gewinnung der Rohstoffe bis zum Recycling, auf das sich Polen spezialisieren will. Vieles davon ist heute noch offen. „Das ist der Anfang eines Abenteuers. Hier entsteht die erste Pilotfabrik, dann wird sehr viel weiter gehen.“ sagte Macron am Dienstag.