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Forscher: Arbeit am Wochenende darf in Corona-Krise kein Tabu sein

Arbeitswelt in der Coronazeit: Volkswagen hat dem Betrieb wieder aufgenommen (Bild: Swen Pförtner/Pool/Getty Images)

In der Corona-Krise darf Arbeit am Wochenende aus Sicht eines Arbeitswissenschaftlers kein Tabu sein - um Arbeitszeiten im Zuge des Gesundheitsschutzes zu entzerren.

"Wir könnten Arbeiten auf Distanz einfacher realisieren, wenn sich die Präsenzarbeitszeiten besser auf die Tageszeiten und Wochentage verteilen ließen", sagte der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Prof. Dieter Spath, der Deutschen Presse-Agentur. "Dabei muss auch das Wochenende in dieser Ausnahmesituation kein Tabu sein. Damit könnten Arbeitszeiten entzerrt und die nötige Distanzierung in den Betrieben gesichert werden."

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Sicherheit sei die Voraussetzung für gutes Arbeiten und wirtschaftliche Leistungsentfaltung, sagte Spath. "Solange es keinen Impfstoff gibt gegen das Coronavirus, müssen wir deshalb auch in den Betrieben auf Abstand bleiben und die Arbeitsorganisation entsprechend anpassen. Die Zahl der Beschäftigten in einem Raum muss durch zeitliche und räumliche Distanzierung sinken. Das kann über flexiblere Präsenzarbeitszeiten in wechselnden Schichten gehen oder auch über das Ausweichen auf leerstehende Räume - alles natürlich nur in dieser Ausnahmesituation."

Kreative Lösungen gefragt

Unternehmen und Mitarbeiter müssten miteinander individuelle, gute, kreative Lösungen finden. "In den Unternehmen passiert in diese Richtung schon sehr viel", sagte Spath, der auch Leiter des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart ist.

Die Corona-Krise werde die Art des Arbeitens nachhaltig verändern. "Viele haben nun Vorbehalte gegenüber Videokonferenzen und anderen Möglichkeiten der Kommunikation abgebaut. Viele werden sich überlegen, welche Reisen wirklich nötig sind, ob wir also nicht auch nach der Krise die Dienstreisen reduzieren auf die Termine, bei denen das Onlinemeeting keine Alternative ist. Das spart Zeit, Geld und ist ökologisch sinnvoll", sagte der Forscher.

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"Wir haben in der Krise erkannt, wie wichtig der Ausbau digitaler Infrastruktur ist und wie dringend wir hier vorankommen müssen. Wir merken, dass Unternehmen, Schulen oder auch Behörden, die in der Vergangenheit verstärkt in die Digitalisierung investiert haben, in der Krise widerstandsfähiger, also resilienter, sind. Wir müssen da mehr machen, auch nach der Krise."

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