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Frank Thelens Aktienfonds „10xDNA“ irritiert mit Zockverhalten

Mister „10xDNA“: Der Investor und ehemalige „Höhle der Löwen“-Juror Frank Thelen. - Copyright: Eyecatchme Photography / Frank.io
Mister „10xDNA“: Der Investor und ehemalige „Höhle der Löwen“-Juror Frank Thelen. - Copyright: Eyecatchme Photography / Frank.io

Hält sich Frank Thelen mit seinem Aktienfonds „10xDNA“ nicht an die Strategie, die er gegenüber Anlegern proklamiert? Diese Frage wirft ein Linkedin-Post auf, den Thelens Team vor wenigen Tagen selbst veröffentlicht hat. Darin informiert der Fonds anhand mehrerer Texttafeln über die jüngsten Quartalszahlen einiger Tech-Unternehmen aus dem Portfolio. Den US-Datendienstleister Palantir zum Beispiel oder das Telemedizin-Startup Hims & Hers. Soweit so ungewöhnlich.

Abverkauf nach Kursplus von fast 300 Prozent

Brisant erscheint dagegen eine Information zum US-Unternehmen Invitae. Die Aktie des Gentechnik-Spezialisten hat seit Jahresbeginn rund 70 Prozent an Wert verloren – wie viele andere börsennotierte Tech-Firmen auch. Am Mittwoch vergangener Woche habe die Invitae-Aktie jedoch um 276 Prozent zugelegt, heißt es in der entsprechenden Texttafel.

Als Ursache vermutet Thelens Fondsgesellschaft einen Short Squeeze. Gemeint ist ein sprunghafter Kursanstieg, weil Shortseller, die auf fallende Kurse für ein Unternehmen gewettet haben, ihre Wetten beenden müssen. Dazu schreibt der „10xDNA“-Fonds: „Wir haben die Situation genutzt und einen Großteil unserer Position zu Börsenschluss verkauft.“

Das ist bemerkenswert. Denn glaubt man den Versprechen, mit denen Frank Thelen öffentlich um Anlegergelder wirbt, dürfte so ein Trading-Verhalten eigentlich nicht vorgesehen sein. Zur Erinnerung: Thelen sucht mit seinem Analysten-Team nach Tech-Aktien, die eine „echte 10xDNA“ haben, also sich innerhalb weniger Jahre im Wert vervielfachen können. Daher auch der Name des Fonds.

„Wir verfolgen einen langfristigen Ansatz und sind deshalb nicht an den nächsten Quartalsergebnissen interessiert, sondern an der großen Vision des Unternehmens“, heißt es dazu auf der Website des Fonds. Und weiter: „Sowohl unser klarer Investmentansatz als auch die tiefgreifenden Unternehmensanalysen bestärken uns darin, auch in schwierigen Phasen geduldig unserer Überzeugung zu folgen.“ Der Fonds richte sich daher an „Anleger, die einen Investmenthorizont von mindestens fünf Jahren haben.“

„Sagt viel über Philosophie dieses Fonds aus“

Wie aber passt diese Philosophie mit überstürzten Verkäufen von Fondspositionen infolge von Kurskapriolen zusammen? Der Investor und Tech-Aktienexperte Philipp Klöckner sieht in dem jüngsten Handel mit Invitae-Aktien einen Widerspruch: „Wenn man nur Aktien mit 10x Potential kauft, warum verkauft man dann unter Einstiegskurs???“, fragt Klöckner irritiert auf Twitter. Auch der bekannte Account „keinSpekulant“ kritisiert das Vorgehen des Thelen-Fonds. Es sage viel über die Anlagephilosophie aus, wenn ein Unternehmen auf der Website „gelobpreist“ werde, die Aktie dann jedoch abstürze und „bei der erstbesten Short-Squeeze-Gelegenheit verkauft“ werde, so der Nutzer.

Hat Frank Thelen mit seinem Fonds also entgegen der proklamierten Strategie auf kurzfristige Kursbewegungen reagiert? Oder glaubt der Investor schlicht nicht mehr an das Gentechnik-Unternehmen Invitae, dessen Management laut Befund seiner „10xDNA“-Analysten „visionär, technisch herausragend und umsetzungsstark“ ist?

Richtig ist, dass die Aktie von Invitae zuletzt massiv an Wert verloren hat. Seit Jahresbeginn fiel sie von rund 13,60 Euro auf etwa 2,50 Euro, das war kurz vor Beginn des Short-Squeeze Anfang August. Ein Minus von letztlich mehr als 80 Prozent. Durch den plötzlichen Kurssprung um mehr als 200 Prozent stieg die Aktie kurzzeitig wieder auf 7,23 Euro. Ein Sprecher des „10xDNA“-Fonds bestätigte auf Nachfrage, dass man deshalb „zirka zwei Drittel“ der Invitae-Aktien im Fonds verkauft habe.

