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Foto eines Berliners taucht illegal in der Tagesschau auf

Das  Foto von Martin Baer aus Berlin war 25 Sekunden in der Tagesschau zu sehen – ohne, dass er seine Zustimmung gegeben hat. Wie es dazu kam.

(Bild: Daniel Reinhardt/picture alliance via Getty Images)

Das Recht am eigenen Bild gehört zu den allgemeinen Persönlichkeitsrechten und besagt, dass jeder Mensch selbst entscheiden kann, ob und in welchem Zusammenhang Bilder mit ihm veröffentlicht werden.

Das Foto von Martin Baer erschien am 24. Januar in einem Beitrag der Tagesschau über verschobene Pläne des Innenministers zur Gesichtserkennung. Während die Moderatorin 25 Sekunden lang berichtet, sind hinter ihr zwei Portraits des 57-Jährigen zu sehen. Seine Zustimmung dafür hatte er nie gegeben.

“Meine Verblüffung hat schnell der Verärgerung Platz gemacht”

“Meine Verblüffung hat schnell der Verärgerung Platz gemacht”, sagt Baer der Zeitung “Der Tagesspiegel”. Unter den rund zehn Millionen Zuschauern seien auch zahlreiche Freunde und Bekannte des Berliners gewesen, die ihn auf das Erscheinen seiner Bilder aufmerksam gemacht hätten.

Skurril: Martin Baer ist Kameramann und Regisseur und hat sogar schon einen Dokumentarfilm (“Der illegale Film”) zum Thema Bildrechte gedreht.

 

 “Die Menschheit filmt und fotografiert sich wie nie zuvor. Zwei Milliarden Bilder werden Tag für Tag in die Netzwerke hochgeladen – und diese Zahl wächst weiter. Über 45 Milliarden Kameras werden uns und die Welt im Jahr 2020 filmen und fotografieren. Wem gehören all diese Bilder? ,Der illegale Film‘ fragt, welche Bilder wir in Zukunft zu sehen bekommen und wie der Zugang dazu geregelt wird”, heißt es auf der Internetseite zum Film.
Und ausgerechnet Fotos des Filmemachers selbst landeten illegal in der Tageschau.

So kam das Bild in die Nachrichten

Wo sein Foto aufgenommen wurde, wisse er genau, berichtete der Berliner Regisseur der Zeitung “Der Tagesspiegel”. 2017 habe er aus Interesse für seinen Film als einer von 300 Probanden an einem Feldversuch des Innenministeriums zur automatisierten Gesichtserkennung am Bahnhof Südkreuz teilgenommen.


Die Auflagen für die dort erstellten Bilder seien so streng gewesen, dass er noch nicht mal sein eigenes Bild vom Rechner der Bundespolizei habe abfilmen dürfen. “Man hat mir versprochen, dass nicht einmal andere Bundespolizisten mein Bild sehen dürfen. Ein absurder Witz”, sagt Baer gegenüber dem Blatt.
Wie konnte es dann sein, dass sein Bild in die Tagesschau gelangte? Ein Redakteur des Magazins der Spiegel recherchierte und bekam bei der Nachrichtenagentur dpa die Auskunft, dass es sich um Archivbilder ohne Verwendungsbeschränkung handele.

“Ich will, dass wir uns mit dem Thema Recht am Bild beschäftigen”

Auf Nachfrage bei der Bundespolizei kommt die Auskunft, dass man die Fotografen beim damaligen Pressetermin “mehrfach mündlich” darauf hingewiesen habe, dass die Personen auf den Bildern unkenntlich zu machen seien. Man solle sich an die dpa wenden.


”Ich bin jetzt nicht die beleidigte Leberwurst, aber es unterstreicht noch einmal die Sorglosigkeit”, sagt Baer. Da keiner den Fehler eingestehen wolle, hat der Berliner nun einen Anwalt zu Rate gezogen und behält sich rechtliche Schritte vor. Um Entschädigung gehe es ihm nicht: “Ich will, dass wir uns mit dem Thema Recht am Bild beschäftigen.”

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