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Fortinet scheint die Cyber-Security-Schlacht zu gewinnen

Nicholas Rossolillo

Wie wärs damit: ein schnell wachsendes und profitables Tech-Business. Leider ist das jedoch einfacher gesagt als getan. Es gibt nur wenige Tech-Unternehmen, die beides leisten können, da man sich meistens zwischen Umsatzwachstum und Profitabilität entscheiden muss – besonders in einer Industrie, die so sehr von Innovation und Disruption geprägt ist.

Trotzdem schafft Fortinet (WKN: A0YEFE) genau das: Das Umsatzwachstum im dritten Quartal beschleunigte sich auf 21 %, beim bereinigten Gewinn je Aktie betrug das Wachstum sogar 37 % im Jahresvergleich. Damit wurden die Analystenerwartungen übertroffen. Besonders beeindruckend ist, dass Fortinet – eines der größten Unternehmen im Bereich digitale Sicherheit – diese Zahlen trotz intensiven Wettbewerbs und trotz hoher Disruption in der Branche erreicht hat: Die Cyber-Security-Landschaft entwickelt sich momentan extrem, da die neuen Bedürfnisse von Unternehmen in Zeiten von Cloud Computing, Homeoffice und verbundenen Geräten erfüllt werden müssen. Wenn Fortinet bisher nicht auf deiner Watchlist stand, dann sollte sich das nun ändern.

Ein Blick auf die Zahlen

Fortinet ist kein neues Unternehmen in dieser Branche: Gegründet wurde es im Jahr 2000, ursprünglich bot das Unternehmen Firewalls (Hardware-Geräte, die entscheiden, welche Daten in ein Netzwerk hinein- und welche hinausdürfen) für Unternehmen an. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung des Internets brauchten Unternehmen diese Geräte.

Das Unternehmen ist hier nach wie vor tätig und verbessert seine Produkte stetig. CEO Ken Xie sagte, dass die Produktaktualisierungen dem Unternehmen geholfen hätten, Marktanteile zu gewinnen. Doch die Welt und auch die Bedürfnisse von Unternehmen haben sich verändert, und so sind softwarebasierte Sicherheitsdienste nun auf dem Vormarsch. Das Ganze gilt vor allem im Kontext zunehmend mobiler Mitarbeiter – Stichwort „Homeoffice“ – und der zunehmenden Wichtigkeit von Cloud-Computing-Lösungen.

Für IT-Abteilungen in Unternehmen bedeutet das jede Menge Arbeit. Fortinet hat diesen Trend früh erkannt und seinen Service „Security Fabric“ – eine Ende-zu-Ende-Lösung für Großunternehmen – ins Leben gerufen, um weitere Marktanteile zu gewinnen. Xie sagte, dass Fortinet trotz vieler Abwanderungen von Unternehmen zu neuen, digitalen Systemen „aufgrund des großen Angebots an hybriden und Multi-Cloud-Lösungen in der Lage sei, Sicherheitsdienste aus der Cloud für die Cloud anzubieten“. Das Ergebnis ist ein etabliertes Cyber-Security-Unternehmen, das nicht nur stabil bleibt, sondern das durchschnittliche Wachstum in der Branche sowohl umsatz- als auch gewinnseitig deutlich schlägt.

Kennzahl 1. bis 3. Quartal 2019 1. bis 3. Quartal 2018 Veränderung
Umsatz 1,54 Milliarden Dollar 1,29 Milliarden Dollar 19 %
Bruttomarge 76,3 % 75,1 % 1,2 Prozentpunkte
Operative Kosten 951 Millionen Dollar 826 Millionen Dollar 15 %
Ergebnis je Aktie 1,21 Dollar 0,86 Dollar 41 %

Quelle: Fortinet

Aus eigener Kraft

Besonders beeindruckend an der ganzen Sache ist, dass sich die Datensicherheitslandschaft in den letzten Jahren merklich verändert hat: Cloudbasierte Start-ups wie ZscalerOkta und CrowdStrike Holdings drängten auf den Markt. Etablierte Unternehmen mussten sich rasch verändern, was bei manchen nur bedingt funktionierte. Der wackelnde Sicherheitsgigant Symantec verlor dieses Jahr die Hälfte an Wert, das Firmenkundengeschäft ging an Broadcom. Andere Unternehmen setzen auf die Übernahme kleiner Start-ups, um sich an die neuen Bedingungen anzupassen.

Im Vergleich mit anderen großen Akteuren in der Branche wie Palo Alto Networks ist Fortinet eher organisch in diese neue Ära hineingewachsen. Zwar tätigt auch Fortinet hin und wieder Zukäufe, zuletzt etwa das Endpoint-Protection-Start-up enSilo, dessen Übernahme Ende des dritten Quartals angekündigt wurde. Doch diese Übernahmen halten sich in Grenzen und der disziplinierte Ansatz hat geholfen, die Kosten in Schach zu halten, was dafür sorgen wird, dass neue Produkte schnell zu Gewinnwachstum führen. Die verlässlichen Ergebnisse im letzten Jahrzehnt sprechen für sich.


Daten von YCharts

Xie sagte, dass enSilo dabei helfen werde, Fortinets bestehende Lösungen im Kontext von Trends wie 5G-Netzen und dem Internet der Dinge zu führenden Angeboten zu machen. Auch der letzte Quartalsbericht hat gezeigt, dass die Entwicklung der Cybersicherheitsbranche für Fortinet mehr Chance als Risiko ist. Die Aktie wird zum 22,7-Fachen des freien Cashflows gehandelt – nicht gerade günstig, aber angesichts des Gewinnwachstums vernünftig. Der letzte Quartalsbericht hat diese Aktie noch interessanter gemacht.

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Nicholas Rossolillo besitzt Aktien von CrowdStrike Holdings, Fortinet, Okta, Palo Alto Networks und Zscaler. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Okta, Palo Alto Networks und Zscaler. The Motley Fool besitzt Aktien von CrowdStrike Holdings. The Motley Fool empfiehlt Broadcom Ltd und Fortinet.

Dieser Artikel erschien am 6.11.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2019