Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    13.298,96
    +46,10 (+0,35%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.539,27
    +22,17 (+0,63%)
     
  • Dow Jones 30

    30.151,98
    +182,46 (+0,61%)
     
  • Gold

    1.836,40
    -4,70 (-0,26%)
     
  • EUR/USD

    1,2146
    -0,0003 (-0,02%)
     
  • BTC-EUR

    15.638,39
    -217,74 (-1,37%)
     
  • CMC Crypto 200

    372,61
    -6,64 (-1,75%)
     
  • Öl (Brent)

    45,94
    +0,30 (+0,66%)
     
  • MDAX

    29.517,75
    +230,57 (+0,79%)
     
  • TecDAX

    3.117,66
    +32,33 (+1,05%)
     
  • SDAX

    13.969,70
    +127,08 (+0,92%)
     
  • Nikkei 225

    26.751,24
    -58,13 (-0,22%)
     
  • FTSE 100

    6.550,23
    +59,96 (+0,92%)
     
  • CAC 40

    5.609,15
    +34,79 (+0,62%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.440,25
    +63,07 (+0,51%)
     

„Fox News“ und Twitter gehen auf Distanz: Donald Trump verliert seine beiden Megafone

·Lesedauer: 4 Min.

Für Donald Trump ist es seit der Wahl schwieriger geworden, die Massen zu erreichen. Inzwischen streitet er sich öffentlich mit dem ihm eigentlich wohl gesonnenen Fernsehsender „Fox News“. Und Twitter versteckt seine Tweets.

Es war eine neue Erfahrung für Donald Trump, als der konservative TV-Sender „Fox News“ die Live-Übertragung einer Pressekonferenz mit der Sprecherin des Präsidenten abrupt beendete. Kayleigh McEnany sprach am Montagabend erneut von „illegalen Stimmabgaben“ und warf den Demokraten vor, Wahlbetrug zu unterstützen.

„Das sind explosive Anschuldigungen“, funkte Moderator Neil Cavuto plötzlich dazwischen. „Wenn die Regierung dafür Beweise liefert, dann schalten wir natürlich wieder zurück.“ Doch bis dahin könne er das den Zuschauern nicht weiter zeigen.

Für Trump ist das ein weiterer Affront des konservativen Nachrichtensenders aus dem Medienimperium von Rupert Murdoch, der den Präsidenten noch bis zur Wahlnacht wie kaum ein anderer unterstützt und gefördert hatte. Bis vor einer Woche hatte Fox dem Präsidenten nahezu uneingeschränkt Raum und Zeit für seine Botschaften gegeben. Doch mit den unbegründeten Angriffen auf das Wahlsystem hat Trump offenbar eine Grenze überschritten.

Die Fernsehsender ABC, CBS und NBC hatten bereits die Übertragung von Trumps Pressekonferenz am Donnerstag im Weißen Haus unterbrochen, um seinen zweifelhaften Behauptungen keine unnötige Plattform zu bieten.

Und auf Trumps Lieblingsmedium Twitter wurden viele Kurznachrichten des Präsidenten entweder hinter dem Hinweis versteckt, dass „dieser Inhalt ganz oder in Teilen umstritten und in Bezug auf die Wahl irreführend ist“. Oder die Nachrichten waren zwar sichtbar, wurden von dem sozialen Netzwerk jedoch mit roten Warnhinweisen versehen.

Trump musste am Samstag daher auf die klassische Pressemitteilung zurückgreifen, mit der er seine Vorwürfe uneingeschränkt erheben und verbreiten konnte. Fast scheint es so, als habe der Präsident seine beiden Megafone, Fox und Twitter, verloren. „Trump ist auf dem Weg, in Vergessenheit zu geraten“, sagt Jeff Jarvis, Journalismusprofessor an der City University of New York.

Der Republikaner hat den Wahlsieg Joe Bidens immer noch nicht anerkannt, viele andere, darunter auch immer mehr Parteifreunde Trumps und Fox News, schon. Nie zuvor hatte ein amtierender Präsident eine derart enge Verbindung zu einem TV-Sender wie Trump zu Fox. Immer wieder bestellte der Präsident Mitarbeiter des Senders ins Weiße Haus ein.

Murdoch hat immer zu Trump gehalten – bis jetzt

Moderatoren wie Sean Hannity und Tucker Carlson waren seine Fürsprecher und Berater, die ihn auch im Wahlkampf unterstützten. Noch Ende Oktober wurde ein Video von Hannity auf einer Wahlkampfveranstaltung in Michigan eingespielt.

Auch die zwei großen Print-Titel aus dem Hause Murdoch haben sich inzwischen klar von Trump distanziert. „Niedergeschlagener Trump macht unfundierte Vorwürfe des Wahlbetrugs“, titelte die „New York Post“. Und die traditionell Trump-freundliche Meinungsredaktion des „Wall Street Journal“ veröffentlichte einen Leitartikel mit dem Titel: „Das präsidentielle Endspiel: Trump hat das Recht, vor Gericht zu kämpfen. Aber er muss Beweise für den Wahlbetrug vorlegen.“

Mehr als 22.000 Mal soll Trump von Beginn seiner Amtszeit bis Ende Oktober gelogen haben, wie die Research-Abteilung der „Washington Post“ recherchierte. Fast immer hielten die Medien aus dem Hause Murdoch zu ihm. Das ist jetzt vorbei.

Trump hat die Medien offenbar verloren, aber noch hat er weiter ungezählte Senatoren auf seiner Seite. Erst am Montag hatte ihn Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat, neuerlich bestärkt, weiterzukämpfen. Trump habe „zu 100 Prozent das Recht“, auf Nachzählung und Klagen zu bestehen.

Nur vier der 53 republikanischen Senatoren haben Biden bislang als Wahlsieger anerkannt. Auch Justizminister William Barr unterstützt Trump weiter und hat angeordnet, dass Bundesstaatsanwälte den Vorwürfen des Wahlbetrugs nachgehen müssen.

Trumps Team verschickt Spendenaufrufe

So könne der Präsident auch abseits der Medien noch Schaden anrichten, gibt Journalismusforscher Jarvis zu bedenken. Doch seine Botschaften würden nicht mehr so laut verstärkt, wie es der Präsident bislang gewohnt war. „So, wie der Trumpismus ohne Trump weitergehen kann, kann auch Murdoch ohne Trump weitermachen“, gibt Jarvis zu bedenken. „Fox hat schneller als die Politiker erkannt, dass Trump ein Mann der Vergangenheit ist.“

Der Präsident gibt sich unterdessen kämpferisch wie eh und je und sucht den direkten Kontakt zu seiner Basis. Rund ein Dutzend Mails am Tag verschickt sein Wahlkampfteam. Meist sind es Aufrufe, um Geld zu spenden. Schließlich müsse „die Verteidigung der Wahl“ finanziert werden.

Zudem plant Trump offenbar, in den kommenden Wochen bei Veranstaltungen zu seinen Anhängern zu sprechen, so wie auf den vielen Wahlkampfauftritten, bei denen er zur Höchstform auflief. So könnte er Twitter und Fox umgehen und ungestört über den Stand seiner Klagen sprechen.

„Seine hartgesottenen Fans werden da sicher noch auftauchen“, glaubt Jarvis. Doch die breite Masse werde er nicht mehr erreichen.