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Fragile europäische Banken rüsten sich für Covid-Problemkredite

Marion Halftermeyer, Alexander Weber und Antonio Vanuzzo
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Zu Beginn des Jahres 2020 hatten die Banken in ganz Europa immer noch mit gewissen Auswirkungen der letzten Krise zu kämpfen. Schwache Kreditinstitute in Griechenland und Italien verkauften notleidende Kredite und politische Entscheidungsträger lenkten öffentliche Mittel zu labilen Geldinstituten.

Mit der Coronavirus-Pandemie könnte ein Tsunami notleidender Kredite die seit einem Jahrzehnt andauernden Bemühungen zunichte machen, den fragilen Finanzsektor zu stärken. Die Auswirkungen könnten auch die außerordentlichen Bemühungen von Regierungen und Zentralbanken untergraben, einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern.

Zwar sagen Analysten, dass das europäische Bankensystem einen erwarteten Schock von Problemekrediten von 300 Milliarden Dollar allein im nächsten Jahr verkraften kann. Jedoch sind es die unerwarteten Rückschläge, die alle nervös machen. Eine weitere Runde umfangreicher Lockdowns beispielsweise könnte laut der Europäischen Zentralbank das Volumen ausfallgefährdeter Kredite um mehr als 1 Billion Dollar erhöhen und das explosive Thema Bankenrettungen wieder ins Spiel bringen.

“Es wird Banken geben, die leiden werden, die nicht über genügend Kapital verfügen, die entweder nahe an der Kapitalgrenze oder sogar darunter sein werden”, sagt Thorsten Beck, Professor an der Londoner Business University. “Eine rein privatwirtschaftliche Lösung wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um mit einem starken Bankensektor aus der Krise zu kommen.”

Es gibt noch keine Klarheit über die Schäden in den Bankbilanzen, aber die Alarmglocken klingeln bei Kreditinstituten wie BNP Paribas SA und HSBC Holdings Plc.

“Die Vorbereitung und Identifizierung von Problemen ist derzeit das Wichtigste”, sagte Andrea Enria, der die Bankenaufsicht der EZB leitet, am 30. September: “In der Phase, in der wir uns gerade befinden, sollten wir uns auf die Auswirkungen vorbereiten.”

BNP Paribas hat vor seiner Exposition gegenüber Luftfahrt und Tourismus gewarnt. Die Commerzbank AG hat Anleihen verkauft, um ihr Kapitalpolster zu stärken, und erwartet weitere Ausfälle. Wenn die Notfallprogramme zu Ende gehen, werde man wirklich sehen, wie belastbar und nachhaltig die Erholung der Wirtschaft sei, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp.

„Das dringende Problem für die Banken bleiben die Altlasten an notleidenden Krediten vor Covid“, sagt Andrew Jenke, Managing Partner bei der Investmentbank Alantra Partners. Danach könnte es bis zu ein Jahrzehnt dauern, mit den Krediten aus der Pandemie fertig zu werden, schätzt er.

Vorübergehende Erleichterungen

Die Banken haben bereits zahlreiche Erleichterungen erhalten, darunter die Erlaubnis der EZB, Kapitalpuffer anzuzapfen, und einen größeren Spielraum bei der Bilanzierung staatlich gesicherter Kredite. Gleichzeitig haben die Aufsichtsbehörden die Ausschüttungen an Aktionäre bis Ende des Jahres praktisch verboten, um Kapital zu erhalten.

Während die Pandemie die Entscheidungsträger des Euroraums zwang, mit dem Tabu der gemeinsamen Kapitalaufnahme zu brechen, könnten Probleme des Bankensektors sie zwingen, erneut über politisch schwierige Maßnahmen nachzudenken. Die Idee einer europäischen Bad Bank zur Übernahme von notleidenden Vermögenswerten wurde im April ins Spiel gebracht, stieß jedoch sofort auf Skepsis.

Der stärkste Tabu-Bruch wäre eine direkte Rekapitalisierung der Banken. Nachdem die Regierungen vor einem Jahrzehnt Hunderte von Milliarden Euro in ihre angeschlagenen Kreditinstitute gesteckt hatten, versprachen sie, dass die Anleger für künftige Rettungsaktionen aufkommen müssten. Die von ihnen damals ausgearbeiteten Regeln haben jedoch die Tür für staatliche Geldspritzen offen gelassen, eine Option, die Italien und sogar Deutschland kürzlich gewählt haben.

Die EU-Kommission hat gelobt, eine neue Strategie zur Lösung des Problems der notleidenden Schulden, zur Stärkung der Sekundärmärkte und zur Reform der Insolvenzrahmen auszuarbeiten. Elke König, Leiterin der europäischen Abwicklungsbehörde für notleidende Banken, sagte, die EU habe die geeigneten Instrumente, um Bankenpleiten zu bewältigen und Finanzinstabilität zu vermeiden.

“Die Behörden müssen sich darauf vorbereiten, dass schlimme Dinge passieren”, sagte Paul Tucker, ein ehemaliger stellvertretender Gouverneur der Bank of England, der nach der Finanzkrise bei der Ausarbeitung eines neuen globalen Rahmens für Banken mitgewirkt hat. Während die erste Option für den Umgang mit angeschlagenen Banken das derzeitige Regelwerk sein sollte - einschließlich Verlusten für Anleihegläubiger -, seien Notfalllösungen erforderlich, sagte er.

„Sie sollten die Zeit nutzen, eine Art Vermögensverwaltungsinstrument vorzubereiten, falls sie dies am Ende benötigen. In sehr privatem Rahmen sollten sie auch sorgfältig darüber nachdenken, wie Rettungspakete zu gestalten sind, falls sie auf Rettungspakete zurückgreifen müssen“, sagte Tucker.

Überschrift des Artikels im Original:Fragile European Banks Bracing for Covid-Era Distressed Loans

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