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Wie sich Ford auf den harten Brexit vorbereitet

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Einigen sich London und Brüssel nicht auf einen geregelten Brexit, würde das den Autohersteller Ford hart treffen. Das Management hat deshalb einen Notfallplan ausgearbeitet.

Ein Mitarbeiter bei Ford montiert im Ford-Werk in London einen Dieselmotor. Der US-amerikanische Autohersteller Ford hat 2,5 Milliarden US-Dollar in das Werk gesteckt, in dem etwa 3150 Mitarbeiter alle 30 Sekunden einen Motor herstellen. Foto: dpa
Ein Mitarbeiter bei Ford montiert im Ford-Werk in London einen Dieselmotor. Der US-amerikanische Autohersteller Ford hat 2,5 Milliarden US-Dollar in das Werk gesteckt, in dem etwa 3150 Mitarbeiter alle 30 Sekunden einen Motor herstellen. Foto: dpa

Das Europageschäft des US-Autokonzerns Ford würde schwer getroffen, sollten sich die EU und die Londoner Regierung nicht auf ein neues Handelsabkommen verständigen. Deshalb setzt Ford auf ein gutes Ende. „Wir gehen in unseren Planungen davon aus, dass sich Großbritannien und die EU auf eine Vereinbarung verständigen werden“, sagte Ford-Europa-Chef Stuart Rowley im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das gesamte europäische Fertigungsnetz des US-Herstellers basiert auf einem freien Warenverkehr. So fertigt Ford beispielsweise in Großbritannien im Werk London-Dagenham Dieselmotoren, die später in den deutschen Werken in Köln und Saarlouis in der Pkw-Montage verwendet werden.

Die Motoren von der britischen Insel gehen auch zum Ford-Montagewerk in der Nähe von Valencia, einem weiteren wichtigen europäischen Standort des US-Konzerns. In Spanien werden vor allem SUVs montiert, die in den vergangenen Jahren eine immer größere Bedeutung bekommen haben.

Doch Ford Europa produziert nicht nur Dieselmotoren auf der britischen Insel. Großbritannien ist auch ein wichtiger Fertigungsstandort für Getriebe, die ebenfalls in den Fahrzeugwerken auf dem europäischen Kontinent gebraucht werden. Ford betreibt eine Getriebefabrik in der Nähe von Liverpool.

Das Produktionsnetzwerk ist über die vergangenen Jahrzehnte entstanden – als die Briten Mitglied der EU waren und Zölle deshalb in der internen Kalkulation von Ford keine Rolle gespielt haben.

Ford Europa würde künftig also zweimal von Zöllen getroffen werden, wenn es keine Einigung gäbe: bei der Einfuhr von Motoren und Getrieben auf dem europäischen Kontinent und wieder bei der Einfuhr der fertigen Fahrzeuge in Großbritannien.

Oder Ford müsste den Verkauf einiger Modellreihen auf der britischen Insel komplett aufgeben, weil die Zölle die Autopreise zu sehr in die Höhe treiben würden. Ford ist ein klassischer Volumenhersteller mit einer Kundschaft, die stark auf den Preis eines Fahrzeugs achtet.

Zölle würden britische Aktivitäten infrage stellen

„Wir hoffen, dass diese Situation vermieden werden kann“, ergänzte ein Ford-Sprecher in der Europazentrale in Köln. Auch in Zukunft müsse es einen zollfreien Handel zwischen dem Kontinent und der britischen Insel geben. „Das ist der Schlüssel für uns im Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien“, hatte Ford-Europa-Chef Rowley schon zu Jahresbeginn betont.

Sein Unternehmen habe stets versucht, mit einer vorsichtigen Einflussnahme beide Seiten zu einer Einigung zu bewegen. Rowley ist selbst Brite. Deutschland und Großbritannien sind die beiden wichtigsten europäischen Absatzmärkte für den US-Autohersteller.

Die europäische Ford-Tochter habe sich mit Notfallplänen auf eine Zeit ohne Abkommen vorbereitet, so der Sprecher weiter. Dazu gehöre die Sicherstellung der Fahrzeug- und Teileversorgung – also in erster Linie vergrößerte Läger, was allerdings auch eine höhere Kostenbelastung mit sich bringe. Doch auch mit den Notfallplänen werde es nicht möglich sein, „Einschränkungen ganz zu vermeiden“.

Aus wirtschaftlicher Sicht wäre ein Brexit ohne Abkommen zwischen der EU und Großbritannien ein großes Problem für den europäischen Ford-Ableger. Die Europa-Tochter von Ford verdient schon seit Jahren kaum Geld mit dem Verkauf ihrer Autos. Zölle würden die Wirtschaftlichkeit zusätzlich infrage stellen.

Die Corona-Pandemie hat das Unternehmen zudem tief in die roten Zahlen gedrückt. In diesem Jahr wird Ford Europa deshalb nicht wie ursprünglich geplant die Gewinnzone erreichen können. Das operative Minus liegt nach drei Quartalen bei etwa 1,25 Milliarden US-Dollar.

Um die Ertragskraft wieder dauerhaft zu verbessern, hatte Ford Europa zu Beginn des vergangenen Jahres ein umfassendes Sanierungsprogramm aufgelegt. Von europaweit rund 50.000 Beschäftigten soll etwa ein Fünftel gehen, also rund 10.000. Bis zum Ende des dritten Quartals waren bereits 9000 Arbeitsplätze gestrichen worden, bestätigte Ford. Die Hälfte des geplanten Stellenabbaus entfällt auf den deutschen Ford-Teil.

Der Autohersteller ist deshalb zuversichtlich, den angekündigten Stellenabbau tatsächlich bis zum Ende dieses Jahres zu erreichen. Zu dem Sanierungsprogramm gehörten etwa auch der Rückzug vom russischen Markt und die Schließung einzelner Werke. Im September hatte Ford zuletzt eine Motorenfabrik im walisischen Bridgend mit rund 1700 Arbeitsplätzen aufgegeben.