Frank Thelen spricht von „gutem Trade“

Ob Thelen damit wie von Philipp Klöckner behauptet sogar Verlust gemacht hat, lässt sich allerdings nicht so ohne Weiteres sagen. Thelen und sein Team wollten sich dazu auf Nachfrage von Gründerszene nicht äußern. Nur so viel: Man habe Invitae erstmals Anfang Dezember 2021 ins Portfolio aufgenommen – also einige Zeit vor dem Tech-Crash. Seitdem habe man die Position „über einen längeren Zeitraum hinweg mit kleineren Käufen aufgebaut“. So habe man den durchschnittlichen Preis, zu dem Aktien des Unternehmens gekauft wurden, stetig reduziert. Bis zu welcher Höhe, ließ man offen.

Zur Frage, warum die Invitae-Aktien bereits jetzt größtenteils wieder veräußert wurden, sagt Thelen: „Wir haben unsere grundsätzliche Meinung zu dem Unternehmen nicht geändert. Ob wir mit unserer langfristigen Einschätzung recht behalten, wissen wir erst in den nächsten Jahren.“ Der Verkauf sei aus „taktischen“ Gründen erfolgt. „Der Kurs ist extrem angestiegen, ohne eine fundamentale Entwicklung im Unternehmen. Mittlerweile hat die Aktie auch wieder 50 Prozent nachgegeben, es war also ein guter Trade“, schreibt Thelen.

Es sei zwar richtig, dass der Fonds eine langfristige Strategie verfolge. Allerdings: „In diesen irrationalen Börsenzeiten traden wir auch teilweise aktiv.“ Das heißt, einzelne Positionen werden zugunsten der Fondsperformance kurzfristig abgestoßen. Zudem, sagt Thelen, habe der Verkauf der Invitae-Aktien das Ziel gehabt, ihr plötzliches Übergewicht im Fonds durch den Kursanstieg wieder auszugleichen.

„Thelen steckt in einem Dilemma“

Deutlich weniger kritisch als Aktienexperte Philipp Klöckner sieht derweil Christian Röhl das Trading-Verhalten des Thelen-Fonds. Für den Anlegerschützer und Börsenfachmann stellt sich bei der Debatte aber eine Grundsatzfrage, nämlich: Wie geht ein langfristiger und auf hochspekulative Tech-Werte ausgelegter Aktienfonds wie „10xDNA“ mit kurz- bis mittelfristigen Marktbewegungen um? „Du hast ein Portfolio aus Unternehmen, von denen du langfristig überzeugt bist – und dann fallen die Kurse und du kriegst Druck. Von Investoren, von der Öffentlichkeit. Was machst du?“, so Röhl.

Aus seiner Sicht steckten Fondsanbieter wie Thelen in einem Dilemma. Es gebe zwei Optionen: Entweder man halte starr an seinen Aktienpositionen fest. Dafür brauche es jedoch viel Überzeugungskraft, auch in der Kommunikation nach außen, wie Röhl sagt. „Sonst ziehen Investoren über kurz oder lang das Geld ab und du hast vielleicht irgendwann Recht, aber eben keine Assets under Management mehr.“ Im Klartext: Das verwaltete Vermögen im Fonds schwindet, bevor sich die Wetten auszahlen.

Oder aber ein Fonds versuche seine Performance – trotz aller Bekenntnisse für einen langfristigen Anlagehorizont – mit kurzfristigen Verkäufen zu optimieren. So wie es Frank Thelen und sein Team jetzt offenbar gemacht haben. Die Kernkompetenz eines hochspekulativen Tech-Fonds wie „10xDNA“ sei das aber nicht, sagt Röhl: „Es kann viel schiefgehen dabei.“

Er verweist auf das Beispiel von Bit Capital, den Tech-Aktienfonds von Jan Beckers: Der Szenekopf hatte sich vergangenes Jahr gegen mögliche Kursverluste absichern wollen – und dafür auf Termingeschäfte gesetzt. Diese konnten die durch den Crash von Tech-Aktien verursachten Verluste jedoch nicht ausgleichen. Seit dem Herbst 2021 ist der Fondskurs von fast 600 auf zuletzt weniger als 250 Euro eingebrochen."

Röhls Fazit: Thelens Mantra, mit seinem „10xDNA“-Fonds gezielt nach jungen und wachstumsstarken Tech-Aktien zu suchen und auf eine langfristige Vervielfachung zu wetten, sei zwar in der Theorie umsetzbar. „In der Praxis aber ist sein Claim immens schwierig.“