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Fränzi Kühne und Mitgründer Boontham Temaismithi verlassen Digitalagentur TLGG

Nach elf Jahren kehren die Unternehmer der Beratung den Rücken. Mitgründer Bornschein bleibt zwar bei TLGG, dennoch bekommt die Spitze ein neues Mitglied.

Fränzi Kühne entscheidet gerne und schnell. Diesmal musste sie aber länger überlegen. Dennoch hat die Unternehmerin eine klare Entscheidung getroffen: Die Mitgründerin der Digitalagentur „Torben, Lucie und die gelbe Gefahr“ (TLGG) wird das Unternehmen Ende Januar verlassen.

Auch ihr Gründerkollege Boontham Temaismithi wird sich dann anderen Aufgaben widmen. Mit Christoph Bornschein hatten sie 2008 die Beratung gegründet. Er bleibt im Unternehmen.

An die Stelle von Kühne und Temaismithi wird Stefanie Lüdecke rücken, derzeit noch Mitglied der Geschäftsführung von Pro Sieben Sat 1 Digital. Zuvor arbeitete sie für Axel Springer, Tui und „Spiegel Online“.

In den vergangenen Jahren haben Kühne, Bornschein und Temaismithi viele deutsche Konzernchefs mit der Digitalisierung vertraut gemacht. So erklärten sie den Managern, wie sie in Zeiten des Wandels Geschäftsmodelle neu denken, Social Media nutzen und Themen angstfrei diskutieren. Zu ihren Kunden zählten unter anderem Lufthansa und Vodafone, Mont Blanc, Bayer und Volkswagen.

Obwohl sich die Mutter einer dreijährigen Tochter bei TLGG zurückzieht, wird sie auch weiterhin mit Unternehmen zu tun haben: Kühne ist Aufsichtsratsmitglied von Freenet und der Württembergischen Versicherung. Außerdem ist sie Mitglied des AllBright-Stiftungsrates sowie Autorin und Kolumnistin und Co-Initiatorin der Kampagne „Ohne Frauen. Ohne Uns.“.

In das Gremium der Telekommunikationsfirma Freenet zog sie 2017 als jüngste Kontrolleurin Deutschlands ein. Die Unternehmerin hat einen Experten engagiert, der ihr bei den Vorbereitungen für die Sitzungen hilft.

Die einstige Gegnerin der Frauenquote findet es wichtig, dass Frauen in Aufsichtsräten vertreten sind. Kühne würde nicht in einem Unternehmen arbeiten wollen, dessen Kontrollgremium ausschließlich von Männern besetzt ist, sagte sie einmal.

Die bisherigen Aufgaben werden fürs Erste ihre einzigen sein. Denn die 36-Jährige sagt, dass sie ein bisschen Ruhe suche. Zudem habe sie eine lange Liste mit Vorhaben: Konzerte besuchen, an Versteigerungen teilnehmen und: „Ich will mit meiner Familie um die Welt reisen“, sagt Kühne. Süd- und Mittelamerika hat sie im Blick, auch will Kühne nach Australien und Neuseeland reisen.

Wie es danach beruflich weitergehen wird, weiß die Gründerin jetzt noch nicht: „Ich bin noch ganz offen, was ich nach diesem Jahr machen werde. Ich kann nichts ausschließen.“

Gründerkollege Temaismithi hat auch noch keine konkreten Pläne, wie es beruflich weitergehen soll. Er will einfach erstmal Urlaub machen. „Es ist für mich der richtige Moment für eine operative Pause, dafür, innezuhalten“, sagt er. Temaismithi hielt sich immer gerne im Hintergrund und überließ seinen Mitgründern in den vergangenen elf Jahren die Bühne.

Verkauf kein Grund für Rückzug

Auf die Frage, ob ihre Entscheidung mit dem Eigentümer Omnicom zu tun hat, antwortet Kühne mit einem klaren Nein. „Das hat nichts damit zu tun, dass wir vor knapp fünf Jahren das Unternehmen verkauft haben.“ Sieben Jahre nach der Gründung hatte das Trio die Mehrheit an den Digitalkonzern veräußert. Dadurch erhielt es die Möglichkeit, mehr Unternehmen im Ausland zu beraten.

Kühne, Temaismithi und Bornschein hatten TLGG als Freunde gegründet – und werden auch nach ihrem Rückzug Freunde bleiben, wie die Unternehmer versichern. Für Kühne ist Bornschein nicht nur der Patenonkel ihrer Tochter, er ist auch ihr „Seelenverwandter“, wie sie sagt.

Kühne, die im Berliner Stadtteil Pankow geboren wurde und der Hauptstadt immer treu geblieben ist, lernte Bornschein im Jurastudium kennen. Dieser kannte wiederum Temaismithi. Zu dritt gründeten sie dann vor elf Jahren TLGG als erste Social-Media-Agentur Deutschlands. Heute beschäftigt ihr Unternehmen TLGG mehr als 200 Mitarbeiter.

Mehr: Eine neue Studie zeigt: Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft sehen bei ihren Unternehmen noch Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung.