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Zu früh gefreut? Den USA droht plötzlich wieder die harte Landung in der Rezession

 - Copyright: MJgraphics / Shutterstock
- Copyright: MJgraphics / Shutterstock

Im Sommer blühte die Hoffnung auf eine sanfte Landung der US-Wirtschaft, doch im Herbst welkt der Optimismus zusehend und es ziehen dunkle Wolken auf. Den USA droht eine Rezession.

Als die Notenbank Fed die Zinssätze über 18 Monate in die Höhe schraubte, um die Inflation in den Griff zu bekommen, hielten ein starker Arbeitsmarkt und stabile Verbraucherausgaben die US-Wirtschaft in Schwung. Dies stimmte viele Ökonomen und Anleger optimistisch, dass den USA das ökonomische Kunststück gelingen könnte, die Inflation ohne eine Rezession zu überwinden.

In einer Umfrage der National Association of Business Economics hielten noch im August 69 Prozent der befragten Betriebswirte eine weiche Landung für wahrscheinlich. Eine Umfrage der Bank of America ergab im Juli, dass 68 Prozent der befragten Fondsmanager zwar eine Verlangsamung der Wirtschaft, aber keine Rezession erwarteten.

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Im September nährte auch die Fed selbst diese Hoffnung, in dem sie den Leitzins unverändert ließ. Doch seit Herbstbeginn ist sich die US-Wirtschaft mit zunehmendem Gegenwind konfrontiert.

Droht den USA eine Rezession? Das gute Gefühl des Sommers ist verflogen

Den Sommer über schienen viele Amerikaner optimistisch für ihre Zukunft zu sein, denn sie gaben viel Geld für privaten Konsum aus. Besonders gefragt waren Erlebnisse wie Reisen, Kino oder Konzerte.

Die erfolgreichen Tourneen von Taylor Swifts oder Beyoncé sowie die Kino-Blockbuster „Barbie“ und „Oppenheimer“ gaben dem unverhofften Aufschwung den Spitznamen „Goldikocks“ ("Goldlöckchen"). Die Wirtschaft wuchs im richtigen Maß: nicht zu stark, um die Preise neu anzutreiben, aber auch nicht zu schwach, um Rezessionssorgen aufkommen zu lassen.

Dies lässt sich daran ablesen, wie die Amerikaner die wirtschaftliche Entwicklung einschätzten. Obwohl das Verbrauchervertrauen im August zurückging, sank auch der Anteil derjenigen, die eine Rezession in den nächsten 12 Monaten für wahrscheinlich halten, seit ihrem Hoch im Frühjahr weiter.

Perceived Likelihood of a US Recession over 12 months  - Copyright: The Conference Board
Perceived Likelihood of a US Recession over 12 months - Copyright: The Conference Board

Der Schmerz höherer Zinsen setzt verzögert ein

Diese Einschätzung droht sich nun zu ändern, denn der Druck auf die amerikanischen Verbraucher nimmt durch verschiedene Faktoren zu.

Die Bank JPMorgan etwa warnt die Amerikaner davor, sich von dem „Irrglauben“ einlullen zu lassen, die Inflation könne ohne Rezession besiegt werden. Die habe „zu Selbstgefälligkeit und breiter Akzeptanz der Soft-Landing- oder sogar No-Landing-These geführt“, schrieben die Analysten der Bank..

JPMorgan hob hervor, dass die Auswirkungen der Zinserhöhungen der Fed verzögert wirkten. Zu Beginn der Zinserhöhung waren die Hypothekenzinsen für viele Kreditnehmer wie Eigenheimbesitzer immer noch niedrig. Außerdem verfügten Amerikaner zu diesem Zeitpunkt über ein großes Bargeldpolster, genossen eine Erleichterung bei der Rückzahlung von Studentenkrediten und hatten nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen Nachholbedarf bei Dienstleistungen.

Die Ökonomen des Vermögensverwalters Bantleon wiesen darauf hin, dass die ungewöhnlich hohen Cash-Bestände vieler Unternehmen zu Beginn der Zinserhöhungen sogar die Gewinne steigen ließen. Der Bremseffekt höherer Zinsen trete in diesem Zyklus daher mit besonders langer Verzögerung ein. Aber er beginne sich nun zu zeigen.

Wie der Wirtschaftswissenschaftler David Rosenberg sagt, dauert es normalerweise sechs Monate, bis höhere Zinssätze die Wirtschaft erreichen. Doch weil es in diesem Zinszyklus länger dauert, droht die Ernüchterung.

Die Amerikaner sind vorsichtiger geworden

Jetzt zeigt der Konsum in den USA Zeichen dafür, dass viele Verbraucher erkennen, dass die Lage nicht gut ist, und vorsichtiger werden. Menschen geben weniger Geld für nicht unbedingt notwendige Dinge und große Anschaffungen aus. Sogar Discounter beginnen, den Druck zu spüren, nachdem sie anfangs von der Inflation profitiert hatten, weil viele Menschen nach preiswerteren Angeboten suchten.

Weitere Faktoren dürften die Situation noch verschärfen.

Eine aktuelle Umfrage von Bloomberg ergab, dass 21 Prozent der über 500 befragten Anlegern einen Rückgang des privaten Verbrauchs im vierten Quartal erwarten. Weitere 56 Prozent sagten, dass der Konsum Anfang 2024 zurückgehen werde.

Die Ersparnisse der Pandemie-Ära gehen zur Neige, die Kreditkartenschulden sind in Rekordhöhe, die Rückzahlung von Studentenkrediten muss wieder aufgenommen werden. Die höheren Zinssätze entfalten ihre schmerzhafte Wirkung. All das zusammengenommen ergibt einen gewaltigen Druck auf die amerikanischen Verbraucher.

Hinzu kommt, dass die Energiepreise, etwa für Benzin, wieder steigen. Das bedeutet nicht nur, dass den Amerikanern weniger Geld bleibt, um es anderswo auszugeben. Es könnte auch dazu führen, dass die Inflation wieder steigt.

Und obwohl die Entscheidung der Fed, die Zinssätze im September nicht zu erhöhen, als gute Nachricht empfunden wurde, enthielt die Ankündigung auch beunruhigende Details. Fed-Präsident Jerome Powell deutete an, dass die Zinssätze für lange Zeit hoch bleiben würden, was die Aktienkurse drückte. Der S&P 500 ist auf dem Weg zu seinem schlechtesten Monat des Jahres, und einige Experten halten sogar eine weitere Zinserhöhung im November für wahrscheinlich.

Powell sagte zwar, eine sanfte Landung sei „möglich„, warnte aber auch, dass dies von Faktoren abhängen könnte, ‚die außerhalb unserer Kontrolle liegen‘.

Die gute Nachricht ist, dass die Amerikaner nicht in Panik zu geraten scheinen, was die Wirtschaft noch mehr unter Druck setzen würde. Die schlechte Nachricht ist, dass sie sich vielleicht mehr Sorgen machen sollten, als sie es tun.

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