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„Frank zeigte auch Ärzten, dass man Wunder vollbringen kann“

·Lesedauer: 4 Min.
„Frank zeigte auch Ärzten, dass man Wunder vollbringen kann“
„Frank zeigte auch Ärzten, dass man Wunder vollbringen kann“

Es muss schon ein besonderer Motorsportler gewesen sein, wenn in Deutschland selbst öffentlich-rechtliche Rundfunkstationen in ihren Haupt-Nachrichten seinen Tod vermelden.

So geschehen bei Sir Frank Williams, der am Sonntagmorgen in seiner Heimat England „im Alter von 79 Jahren friedlich eingeschlafen“ ist. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Der britische Motorsportpionier, der von der Queen wegen seiner Verdienste fürs Königreich zum Ritter geschlagen wurde, lieferte mehr noch wegen seiner Schicksalsschläge als durch die zahlreichen Erfolge den Stoff, der Menschen zu Helden und Ikonen macht.

Sein Freund und Wegbegleiter Bernie Ecclestone (91) bringt es auf den Punkt. Der ehemalige F1-Boss zu SPORT1: „Frank war der zäheste Kämpfer, den ich kannte. Er liebte den Motorsport über alles, ihm ordnete er alles unter. Dabei ging er mehr als einmal Pleite und musste etliche Schicksalsschläge ertragen.“

Ecclestone wird emotional, wenn er von seinem britischen Landsmann berichtet.

„Frank musste Freunde und Ikonen begraben, die für ihn fuhren. 1970 Piers Courage, 1973 Roger Williamson, 1994 Ayrton Senna. Nach seinem Verkehrsunfall 1986 war er lange dem Tod näher als dem Leben und regierte danach vom Rollstuhl aus. Aber er kämpfte bis zuletzt weiter und ließ sich nie von seinem Weg abringen. Und er zeigte auch den Ärzten, dass man mit eisernem Willen Wunder vollbringen kann. Frank hatte viel zu viel zu tun, um dem Tod eine Audienz zu geben.“

Ecclestone spielt damit auf die Prognosen an, die der Familie nach dessen schweren Querschnittslähmung anstellten. Maximal fünf Jahre gaben sie dem ehemaligen Marathonläufer.

Williams, seit zwei Jahren an Demenz erkrankt, überlebte die Voraussagen der Mediziner schließlich um 30 Jahre.

Das Führen seines Rennstalls gab ihm das Lebenselixier, das er brauchte, um weiterzumachen. Kaum halbwegs erholt, regierte er sein Team vom Rollstuhl aus.

Er flog weiter um die ganze Welt, immer begleitet von speziellen Physiotherapeuten, die sich rund um die Uhr um ihn kümmerten. Seine Leidenschaft, sein Glaube an den Erfolg, übertrug sich auch auf seine Mitarbeiter. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Heiligabend verbrachte Sir Frank immer in der Fabrik. Die Hälfte seiner Belegschaft tat es ihm gleich. Erst Anfang 2013 übergab Williams das Zepter an der Rennstrecke seiner Tochter Claire. Er blieb aber offiziell Teamchef.

Affinität zu Deutschland

Bis zu seinem Tod, der am Ende nach langem Warten doch noch eine Audienz bekam, errang sein Team 114 Siege, gewann sieben Fahrerweltmeisterschaften und neun Konstrukteurstitel. Nur Ferrari, McLaren und Mercedes waren erfolgreicher.

Dabei war Williams immer ein Fan deutscher Werte und Technologie. Eines seiner großen Vorbilder war Preußenkönig Friedrich der Große.

Zu den SPORT1-Reportern sagte er einmal: „Es gibt da diese Affinität zu Deutschland. Ich erinnere mich noch gut. Ganz früher sind wir mit VW-Bussen zu den Rennen gefahren, haben teilweise sogar darin geschlafen. Es war eine wunderbare Zeit.“

Deshalb ist es keine Überraschung, dass er gerne mit deutschen Automobilherstellern zusammenarbeitete. 2000 bis 2005 war er Partner von BMW in der Königsklasse, seit 2014 treibt der Mercedes-Hybrid seine Autos in der Formel 1 an.

Und auch an die Stärke von deutschen Fahrern glaubte er. Mit Ralf Schumacher, Heinz-Harald Frentzen, Nico Rosberg, Nick Heidfeld und Nico Hülkenberg vertraute er gleich fünf deutschen Fahrern seine Autos an.

Ralf Schumacher (46) fuhr am längsten von allen Deutschen für ihn, von 1999 bis 2004. Der Kerpener gewann sechs Rennen, holte 21 Podiumsplatzierungen und fünf Pole Positions für Williams.

Schumacher zu SPORT1: „Seine Erfolge sprechen für sich. Der Motorsport hat einen seiner Größten verloren. Meine Gedanken sind bei seiner Familie.“

Heinz-Harald Frentzen (54) hat auch spezielle Erinnerungen an die Ikone. „Er war hart, aber gerecht. Und durch und durch dem Motorsport verfallen, den er über alles geliebt hat.“

Der Mönchengladbacher, der 1997 in Imola seinen ersten von drei GP mit Williams gewann und im gleichen Jahr Vizeweltmeister wurde, hatte schon 1994 ein Angebot des englischen Rollstuhlgenerals erhalten. Er sollte das Auto des tödlich verunglückten Ayrton Senna übernehmen.

Frentzen wollte Sauber nicht im Stich lassen

Frentzen wollte damals aber Peter Sauber, bei dem er unter Vertrag stand, nicht im Stich lassen. Das respektierte Williams nicht nur, er bewunderte den Deutschen sogar für seine Aufrichtigkeit und Konsequenz.

Frentzen: „Als er Ende 1996 wieder anrief, teilte er mir genau das mit.“

Ex-Formel-1-Star Gerhard Berger (62) hatte als BMW-Motorsportdirektor geschäftlich mit Williams zu tun.

Der heutige DTM-Boss zu SPORT1: „Ich habe mich aber auch privat sehr gut mit ihm verstanden. Und ich muss sagen: In meinen 40 Jahren Motorsport habe ich mit vielen Ikonen zu tun gehabt, mit Enzo Ferrari oder Ron Dennis etwa. Aber in der Kombination mit seinem Handicap beeindruckte mich Frank am meisten. Es gibt ja viele Geschäftsleute, die nur zu anderen hart sind. Aber Frank fing mit der Härte erst mal bei sich selbst an.“

Auch Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko (78) ist einen Tag nach dem Tod noch sichtlich mitgenommen.

Der ehemalige Le-Mans-Sieger und Formel-1-Pilot zu SPORT1: „Wenn der Begriff Racer auf einen Menschen zutrifft, dann auf Sir Frank.“

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